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Thema: Blockchain: Gefährlicher Hype

  1. #1

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    Blockchain: Gefährlicher Hype

    aus dem heutigen Handelsblatt:

    Blockchains versprechen scheinbar ungeahnte Möglichkeiten. Tatsächlich hat ihr Verbreitungspotenzial aber Grenzen – und es gibt dafür gute Gründe.

    Die Blockchain-Technologie, die hinter Kryptowährungen wie Bitcoin steht, ist hip. Unternehmen und Berater der Finanzbranche und darüber hinaus versprechen ungeahnte Möglichkeiten dieser Innovation.

    Als Kodak im Januar ankündigte, eine Blockchain-basierte Plattform für Bildrechte mit eigener Kryptowährung anzubieten, verdreifachte sich der Aktienkurs des Unternehmens kurzzeitig. Auch im Handel mit Wertpapieren, Diamanten und Kunstwerken wird Blockchain großes Potenzial zugeschrieben.

    Dabei hat vieles von dem, was als Blockchain gehypt wird, herzlich wenig mit der Bitcoin-Blockchain zu tun. Grundidee der Bitcoin-Blockchain ist es, Vertrauen zwischen Vertragsparteien, die sich kennen, zu ersetzen durch eine Validierungsmethode, die auch zwischen völlig anonymen Partnern einer Transaktion funktioniert.

    Am Beispiel von Bitcoin geht das so: Etwa alle zehn Minuten werden von Nutzern beabsichtigte Transaktionen zu öffentlich einsehbaren Blöcken zusammengefasst, vergleichbar einer Seite in einem Kontobuch. Computer, die an das Bitcoin-Netzwerk angeschlossen sind, verifizieren die Echtheit, indem sie eine schwierige Rechenaufgabe lösen, die aus Informationen zu den im Block enthaltenen Transaktionen und zum vorangegangenen Block abgeleitet ist. So werden – im übertragenen Sinne – die einzelnen Seiten des Kontobuches fortlaufend mit einem Siegelfaden verbunden.

    Wer Computerkapazität für die Verifizierung zur Verfügung stellt, und zuerst die Rechenaufgabe löst, wird mit einer Gebühr von den Auftraggebern der Transaktionen und durch neu geschaffene Bitcoin belohnt. Von dieser Belohnung mit neuen Bitcoin leitet sich der Name „Mining“ ab, der auf die Analogie zum Schürfen von Gold verweist.

    Die Daten liegen auf vielen Computern und werden überall mit neuen Daten ergänzt. Das ist eine sogenannte Distributed-Ledger-Technologie, übersetzt etwa „Methode dezentraler Kontobücher“.

    Viele falsche Etiketten
    Dass Bitcoin so hip ist, verleitet dazu, alles was mit dezentralen Transaktionsdatenbanken arbeitet, als „Blockchain“ anzukündigen. Dabei ist nicht jede verteilte Datenbank eine öffentliche Blockchain vom Bitcoin-Typ. Viele sind einfach fortschrittliche, zentral kontrollierte aber verteilte Datenbanken, die vielfältige Zugriffe erlauben und dabei sicherstellen, dass alle Teile der Datenbank konsistent aktualisiert werden.

    Daran ist nichts, was große Aktienkurssprünge von Unternehmen wie Kodak rechtfertigen würde. Gleichzeitig bedeutet das falsche Etikett aber auch, dass die nur vorgeblichen Blockchain-Anwendungen von einem schwerwiegenden Problem verschont bleiben dürften, das Kryptowährungen bedroht: der Gefahr von Mehrheitsattacken.

    Was bisher nur als theoretische Gefahr diskutiert wurde, hat sich im Mai tatsächlich ereignet. Es traf die Bitcoin-Abspaltung „Bitcoin Gold“. Mit einer „51-Prozent-Attacke“ erbeuteten Angreifer Bitcoin Gold im Wert von 18 Millionen Dollar. Bei einer solchen Attacke bringt der Angreifer mehr als die Hälfte der Rechenleistung im relevanten Netzwerk unter seine Kontrolle. Dann kauft er mit seinen Krypto-Coins Waren oder andere Währungen.

