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Thema: 5.600.000.000.000 Euro ! Der Untergang Deutschlands ?

  1. #1

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    5.600.000.000.000 Euro ! Der Untergang Deutschlands ?

    Die heute 25-Jährigen sind besonders belastet

    Junge Generation erbt Verpflichtungen von 5,6 Billionen Euro

    Auf der jungen Generation lasten heute Zahlungsverpflichtungen von 5,6 Billionen Euro. Diese Summe übersteigt die offizielle Staatsverschuldung in der Bundesrepublik um mehr als das Vierfache.

    Auf jedem 25-Jährigen lasten Verpflichtungen in Höhe von 114 100 Euro.


    REFORMEN

    Bürokratie: Dokument des Schreckens
    Deutsche gegen volle Umsetzung der Rürup-Vorschläge
    Reformbarometer sinkt weiter
    Bürgerversicherung: "Sozialismus in Scheibchen"
    Schröders Reformpolitik - eine Chimäre
    Clement: "Gravierendste Veränderungen“
    Mißfelder: "Reichste Rentnergeneration aller Zeiten"
    Arbeitsämter: Gesetze des Marktes
    Juso-Chef Annen: Clement ist „Ankündigungsweltmeister“
    Reformbarometer: Wie das Instrument funktioniert

    FORUM

    Wird der Kanzler weiterwursteln wie bisher oder packt Schröder die Reformen jetzt mutig an?
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    Zu diesem Ergebnis kommt die jüngste Generationenbilanz des Finanzwissenschaftlers Bernd Raffelhüschen, Professor an der Universität Freiburg und Mitglied der Rürup-Kommission, für die WirtschaftsWoche.

    Raffelhüschen, der einzige deutsche Wissenschaftler, der Generationenbilanzen berechnet, hat nicht nur die Staatsverschuldung, sondern alle Zahlungsverpflichtungen ermittelt, die sich etwa aus Pensionsverpflichtungen und den umlagefinanzierten Sozialsystemen (Rente, Gesundheit und Pflege) ergeben. „Auch die künftigen Ansprüche heutiger Beitragszahler an die Sozialversicherungen sind Staatsschulden, die von den nächsten Generationen finanziert werden müssen“, so Raffelhüschen.

    Nach seinen Berechnungen verschiebt Deutschland Zusatzlasten im Umfang von fast drei Bruttoinlandsprodukten auf künftige Steuerzahler. Diese Belastung hat Raffelhüschen für jeden Jahrgang durchgerechnet. Am schlimmsten sind die heute 25-Jährigen dran: Auf jedem Einzelnen lasten Verpflichtungen in Höhe von 114 100 Euro. Die größten Transferleistungen erhalten die heute 65-Jährigen. Für jeden Einzelnen summieren sich die erhaltenen Leistungen im Laufe des Lebens auf 239 300 Euro.

    WIWO 03.09.2003

  2. #2
    Die Jungen sind es, die das Leben weitergeben, die Alten geben die Erfahrung weiter.
    Die Benachteiligung der Jugend ist unbiologisch.

  3. #3

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    HAUSHALT

    Eichel macht Rekordschulden

    Der Bund wird in diesem Jahr so viel Schulden machen wie noch niemals zuvor in der Geschichte der Republik. Die Nettokreditaufnahme für 2003 klettert auf rund 41 Milliarden Euro statt der vorgesehenen 18,9 Milliarden Euro.


    AP

    Hans Eichel


    Berlin - Den Beschluss wird die Bundesregierung unter Kanzler Gerhard Schröder am 15. Oktober fassen. Dann steht der Nachtragshaushalt für das laufende Jahr im Kabinett zur Abstimmung. Er wird ein Volumen von rund 23 Milliarden Euro haben. So viel fehlt Finanzminister Hans Eichel (SPD), weil wegen der schleppenden Konjunkturentwicklung Steuereinnahmen ausbleiben und deutlich höhere Ausgaben für die gestiegene Arbeitslosigkeit anfallen.
    Die bislang höchste Neuverschuldung des Bundes fiel 1996 an. Damals musste Finanzminister Theo Waigel umgerechnet 40 Milliarden Euro an neuen Krediten aufnehmen.

