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Warum normale Geldpolitik für immer eine Illusion bleiben wird

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  • Luis
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    Bundesbank warnt vor Verwundbarkeit des Finanzsystems - 03. Februar 2020

    Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch hält das deutsche Finanzsystem angesichts der anhaltenden Zinsflaute für anfällig.

    "Aktuell bauen sich weiterhin Verwundbarkeiten im Finanzsystem auf", sagte Buch dem "Handelsblatt" (Montagausgabe). Deutschland habe auch wegen der günstigen Finanzierungsbedingungen zehn wirtschaftlich sehr gute Jahre gehabt.

    In dieser Zeit hätten sich zyklische Risiken aufgebaut. "Kreditrisiken können tendenziell unterschätzt und Vermögenswerte, etwa am Immobilienmarkt, überschätzt werden."

    Gefahren sieht Buch vor allem bei einem Konjunktureinbruch oder bei einem abrupten Zinsanstieg, wenn zum Beispiel die Risikoprämien auf den Märkten steigen. Insgesamt seien die deutschen Banken aber besser für eine Krise gerüstet als nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008. Die Institute hätten ihr Kapital deutlich gestärkt.

    Problematisch seien jedoch die geringen Gewinnmargen der Banken, die damit zusammenhängen, dass der Sektor in Deutschland sehr wettbewerbsintensiv ist. Dies könne einen Strukturwandel in der Branche beschleunigen.

    Die Bewertung von Klimarisiken für die Finanzstabilität steht nach Ansicht von Buch noch am Anfang. Gemeinsam mit anderen Notenbanken und Aufsichtsbehörden entwickele die Bundesbank Ansätze, um die Auswirkungen des Klimawandels auf den Finanzsektor genauer zu untersuchen. "Oft fehlen hierfür wichtige Informationen – zum Beispiel zu den Klimarisiken in den Unternehmensbilanzen."

    Die Bundesbank-Vizepräsidentin sieht hier vor allem die Politik gefordert. Um Klimarisiken zu bewerten, seien letztlich klare Preissignale nötig. Diese zeigten den Marktteilnehmern transparent an, wo der größte Handlungsbedarf zur Vermeidung von CO2 bestehe. "Das erfordert klimapolitische Entscheidungen – das ist Aufgabe der Politik, nicht der Notenbanken."

    https://www.mmnews.de/wirtschaft/138...-finanzsystems

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  • Luis
    antwortet
    Nun warnt sogar der IWF vor den Gefahren des billigen Geldes - 29.01.2020

    Von Holger Zschäpitz Leitender Wirtschaftsredakteur

    Bisher hatte sich der Internationale Währungsfonds für eine ultralockere Geldpolitik stark gemacht. Jetzt die Kehrtwende: Die Anzeichen für Spekulationsblasen und Schuldenexzesse seien unübersehbar. Die Ökonomen befürchten einen Soufflé-Effekt.

    Als Kristalina Georgiewa vergangene Woche auf dem Weltwirtschaftsforum vor den Folgen der ultralockeren Geldpolitik und einem Schuldenkollaps warnte, hörte ihr niemand richtig zu. Die Wirtschafts- und Finanzelite wollte sich in Davos die Feierlaune von der neuen Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht verderben lassen. Dabei hatte es ihre Mahnung durchaus in sich. Die Anzeichen von Spekulationsblasen und die Schuldenexzesse seien unübersehbar.

    In der Hälfte der armen Länder seien die Verbindlichkeiten auf Niveaus geklettert, bei denen man von Überschuldung reden müsse. „Wenn die Akteure von dauerhaft niedrigen Zinsen sprechen, jagt mir das einen Schauer über den Rücken. Wir sind gerade mal im Januar und hatten schon etliche Risikomomente“, sagte Georgiewa in Davos. Ein Großteil der Liquidität der Notenbanken sei in die Börsen geströmt und habe für steigende Kurse und fallende Zinsen gesorgt. „Wir müssen über die unerwünschten Nebenwirkungen sprechen“, so ihr Fazit.

    Da die Mahnung verhallt ist, legt der IWF jetzt noch mal nach. Die beiden Ökonomen Tobias Adrian und Fabio Natalucci haben noch einmal eindringlich vor den Folgen des billigen Geldes der globalen Notenbanken gewarnt. In einem „Aufruf zur Wachsamkeit bei risikoreichen Anlagen“ streichen sie die Nebenwirkungen der ultralockeren Geldpolitik heraus. Dadurch hätten sich Risiken aufgebaut, auf die die Finanzaufseher reagieren müssten. In dem Papier fordern die Experten, zusätzliche Risikopuffer zu aktivieren.