    Im Nachhinein manipuliert er dann mit seiner Rechenleistungsmehrheit die Blockchain derart, dass seine Transaktionen daraus verschwinden. Die eigentlich ausgegebenen Krypto-Coins sind dadurch wieder in seinem Besitz, ebenso wie der bereits ausgehändigte Gegenwert. Die Verkäufer werden um ihr Geld betrogen.

    Man stelle sich vor, Grundbucheinträge oder Börsentransaktionen würden tatsächlich, wie oft verheißen, auf eine derartige Blockchain-Technologie umgestellt. Das Potenzial für Betrug und Sabotage wäre enorm.

    Eric Budish von der Booth School of Business der Universität Chicago hat nun ein Modell vorgestellt, das klärt, unter welchen Bedingungen Mehrheitsattacken auf eine Bitcoin-Blockchain Gewinn versprechen. Es gilt die Annahme, dass so lange neue Rechenleistung in das Mining-Netzwerk kommt, bis sich damit kein Geld mehr verdienen lässt.

    Damit ist die Gesamtrechenleistung im Gleichgewicht ermittelbar, in Abhängigkeit von der Belohnung, die wiederum stark vom Bitcoin-Kurs abhängt. Was es kostet, sich genug Rechenleistung für eine Mehrheit zu verschaffen, lässt sich anhand der Preise für einschlägige Chips herausfinden.

    Ein weiterer wichtiger Parameter ist die Frage, wie der Bitcoin-Kurs auf einen erfolgreichen Angriff reagieren würde. Denn den Gewinn kann der Angreifer standardmäßig nur in Form von Bitcoin realisieren. Werden diese durch den Vertrauensverlust infolge der Attacke wertlos, gibt es keinen Gewinn. Das ist der Grund, warum solche Attacken in Foren und Publikationen bisher für unwahrscheinlich gehalten wurden.

    m Fall von Bitcoin Gold reagierte der Kurs nicht allzu heftig auf die Attacke. Allerdings würde ein starker Kursverfall eine andere Gewinnmöglichkeit eröffnen. Auf Kursrückgänge von Bitcoin kann man auf Futures-Börsen spekulieren, oder man kann sich in Bitcoin verschulden. Fällt der Kurs, kann man seine Verpflichtung sehr billig erfüllen.

    Die Mehrheit der Rechenleistung zu kontrollieren ist bei Bitcoin viel teurer als bei Bitcoin Gold. Budish kommt für Bitcoin derzeit auf 1,5 bis 2,2 Milliarden Dollar, mit Mengenrabatt weniger. Allerdings ist auch der potenzielle Ertrag höher, denn man kann mit Bitcoin mehr und Teureres einkaufen als mit kleinen Konkurrenten.

    „Intrinsische Grenzen“
    Das Problem, so Budish, liegt darin, dass die Kosten einer Attacke mit dem Transaktionsvolumen einer Blockchain nur linear wachsen. Der Ertrag eines erfolgreichen Angriffs kann dagegen auch überproportional steigen, etwa wenn der Bitcoin-Kurs oder die Größe der einzelnen Transaktionen, die man damit abwickeln kann, stark aufwerten.

    Das hat fatale Konsequenzen: „Das Modell legt nahe, dass Bitcoin einer Mehrheitsattacke zum Opfer fallen würde, wenn es ökonomisch hinreichend wichtig würde“, resümiert Budish das Ergebnis: „Das bedeutet, dass es intrinsische Grenzen dafür gibt, wie wichtig Bitcoin werden kann.“ Den weltweiten Zahlungsverkehr in relevantem Maßstab darüber abzuwickeln, scheidet schon wegen des enormen Energiebedarfs aus.

    Budishs Modell ergibt außerdem, dass die Transaktionsprämie, die die Bitcoin-Handelspartner den Minern zahlen müssen, sehr hoch bleiben und sogar noch steigen muss, damit sich Attacken nicht lohnen. Aber auch, dass Bitcoin ein ähnlich wichtiges Wertaufbewahrungsmittel wie Gold werden könnte, hält Budish für sehr unwahrscheinlich, weil dies Attacken lohnend machen würde.

    Die Blockchain der Kryptowährung Ethereum, die für allgemeine Anwendungen abseits der Kryptowährungen besonders beliebt ist, funktioniert wie Bitcoin und hat damit das gleiche Problem. Die Ethereum Blockchain soll zwar seit Längerem so umgestellt werden, dass nicht mehr die größte Rechenleistung am ehesten zum Zuge kommt, sondern diejenigen mit den meisten Coins.