    Doch auch die Länder müssen in diesem Jahr viel mehr Schulden machen als eingeplant. Bis Ende August, so neueste Berechnungen der Länderfinanzministerien, haben sie ihren Kreditrahmen bereits deutlich überschritten. Ihre Neuverschuldung betrug Ende August 27,8 Milliarden Euro. Eingeplant war für das Gesamtjahr aber nur ein Defizit der Länder von 24,7 Milliarden Euro.

    Tja, das wars dann wohl !

    Deutschland geht Pleite ...

    Entschuldung über Hyper Inflation kommt in Frage ...

  4. #4
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    Interbankenmarkt & manipulierter Zinssatz Libor:Finanztransaktionen Volumen von 360 Billionen Dollar

    War Notenbank informiert?

    Der Skandal um die Manipulation von Marktzinsen wird in Großbritannien immer mehr zu einem politischen Pulverfass. Jüngste Erklärungen der Großbank Barclays werfen ein Schlaglicht auf die Rolle der Bank von England und Regierungsvertretern in der Affäre: Dem Institut zufolge war es 2008 davon ausgegangen, dass die Notenbank falsche Angaben des Geldhauses zur Ermittlung des Referenzzinssatzes Libor, an dem sich zahlreiche Zinssätze orientieren, gutheiße. Die Angaben könnten aber auch der gezielte Versuch von Barclays - dessen Chef am Dienstag zurücktreten musste - sein, von der eigenen Verantwortung abzulenken.

    Ex-Chef sieht sich als Sündenbock

    Der Streit über Manipulationen beim für viele Kreditgeschäfte entscheidenden Libor-Zinssatz in der Londoner City weitet sich immer mehr aus: Die Barclays-Bank wirft den staatlichen Stellen und der Bank of England vor, von den Libor-Manipulationen zumindest seit Jahren gewusst zu haben.

    Die Bank lancierte unmittelbar vor dem Auftritt ihres am Dienstag wegen des Skandals zurückgetretenen Bankchefs Bob Diamond Unterlagen, wonach die Zentralbank von künstlich nach unten regulierten Zinssätzen gewusst habe, ja diese möglicherweise indirekt sogar ausgelöst habe.

    Ex-Barclays-Chef Paul TuckerAPA/EPA/Horacio VillalobosPaul Tucker musste bei Barclays das Handtuch werfen.

    So soll der stellvertretende Chef der Bank of England (BoE), Paul Tucker, am 28. Oktober 2008 per Telefon eine Empfehlung des damals Labour-geführten Finanzministeriums an Diamond - damals Chef des Investmentbankings - weitergegeben haben. Barclays legte Unterlagen vor. Demnach soll Tucker zu Diamond gesagt haben: „Es muss nicht immer der Fall sein, dass wir so hoch erscheinen, wie wir das bisher waren ...“

    Vom Tag des Gesprächs an fiel der Libor-Satz rapide.

    „Klare Fehler“

    Der zurückgetretene Barclays-Chef selbst räumte vor dem Finanzausschuss des Parlaments Versäumnisse ein. Es seien „klare Fehler“ gemacht worden und es habe „verwerfliches Verhalten“ gegeben. Die Verantwortlichen seien auch zur Rechenschaft gezogen worden, sagte Diamond.

    „Das ist aber nicht repräsentativ für das Unternehmen, das ich so sehr liebe.“ Auch er selbst sei darüber nicht im Bilde gewesen. Barclays habe den Behörden als erstes Institut umfangreich bei den Ermittlungen geholfen und ein Fehlverhalten eingeräumt - das schlage nun zurück. „Der Fokus richtet sich in dieser Woche auf Barclays, weil wir die Ersten waren“, betonte Diamond, dessen Bank wegen des Skandals rund eine halbe Milliarde Dollar an Strafe zahlen muss.