    Sprich: Kreditinstitute sollten mehr Kapital beiseitelegen, um unvorhergesehene Ereignisse abpuffern zu können. „Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die politischen Entscheidungsträger den Aufbau finanzieller Verwundbarkeiten überwachen und gegebenenfalls Maßnahmen ergreifen“, schreiben Adrian und Natalucci. Ansonsten könnten negative Schocks an einem Markt kaskadenartig die Weltwirtschaft ins Minus drücken.

    Die Warnung des IWF ist durchaus bemerkenswert. Unter der Georgiewa-Vorgängerin Christine Lagarde hatte sich der Währungsfonds immer für eine lockere Geldpolitik starkgemacht. Und selbst Adrian und Natalucci schreiben in ihrem Brandbrief, dass ohne Hilfe der Notenbanken das weltweite Wirtschaftswachstum um einen halben Prozentpunkt niedriger wäre – und damit die Welt faktisch in der Rezession. 2019 ist das globale Wirtschaftswachstum nur noch um 2,9 Prozent expandiert. Da die Weltbevölkerung jährlich um drei Prozent wächst, entspricht jeder ökonomische Zuwachs von deutlich unter drei Prozent faktisch einer Schrumpfung. Für das laufende Jahr erwartet der IWF immerhin ein Plus von 3,3 Prozent.

    https://www.welt.de/img/finanzen/mob...itzins-jpg.jpg

    Doch die konzertierte ultraexpansive Geldpolitik provoziere immer größere Risiken. Die jüngste Rallye an den Finanzmärkten führen die beiden Experten vor allem auf das billige Geld der Währungshüter zurück. 2019 hatten so viele Notenbanken die Zügel gelockert wie seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr. US-Aktien hatten mehr als 30 Prozent zugelegt, europäische um über 25 Prozent.

    Aber auch Anleihen aus Schwellenländern oder Hochzinspapiere von Firmen gehörten zu Profiteuren des billigen Geldes. Zwischen den Zeilen lassen Adrian und Natalucci durchblicken, dass es sich bei den starken Kursgewinnen wie um ein Soufflé handeln könnte, das in sich zusammenfällt, sobald es zu ruckartig bewegt wird. Da die Bewertungen von Risikoanlagen inzwischen sehr hoch sind, sind auch die Gefahren entsprechend ausgeprägt.

    https://www.welt.de/img/finanzen/mob...Risiko-jpg.jpg

    Ein Risiko am Ende eines Konjunkturzyklus halten die Autoren für besonders heikel. Dann würden erste Risse in der Ökonomie mit dem billigen Geld überdeckt. Von vielen unbemerkt, nähmen die Ausfallraten bei Risikounternehmen deutlich zu. Viele Schuldtitel schwächerer Schwellenländer würden inzwischen auf Ausverkaufsniveaus gehandelt. Bedenklich sei auch, dass sich trotz niedriger Zinsen die Bonität von Firmen und Staaten verschlechtere.

    „Die Verwendung von Instrumenten wie dem antizyklischen Kapitalpuffer ist jetzt von größter Bedeutung, um zu verhindern, dass die zunehmende Verwundbarkeit des Finanzsystems das Wachstum abwürgt“, heißt es.

    https://www.welt.de/img/finanzen/mob...hulden-jpg.jpg

    Gerade die Geschäftsbanken dürften die IWF-Forderungen kritisch sehen. Schließlich leiden sie besonders unter der Geldpolitik. In Europa müssen die Institute pro Jahr rund acht Milliarden Euro an Strafzinsen an die Europäische Zentralbank (EZB) zahlen. Sollte auch noch der antizyklische Puffer erhöht werden, müssten die Institute mehr Kapital zur Seite legen. Geld, das dann nicht in Form von Krediten die Konjunktur stützen kann. Und dann würde die ultralockere Geldpolitik indirekt dem Wachstum eher schaden als nutzen. Genau dieses Risiko nennen auch die IWF-Autoren Adrian und Natalucci.

    https://www.welt.de/finanzen/article...nkpolitik.html


    Ergo: Aber eins bleibt: Nach billig kommt teuer. Wer billig kauft, kauft zweimal!

    https://www.google.de/search?q=Wer+b...hrome&ie=UTF-8

    https://www.google.de/search?q=Aber+...hrome&ie=UTF-8

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  • Warum normale Geldpolitik für immer eine Illusion bleiben wird

    Amerika hat seinen Wirtschaftszenit hinter sich. Selbst im chinesischen Wirtschaftsmärchen erscheint immer häufiger die böse Abschwung-Hexe. Knüppel zwischen die weltkonjunkturellen Beine werfen vor allem der egozentrische Handelskrieg oder ein an Monty Pyton erinnernder Brexit-Prozess.

