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    Die Zügelung der Inflation ist eine der Richtungen der gegenwärtigen Kredit-Geld-Politik Russlands. Stimuliert aber die Senkung der Inflation das Wirtschaftswachstum? Unlängst wurden Zahlen offiziell bekanntgegeben, die eine kurzzeitige öffentliche Aktivität von Beamten auslösten:

    Im Jahre 2004 wird die Inflation in Russland am wahrscheinlichsten die geplanten 10 Prozent übersteigen und nach verschiedenen offiziellen Angaben 10,5 bis 11,5 Prozent betragen. Vertreter des Finanzministeriums, des Ministeriums für Wirtschaftsentwicklung und Handel sowie der Zentralbank beeilten sich, sich zu den Ursachen der "Nichterfüllung des Plans" für 2004 zu äußern. Vizepremier Alexander Schukow erklärte, dass die Inflation durch die hohen Erdölpreise und die enorme positive Außenhandelsbilanz angestiegen war, was einen großen Valutazufluss in das Land bedingt.

    Immer offensichtlicher wird, dass die russischen Finanzbehörden der Eindämmung der Inflation große Bedeutung beimessen. Diese Orientierung der Behörden auf die Bekämpfung der Inflation ist im Grunde erklärbar. Vom sozialen Standpunkt aus ist das Problem des Inflationsanstiegs in Russland immer noch aktuell, denn viele haben bis heute den Anfang der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts noch gut in Erinnerung. Laut dem Finanzminister der RF, Alexej Kudrin, ist die Reduzierung der Inflation eine der Methoden für den Rückgang der Armut im Lande. "Unter den Bedingungen einer ansteigenden Inflation wird der Zuwachs der Einnahmen der Armen durch jegliche Unterstützungsquellen die Inflation nur einholen, in der Regel aber hinter ihr zurückbleiben", erläuterte er und fügte hinzu, dass die Menschen in diesem Fall noch ärmer werden.

    Die meisten russischen Bürger bewegen heute die sozialen Veränderungen, die die Regierung vornimmt. Die Rentenreform und die Monetisierung der Vergünstigungen sowie ihr ökonomischer und sozialer Effekt sind vorläufig nicht klar. Wahrscheinlich wollen die Behörden vor diesem Hintergrund nicht noch das Ansteigen der Inflation zulassen, was zu einem zusätzlichen Faktor zur Beunruhigung der Bevölkerung werden kann.

    Die Zentralbank der RF legte unlängst den Entwurf der "Hauptrichtungen der einheitlichen staatlichen Geld-Kredit-Politik für 2005" vor. Darin erklärte sie ein weiteres Mal, dass die "Senkung der Inflation auf die geplante Höhe das Hauptziel der Geld-Kredit-Politik ist". Die Zentralbank nimmt an, dass die Inflation 2005 auf 6,5 bis 8,5 Prozent, 2006 auf 5,5 bis 7,5 Prozent und 2007 auf 4 bis 6 Prozent zurückgehen wird. Die Bank teilt mit, dass eine niedrige Inflationsrate die Grundlage für die Sicherung der Rubelstabilität, positive Erwartungen der Wirtschaftsagenten, die Minderung der Risiken und sonstiges ist.

    Das ist selbstverständlich richtig, reicht aber für die Entwicklung der Wirtschaft unverkennbar nicht aus. Um in den nächsten zehn Jahren in Russland ein hohes Tempo des Wirtschaftswachstums, geschweige denn die Verdoppelung des Bruttoinlandsprodukts, eine Aufgabe, die vom Präsidenten des Landes gestellt wurde, zu erreichen, sind ein stabiler Finanzmarkt, ein stabiles Banksystem und das Vorhandensein von Quellen einer langfristigen Kreditierung und Finanzierung notwendig. Und diesen Aspekten wird im Entwurf nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt.

    Außerdem trägt die Zügelung der Inflation laut den Gesetzen der Wirtschaftstheorie nicht in großem Maße zur Steigerung des Tempos des Wirtschaftswachstums bei. Die unvermeidliche Folge der Herabsetzung des Zuwachstempos der Geldmasse ist ein Rückgang des Produktionsniveaus und des Beschäftigungsgrades. Und im Gegenteil. Für die Stimulierung des Wirtschaftswachstums kann ein gewisser Überschuss an Geldmasse im Lande (natürlich nicht Hyperinflation) als günstiger Faktor dienen, denn bei den Betrieben entstehen mehr Möglichkeiten, Mittel in die Erneuerung der Grundfonds zu investieren. Wie in diesem Fall die optimale Inflationshöhe aussehen muss, ist eine alles andere als einfache Frage. Experten nennen Zahlen von 15 bis 20 Prozent.