    Keine Anweisung

    Entgegen der allgemeinen Erwartung wiederholte Diamond die Kritik an der britischen Notenbank jedoch nicht. Er gehe nicht davon aus, dass die Aussagen des stellvertretenden Zentralbankchefs Paul Tucker als Aufforderung zur Manipulation des Libor-Satzes zu verstehen gewesen seien. „Ich hatte nicht das Gefühl, dass es eine Anweisung war.“ Seine persönliche Angst sei gewesen, dass die Regierung Barclays keine eigene Rettung aus der Finanzkrise zutraute und deshalb eine Verstaatlichung der Großbank ins Auge fasste.

    Wahre Kosten verschleiert

    Weltweit laufen in der Sache Ermittlungen gegen mehr als ein Dutzend Großbanken, darunter auch die Deutsche Bank und UBS. Ihnen wird vorgeworfen, von 2005 bis 2009 den Zinssatz Libor und andere Marktzinsen mit falschen Angaben manipuliert zu haben, um ihre wahren Refinanzierungskosten zu verschleiern und Handelsgewinne einzustreichen.

    Der Libor wird einmal täglich in London ermittelt und zeigt an, zu welchen Konditionen sich Banken untereinander Geld leihen. Er basiert auf den individuellen Angaben der Großbanken und dient als Referenzsatz für Kredite an Unternehmen, Privatpersonen und weitere Finanztransaktionen in einem Volumen von 360 Billionen Dollar.

    http://www.youtube.com/watch?v=aarjVhPjRzg&feature=plcp

    Barclays räumte Fehlverhalten ein

    Barclays hat als erstes Geldhaus ein Fehlverhalten einiger Händler eingeräumt. Die Bank wurde von Behörden in den USA und Großbritannien zu einer Strafe von fast einer halben Milliarde Dollar verdonnert. Neben Diamond mussten auch Verwaltungsratschef Marcus Agius und der fürs Tagesgeschäft zuständige Vorstand Jerry del Missier ihren Hut nehmen. In einem jetzt veröffentlichten neunseitigen internen Bericht äußert die Bank ihr „tiefes Bedauern“ über die Vorfälle. Das hätte niemals passieren dürfen, heißt es in dem Dokument, das einen Tag vor Diamonds Anhörung veröffentlicht worden ist.

    „Schlecht geworden“

    Das Institut habe zur Aufarbeitung des Skandals in einer internen Untersuchung mehr als drei Jahre lang 22 Millionen Dokumente durchforstet und mehr als 75 Interviews geführt. Insgesamt habe das gut 100 Millionen Pfund (125 Millionen Euro) gekostet. Vor dem Parlament sagte Diamond, ihm sei „schlecht geworden“, als er in dem Bericht von dem Fehlverhalten gelesen habe. Das Verhalten dieser 14 Händler stehe im Widerspruch zu den internen Regeln von Barclays.

    Druck von der Regierung

    Sprengstoff haben in dem Bericht aber vor allem die Passagen, in denen es um die regelmäßigen Kontakte mit Notenbankvertretern geht. In einer Chronik zeigt Barclays auf, wann Manager mit Zentralbankern gesprochen haben. Besonders pikant ist dabei eine Notiz von Diamond, der damals noch an der Spitze der Investmentbanking-Sparte stand: Darin verweist der US-Amerikaner auf ein Gespräch mit dem Vizegouverneur der Bank von England, Paul Tucker, in dem dieser berichtet habe, dass ihn Regierungsvertreter angerufen hätten, um zu fragen, warum Barclays so hohe Zinsen bei der Libor-Festsetzung angebe.

    „Herr Tucker meinte, die Anrufe seien von hochrangigen Personen gekommen. Zudem meinte er, dass wir zwar bestimmt keinen Rat brauchten, es aber sicher nicht immer nötig sei, dass wir so hohe Zinsen wie zuvor angeben“, schrieb Diamond dem Dokument zufolge in einem Brief an den damaligen Bankchef John Varley. Daraus habe die Bank abgeleitet, dass es durchaus genehm sei, niedrigere Zinsen zu übermitteln.