    Wo die konjunkturelle Not am größten, ist die Geldpolitik am nächsten

    Auch die Notenbanker fürchten eine nachhaltige Wirtschaftsabkühlung, für die früher oder später ein heißer sozialer Preis zu zahlen wäre. Daher lässt die Fed mittlerweile die Finger weg von weiteren Zinserhöhungen und stellt Ende 2019 - deutlich früher als geplant - auch ihre Liquiditätsverknappung ein. Angesichts der letzten heftigen Zinserhöhungsrunde, in deren Folge zuerst die Aktien und dann aus psychologischer Verängstigung die Realwirtschaft einbrachen, will sich die Fed nicht ein zweites Mal die Finger verbrennen. US-Notenbankpräsident Powell ist auch eine Art Psychotherapeut.

    Von der Fed lernen, heißt für die People’s Bank of China siegen lernen

    Instabilität ist nicht mehr nur auf die ach so „unzüchtige“ amerikanische Notenbank begrenzt. Auch Chinas Notenbank hat längst ihre Stabilitätshüllen fallengelassen und zeigt sich in ihrer prallen nackten, konjunkturstützenden Schönheit. Sie muss markante Steuersenkungen, Infrastruktur- und Rüstungsinvestitionen sowie umfangreiche Kreditprogramme finanzieren, damit der chinesische Konjunkturdrache wieder faucht oder besser gesagt, ein perspektivloses Millionenheer arbeitsloser Wanderarbeiter nicht auf dumme Gedanken kommt und auf Krawall gebürstet wird. Diese wirtschaftsfreundliche Liquiditätsmedizin heilt auch chinesische Aktienwunden, die dann über Vermögenssteigerungen die Konsumlaune der Chinesen heben.

    China wird häufig vorgeworfen, westliches Industrie-Know How zu kopieren. Sicher ist, dass sie die westliche Notenbank-Technik geklaut haben. Im Vergleich zur ersten Variante wird sich darüber niemand beschweren, denn China ist weltkonjunkturell nicht weniger bedeutend als Amerika.

    Europas panische Angst vor der Ausbreitung der Gelbwesten

    Die EZB betreibt zwar weiterhin „Stabilitätspolitik“, doch ist damit zuvorderst (sozial-)politische Stabilität in der Eurozone gemeint. Die EZB ist ähnlich wie Pattex, Uhu oder Pritt: Im Falle eines Falles klebt die EZB wirklich alles. Kollateralschäden weiterer Konjunktureintrübungen könnten die französischen Gelbwesten zu einer paneuropäischen Gelb-Epidemie machen, so dass nationale Egoismen, Abschottung und Eurosklerose leichtes Spiel hätten. Wenn es also wirtschaftlich hinten und vorne nicht reicht und sozial prekär ist, muss die Finanzpolitik über Konjunkturprogramme und Sozialleistungen dagegenhalten. Da die Euro-Staaten diese Mittel jedoch nicht haben, müssen trotz Überschuldung weitere Neuschulden her. Dabei halten Fiskal- und Geldpolitik zusammen wie Old Shatterhand und Winnetou: Damit keine neue Schuldenkrise droht, die die Eurozone in die ewigen Jagdgründe befördert, holt Häuptling Mario Draghi die Friedenspfeife raus und sorgt für zinsgünstige Kreditbedingungen. Damit verhindert man nicht zuletzt einen exportschädlichen, zu starken Euro.

    Das Preisumfeld gibt dieser sozialpolitischen Befriedung der EZB alle Unterstützung. So will sich das Inflationsziel von zwei Prozent in der Eurozone laut Notenbankpräsident Draghi selbst 2021 nicht einstellen. Da ist es doch geradezu die heilige Pflicht der EZB, stimulierend einzugreifen.