    Das Inflationsproblem hängt auch mit der Diskussion über Wege der Inanspruchnahme der Mittel des Stabilisierungsfonds eng zusammen. Durch die Bildung des Stabilisierungsfonds löste die Regierung zum Teil das Problem der Zügelung der Inflation durch die Akkumulation der überschüssigen Geldmasse im Fonds. Wenn es darum geht, einen Teil der Mittel für die Wirtschaft bereitzustellen, so erklären die Finanzbehörden, dass dies unweigerlich zu einem Anstieg der Inflation führen wird. Hier gibt es einen Vorbehalt. Wenn man das Geld einfach unter der Bevölkerung verteilt, so erhöht das die Inflationsrisiken tatsächlich. Wenn man aber eine Entscheidung über die Investierung dieser Mittel in den realen Sektor trifft, so kann man nichtinflationäre Mechanismen der Stimulierung der Produktion schaffen. Und dann können die Mittel des Stabilisierungsfonds für die Erweiterung des Inlandswarenmarktes ohne Risiko eines Anstiegs der Inflation arbeiten.

    Viele Experten sagen darüber, dass der Sterilisierungseffekt aus der Abführung von Mitteln an den Haushalt und unter anderem an den Stabilisierungsfonds überschüssig sei. Nach Meinung des Chefökonoms des Unternehmens "Troika-Dialog", Jewgeni Gawrilenkow, können die Funktion der Sterilisierung des überschüssigen Geldangebots neben dem Stabilisierungsfonds auch andere Instrumente, unter anderem Finanzmärkte im Falle ihrer aktiveren Entwicklung, ausüben. Die Finanzmärkte könnten die überschüssige Geldmasse absorbieren und den Preisdruck auf die Warenmärkte mindern.

    Wie der stellvertretende Vorsitzende der Zentralbank der RF, Alexej Uljukajew, sagte, geht der Ausbruch von lokalen Faktoren, die den Anstieg der Inflation im laufenden Jahr ausgelöst haben, zu Ende. Und die fundamentalen Faktoren werden einen Einfluss in Richtung Senkung der Inflation nehmen. Die Experten sind weniger optimistisch und sagen, dass die Inflation 2005 am wahrscheinlichsten weiter zunehmen wird. Im Ergebnis des Überganges von Vergünstigungen in Naturalien zu Entschädigungen in Geldform im Jahre 2005 wird die Bevölkerung eine Summe von zusätzlich 171 Milliarden Rubeln in ihren Händen haben, was zusätzliche Inflationsrisiken schaffen wird. Außerdem werden die voraussichtliche Erhöhung der Tarife für Erdgas und die hohen Erdölpreise, die zu einem Anstieg der Preise für Erdölprodukte im Lande führen können, nicht zur Senkung der Inflation beitragen. Die Chefökonomin der Alpha-Bank, Natalja Orlowa, stellte die Prognose, dass die Inflation 2005 noch schneller wachsen und nach den Ergebnissen des nächsten Jahres 13 Prozent betragen kann.

    Außerdem streben die Finanzbehörden neben der Aufrechterhaltung der Inflation in bestimmten Grenzen auch danach, eine übermäßige Rubelfestigung vor dem Hintergrund der überhöhten Erdölpreise nicht zuzulassen. Obwohl viele Experten gerade das Wachstum des Nominalrubelkurses als Rezept für die Zügelung des Preisanstiegs nennen. Anders gesagt, versuchen die Finanzbehörden, gleichzeitig zwei entgegengesetzte Aufgaben zu lösen. Es sieht danach aus, dass die Aufgabe zur Stimulierung des Wirtschaftswachstums in den Hintergrund rückt.

    Letzten Endes hängen die Erfolge bei der Verdoppelung des Bruttoinlandsprodukts und bei der Reduzierung der Armut in Russland in erster Linie von der Entwicklung einer konkurrenzfähigen Wirtschaft ab. Und die Zügelung der Inflation ist lediglich ein Teil der makroökonomischen Politik, die in tiefer Koordinierung mit anderen Teilen betrieben werden muss. (Nina Kulikowa, Wirtschaftskommentatorin der RIA Nowosti).
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