    Ex-Minister dementiert

    Die Bank von England äußerte sich nicht dazu. Der damals zuständige Finanzminister Alistair Darling wies die Darstellung aber zurück: „Ich fände es absolut verwunderlich, wenn die Notenbank eine solche Empfehlung abgegeben hätte, und ich kann mir auch keine Umstände vorstellen, in denen jemand speziell in meinem Verantwortungsbereich - dem Finanzministerium - so etwas getan hätte“, sagte er dem TV-Sender Channel Four. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, hätten diese wohl einen in seinen Auswirkungen kaum vorstellbaren Vertrauensverlust in die britische Zentralbank zur Folge.

    Das britische Wirtschaftsmagazin „Economist“ sieht in den nun bekanntgewordenen Memos aber vor allem den Versuch von Barclays, den Skandal in eine für sie deutlich weniger imageschädigende Richtung zu „spinnen“: Denn die Zinsraten zu manipulieren, um Sorgen vor einem Zusammenbruch der systemrelevanten Barclays-Bank zu begegnen, würde wohl mit „viel mehr Nachsicht“ betrachtet werden, als die Tatsache, dass die Bank versuchte, damit ihre Position zu verbessern.

    Cameron gegen hohe Abfindung

    Der britische Premierminister David Cameron sprach sich unterdessen gegen hohe Abfindungen für die drei Barclays-Topmanager aus. „Ich denke, es wäre absolut falsch, Leuten, die unter diesen Umständen gegangen sind, große Abfindungen zu zahlen“, sagte Cameron am Mittwoch. Die Zahlung großer Summen wäre der britischen Öffentlichkeit nicht zu vermitteln und auch nicht richtig.

    Links:

    Barclays
    „Economist“-Artikel

    Publiziert am 04.07.2012

    http://orf.at/stories/2129273/2129239/

    Meine Feststellung:
    Sie haben alle gelebt wie am einen Schlachttag, und der plötzliche Verderb wird über sie kommen.

    Hankel Wilhelm Prof. Vortrag über die wahren Ursachen der Finanzkrise März 2011
    http://www.youtube.com/watch?v=aarjVhPjRzg&feature=plcp

  5. #5
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    Europa könnte eine politische und soziale Tragödie bevorstehen...

    Der Londoner Volkswirt Roger Bootle von Capital Economics hat einen hoch dotierten Wolfson Economics Preis für die praktische Anleitung zum Umgang mit einer auseinanderbrechenden Eurozone erhalten.

    In dem mit 250.000 Pfund (gut 310.000 Euro) dotierten Preis raten er und seine Kollegen der Politik dazu, sich bereits auf das Auseinanderbrechen der Eurozone vorzubereiten.

    “Wir glauben nicht, dass es möglich wäre, optimal vorbereitet ins Blaue hinein zu gehen”, sagte Bootle am Donnerstag bei der Verleihung. "Europa könnte eine politische und soziale Tragödie bevorstehen", nachdem die europäischen Staats- und Regierungschefs die Weiterentwicklung des Euro vermasselt hätten, fügte er hinzu.

    Wie im Oktober angekündigt, wurde der nach dem Nobelpreis zweithöchst dotierte Wolfson Preis für Ideen gestiftet, wie sich Europa trotz des Ausstiegs eines Eurozonen-Mitglieds aus der Währungsgemeinschaft gut entwickeln könne. Der Preis hat an Bedeutung gewonnen, da sich die europäische Staatsschuldenkrise zum dritten Mal jährt und die Spekulation über einen Austritt von Griechenland anhält.

    Kleine Währungsunion

    Bootles Plan sieht vor, dass einige Volkswirtschaften eine kleine Währungsunion bilden, während die Peripheriestaaten zu ihren ursprünglichen Währungen zurückkehren. Er spielt durch, wie die politischen Entscheidungsträger die Trennung, die Währungsreform und die folgende Abwertung handhaben können. Die neue Währung solle anfänglich mit einer Euro-Parität eingeführt werden, während der Euro für eine Übergangsfrist weiter gelten würde. Das Austrittsland sollte sich anschließend ein Inflationsziel auferlegen, inflationsgeschützte Bonds begeben und von Dritten seine Fiskalpolitik kontrollieren lassen.