    Hierbei wird kein Euro-Land die Hand beißen, die gibt. So hat die EZB den deutschen Staatshaushalt saniert. Und hätte die EZB die Euro-Schuldenkrise nicht eingedämmt, hätten wir heute längst gemeinschaftliche Euro-Anleihen. Dann müsste Deutschland gemäß dem Motto der Musketiere „Einer für Alle“ für alle anderen mit schlechterer Bonität ausgestatteten Euro-Länder und mit dem Preis eines eigenen Zinsrisikoaufschlags haften. „Euro-Mann, geh Du voran“ ist da schon besser.

    Gute Schulden braucht das Euro-Land

    Und in Europa werden zukünftig noch viel mehr Schulden gemacht. Man muss ihnen nur die höheren Weihen verleihen. Ähnlich wie Gammelfleisch mit neuem Etikett zu Premiumfleisch wird, werden neue Schulden zu guten Schulden aufgewertet. Wer will schon über neue Staatskredite meckern, die für Steuersenkungen, moderne Logistik, Bildung, schnelle Netze und Digitalisierung ausgegeben werden. Damit stärken die Euro-Länder ihre Position im globalen Wettbewerb. Denn die europäische Industrie wird durch Standortverbesserungen in Amerika und China brutal angegriffen, die dort - man höre und staune - über hohe Haushaltsdefizite finanziert werden. Gleiches Recht für alle.

    Grafik: Entwicklung Überschüsse/Defizite von Staatshaushalten

    Weiter wird man in Europa argumentieren, dass sich an diese staatlichen Basisinvestitionen private Zusatzinvestitionen anschließen und so insgesamt für Arbeitsplätze, Konsum und Steuereinnahmen sorgen. Was für ein fantastischer Beitrag zum sozialen Euro-Frieden, oder?

    Notenbanken mit ihrem Latein noch lange nicht am Ende

    Da unsere Welt keine Rezession, keine schweren Sozialverwerfungen oder Schuldenkrise mehr aushält, wird es nie mehr irgendwo wirklich hohe Zinsen und Renditen geben. Die zinsdrückende Planwirtschaft der internationalen Geldpolitik ist eine Schallplatte mit Sprung.

    Diejenigen, die jetzt meinen, dass Geldpolitik ihr Pulver verschossen hat, sollten noch einmal nachdenken. Haben die Zentralbanken nicht bereits in den letzten 10 Jahren einen unglaublichen Pragmatismus gezeigt? Sollten wirklich alle konjunkturellen und damit sozialen Stricke reißen, wird es weitere Quantensprünge geben. Sind flächendeckend deutliche Negativzinsen wirklich unmöglich, um jeden Konsumenten zum Konsum und jedes Unternehmen zu Investitionen zu zwingen, weil geparktes Geld ansonsten an Wert verliert? In diesem Falle wäre zwar Bargeld theoretisch der Notausgang ohne Zinsverlust. Doch wird schon lange - selbst beim Internationale Währungsfonds - darüber nachgedacht, dieses Schlupfloch zur Sackgasse zu machen. Entweder wird Bargeld immer weniger verfügbar gemacht und/oder in seiner Verwendung dramatisch eingeschränkt und/oder als Zahlungsmittel mit einer Art Strafsteuer belegt. Die Erfahrung lehrt, dass solche Denkmodelle zunächst zwar als fixe Idee abgetan werden. Doch danach gelten sie als überlegenswert und schließlich sind sie alternativlos.

    Der Brandbeschleuniger bei der allmählichen Bargeldabschaffung wird sein, dass damit Drogenhandel, Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit wirkungsvoll bekämpft werden.

    „Money for nothing“ der von mir sehr verehrten Dire Straits bleibt der Evergreen aller Notenbanken. Zinssparer hören dagegen einen permanenten Trauergesang: Spiel mir das Lied vom Zins-Tod.

    Das ist die neue geldpolitische Normalität. Grämen wir uns nicht, sondern machen wir das Beste daraus: Statt Zinssparen ist Aktiensparen angesagt. Hierbei sind regelmäßige Ansparpläne ein wunderbares Instrument.

    Es gibt Schlimmeres als eine Liquiditätshausse.

    Rechtliche Hinweise / Disclaimer und Grundsätze zum Umgang mit Interessenkonflikten der Baader Bank AG:
    http://www.bondboard.de/main/pages/index/p/128
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