    Bisher ist diese Umstellung aber nicht geglückt. Sie könnte zwar das Problem der Energieverschwendung wesentlich entschärfen. Das Problem von möglichen Mehrheitsattacken würde aber nicht gelöst, so Budish.

  2. #2

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    Ein sehr schöner Bericht mal wieder! Da schießt mir auch schnell wieder die Bitcoingroup in den Kopf. Ich möchte noch einmal daran erinnern, dass einige kleinere Börsennotierten Unternehmen spaßeshalber einmal den Begriff "Blockchain" in deren Namen getragen haben obwohl sie eigentlich gar nichts mit dem Thema zutun hatten. Viele Investoren haben dann einfach blind in diese Unternehmen investiert ohne sich deren fundamentalen Daten einmal genauer angeschaut zu haben.

    Am schlimmsten sehe ich den Hype ehrlich gesagt bei Ripple. Die Währung XRP selbst hat nämlich kaum etwas mit dem System von Ripple zu tun. Der Short mit Hebel 2x bei XM, den ich mitte Januar eröffnet hatte war deshalb auch einer der erfolgreichsten des Jahres.

    Im Kryptomarkt gewinnt heute der, der rational handelt und sich nicht von irgendelchen Hypes und Pump und Dump Systemen blenden lässt.

  3. #3
    Avatar von totothecat
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    sehr aufschlussreicher Bericht, danke dafür! Ich befasse mich erst seit einiger Zeit mit dem Thema Kryptowährungen und Bitcoins und finde die Technologie der Blockchains sehr spannend. Das Phänomen der Mehrheitsattaken war mir bis jetzt noch gar nicht so geläufig, umso interessanter für mich daher der Artikel...

  4. #4

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    super spannender und interessanter Artikel - danke für das Teilen! liest sich auch für Bitcoin-Neulinge wie mich top ;-) diese hypes sind wahrscheinlich auch der Grund für das oft schlechte image der 'Bitcoin bzw. Krypto-Szene' wenn ich das mal so neuen darf. ich denke auch dass es am wichtigsten ist einen kühlen kopfzurechnen bewahren und die Rationalität eher im Auge zu behalten und sich nicht zu leicht von 'Hypes' mitreissen zu lassen... wie gesagt, Top Artikel auf jeden fall! LG

  5. #5

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    @Sabrina
    Schön gesagt und leichter gesagt als getan ;) so geht es mir manchmal... Ich lese einen Artikel und im nächsten Moment musst ich mich zusammen reißen nicht die Disziplin zu verlieren weil es sich manchmal einfach zu schön um wahr zu sein liest und anhört.
    Am nächsten Tag sieht es "nüchtern" ;) betrachtet wieder ganz anders aus...

  6. #6
    Avatar von totothecat
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    Zitat Zitat von Cloudtracer Beitrag anzeigen
    @Sabrina
    Schön gesagt und leichter gesagt als getan ;) so geht es mir manchmal... Ich lese einen Artikel und im nächsten Moment musst ich mich zusammen reißen nicht die Disziplin zu verlieren weil es sich manchmal einfach zu schön um wahr zu sein liest und anhört.
    Am nächsten Tag sieht es "nüchtern" ;) betrachtet wieder ganz anders aus...
    Damit hat sicher jeder irgendwie zu „kämpfen" denke ich! Ich schätze mal, dass das auch der häufigste Grund für Anfängerfehler ist... Bzw. habe ich schon von einigen Leuten gehört, die aufgrund eines solchen Artikels total spontan investiert haben ohne sich vorher überhaupt mit dem Thema auseinander gesetzt zu haben. Einfach weil man sich da sehr leicht mitreißen lassen kann. Das kann dann natürlich ganz leicht schief gehen;)

  7. #7
    Avatar von Larien
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    Gefährlich? Nun ja, es kommt drauf an, was man unter gefährlich versteht. Ich finde es weitaus gefährlicher, vor einen fahrenden Zug zu springen.
    Dass man seinerzeit hätte glücklich sein können, erkennt man unglücklicherweise oft nicht beizeiten.

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