    Der Preis habe dazu beigetragen, eine Diskussion anzustoßen, die sechs Monate zuvor noch unmöglich gewesen wäre, sagte Simon Wolfson, CEO des Einzelhändlers Next und Stifter des Preises. “Es ist für uns nicht akzeptabel, dass wir ahnungslos in einen möglichen Kollaps marschieren. Jeden Tag, der vorbei geht, erscheint der Zusammenbruch des Euro nicht weniger wahrscheinlich, sondern wahrscheinlicher.” Wolfson ist seit langem ein Kritiker des Euro und sitzt als Mitglied der Konservativen im britischen Oberhaus.

    http://www.format.at/articles/1227/9...ropa-tragoedie

    "Europa könnte eine politische und soziale Tragödie bevorstehen"!

    Anmerkung:
    Dieser Satz ist nicht korrekt. Darf ich ihn freundlicherweise etwas umformulieren?:
    "Europa wird eine politische und soziale Tragödie bekommen!"

  6. #6
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    Nikosia bittet Moskau um 5 Milliarden Euro...

    Nikosia bittet Moskau um 5 Milliarden Euro Zyperns Antrag auf russischen Kredit stößt auf scharfe Kritik

    06.07.2012 · Erst kürzlich hat Zypern erklärt, als fünftes Land den Euro-Rettungsfonds anzuzapfen. Nun hofft der Inselstaat gleichzeitig auch auf Hilfe aus Russland. EU-Kommissionspräsident José Barroso ist empört: Er befürchtet, dass Nikosia Spar- und Reformauflagen entgehen will. Von Werner Mussler und Bettina Schulz

    Der Antrag Zyperns auf russische Kredithilfe stößt in der EU-Kommission auf scharfe Kritik. Nach dem offiziellen Bekanntwerden eines zyprischen Antrags auf russische Kredithilfe in Höhe von 5 Milliarden Euro sagte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso am Freitag in Nikosia, einige Regierungen angeschlagener Eurostaaten fänden „immer Ausreden“ und versuchten, den mit den internationalen Hilfsprogrammen verbundenen Auflagen auszuweichen. Die führenden Politiker dieser Länder seien „schwach“ und hätten nicht den Mut zu erklären, „warum sich ihre Länder in dieser Situation befinden“, sagte Barroso nach Gesprächen mit dem zyprischen Präsidenten Dimitris Christofias anlässlich des Beginns der zyprischen EU-Ratspräsidentschaft.

    Zuvor hatte der russische Finanzminister Anton Siluanow erstmals bestätigt, dass die Republik Zypern Russland um Finanzhilfe in Höhe von 5 Milliarden Euro gebeten habe. Bislang war der Umfang der von Nikosia erbetenen Mittel offen. Siluanow fügte hinzu, man werde die Bitte ebenso prüfen, wie dies die Eurogruppe tue. Zypern hatte Ende Juni auch Hilfskredite der Euro-Krisenfonds EFSF oder ESM beantragt. Christofias hatte am Donnerstag gesagt, der Vorteil der russischen Kredite für sein Land bestehe darin, dass Moskau zwar Zinsen verlange, seinem Land aber keine Reformen auferlegen wolle.

    „Die EU muss nicht befürchten, dass wir den Kommunismus wieder importieren“

    In der EU-Kommission wird offenbar befürchtet, dass Nikosia unter Rückgriff auf russische Kredite den Spar- und Reformauflagen entgehen will, die mit einem Hilfsprogramm der Eurostaaten und des Internationalen Währungsfonds (IWF) verbunden wären. Schon jetzt fordert die Brüsseler Behörde von Zypern einen schärferen Sparkurs sowie die Aufhebung der Lohnindexierung und eine Verkleinerung des öffentlichen Sektors. Solche und weitergehende Reformen wären in einem Hilfsprogramm mit IWF-Beteiligung besser durchzusetzen. Barroso begrüßte den zyprischen Hilfsantrag an die Eurogruppe. „Zypern braucht ein Programm“, sagte er. Die Erfahrung zeige, dass jene hilfsbedürftigen Länder die größten Fortschritte machten, deren Regierungen einsähen, dass sich in ihrem Land etwas ändern müsse. Die Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und IWF schloss ihre erste Mission zur Ermittlung des zyprischen Finanzbedarfs am Freitag ab. Konkrete Zahlen wurden zunächst nicht bekannt.

    Die zyprische Regierung nennt als Hauptgrund für den abermaligen Finanzbedarf die Beteiligung privater Gläubiger am Schuldenschnitt für Griechenland. Wegen des starken Engagements zyprischer Banken in Griechenland schlägt diese Beteiligung für Zypern mit 4,2 Milliarden Euro zu Buche. Nach Angaben von Finanzminister Vassos Shiarly ist dies fast ein Viertel der zyprischen Wirtschaftsleistung eines Jahres. Christofias verteidigte den Antrag an Moskau unter Hinweis auf die guten Beziehungen seines Landes zu Moskau. „Russland ist jetzt ein kapitalistisches Land. Die EU muss nicht befürchten, dass wir den Kommunismus wieder importieren“, sagte der Präsident, dessen Partei sich immer noch „kommunistisch“ nennt. Weil sich Zypern schon 2011 nicht mehr am Kapitalmarkt hatte finanzieren können, griff Russland der Republik schon im Dezember erstmals mit 2,5 Milliarden Euro unter die Arme. Die Aufforderung zu verstärkten Reformen wies Christofias zurück. Es gebe eine „eigene Tradition“ in der zyprischen Wirtschaftspolitik. Dazu gehörten eine enge Kooperation der Regierung mit den Gewerkschaften. Diese lehnen die Verkleinerung des Staatsapparats ab.

    Quelle: wmu./bet./F.A.Z.

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaf...-11812688.html

  7. #7
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    Monatlicher Gruß aus der Eurozone – Target2 Saldo der BUBA steigt auf 728,567 Mrd. Euro

    von Querschuss am 6. Juli 2012 in Allgemein

    Die Deutsche Bundesbank (BUBA) berichtete heute, für den Monat Juni 2012, erneut von einem Anstieg des positiven Target2 Saldo um +29,999 Mrd. Euro zum Vormonat auf 728,567 Mrd. Euro. Damit erklimmt die Target2 Forderung erneut ein neues Allzeithoch. Zum Vorjahresmonat mit “nur” 336,539 Mrd. Euro zog der Target2 Saldo um +392,028 Mrd. Euro an, dies entsprach einem prozentualen Anstieg von +116,5%. Die Forderungen aus Target2 bilden den positiven Saldo der Bundesbank aus dem so genannten Echtzeit-Bruttozahlungssystem (Target2) ab, dem grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr via Target2 Zahlungssystem. Formal besteht diese Forderung gegenüber der EZB.

    http://www.querschuesse.de/wp-conten...12/07/1a77.png

    Die Forderungen aus Target2 der Deutschen Bundesbank (innerhalb des ESZB/Sonstige Forderungen netto) auf Monatsbasis in Mrd. Euro seit Januar 1999 im Chart. Von 1999 bis 2006, d.h. vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise, lagen die Forderungen der Deutschen Bundesbank im Durchschnitt monatlich bei nur 1,570 Mrd. Euro. Im Juni 2012 stiegen die Forderungen (positiver Target2 Saldo) auf 728,567 Mrd. Euro.

    Die Target2 Salden zeigen den Stress im Eurosystem hervorragend an. Die extrem auseinander divergierenden Target2 Salden in der Eurozone dokumentieren die Zahlungsbilanzkrise in der Eurozone. Zentralbankgeld muss Leistungsbilanz und Kapitalbilanz in Übereinkunft bringen, da private Nettokapitalzuflüsse nicht mehr die Leistungsbilanzdefizite der PIIGSBF-Staaten (Portugal, Irland, Italien, Spanien, Belgien und Frankreich) finanzieren und Zentralbankgeld nun auch noch zusätzlich die dramatischen privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht) aus diesen Staaten abpuffern muss.

    Target2 Salden sind immer Ausdruck der Zahlungsbilanz und beinhalten Leistungsbilanz und Kapitalbilanz.

    Vereinfacht, ein negativer Target2 Saldo kann im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr als Differenz der Leistungsbilanzdefizite abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalzuflüsse oder eben aus der Summe der Leistungsbilanzdefizite zuzüglich der privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht) entstehen. Der positive Target2 Saldo ist das Pendant dazu, die Differenz der Leistungsbilanzüberschüsse abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalabflüsse oder eben als Summe der Leistungsbilanzüberschüsse zuzüglich der privaten Nettokapitalzuflüsse. Bei einem Leistungsbilanzdefizit, das dem privaten Kapitalzufluss entspricht oder einem Leistungsbilanzüberschuss, dem ein adäquater privater Nettokapitalabfluss entgegensteht, gibt es keine Target2 Salden.

    Die Gläubiger-Position der BUBA erhöht sich immer weiter und stellt sich im Falle eines Auseinanderbrechens der Eurozone weitgehend als uneinbringbare Forderung dar. Ungebremst verläuft die Kapitalflucht via grenzüberschreitenden Target2-Zahlungsverkehr von den PIIGSBF-Banken in Richtung des deutschen Bankensystems.

    Banken benötigen Zentralbankgeldguthaben bei ihren heimischen Zentralbanken, nur aus diesen heraus können sie die Zahlungsaufträge ihrer Kunden im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr ausführen. Wichtig dabei, zwischen den beteiligten Zentralbanken selbst fließt kein Geld, sondern die nationale Zentralbank der Empfänger-Bank schreibt die Überweisung als Gutschrift der Bank gut und erhält im Gegenzug nur eine Forderung gegen das Eurosystem, während der nationalen Zentralbank mit der den Zahlungsauftrag auslösenden Geschäftsbank, eine Verbindlichkeit gegen das Eurosystem verbucht wird.

    Die Kapitalflucht dürfte weiter primär auf Institutionelle, insbesondere Banken und Vermögende zurückzuführen sein, die ihre Kreditengagements in den PIIGSBF-Banken reduzieren bzw. Vermögenswerte und gar die zusätzliche Zentralbankgeldliquidität der Banken selbst, in den vermeintlich sicheren Hafen des deutschen Bankensystems transferieren. Bei den Zentralbanken von Deutschland, den Niederlanden, Luxemburgs und Finnlands (DNLF) schwellen die Target2 Forderungen seit Mitte 2007 auf der Aktiva-Seite der Bilanz an. Im Gegenzug sank die Kreditgewährung an die heimischen Banken auf der Aktiva-Seite, während auf der Passiva-Seite der DNLF-Zentralbanken die Einlagefazilität explodierte, da die DNLF-Banken in ihrer “Not” der Überschüttung mit Zentralbankgeld aus den Target2 Überweisungen und in Ermangelung anderer Aktivitäten (Interbankenmarkt) dieses Geld in der Einlagefazilität bunkern. Die Kreditgewährung wie auch die Einlagefazilität des Eurosystems können die Banken nur über ihre jeweilige nationale Zentralbank bemühen! Die steigenden Target2 Verbindlichkeiten auf der Passiva Seite der PIIGSBF-Zentralbanken gehen einher mit einem Einlagenschwund der heimischen Banken ebenfalls auf der Passiva-Seite der Zentralbank und mit einer steigenden Kreditgewährung der Zentralbanken an das heimische Bankensystem, die sich auf der Aktiva-Seite der Bilanzen der PIIGSBF-Zentralbanken zeigt.

    Die Risiken aus den wirtschaftlichen Ungleichgewichten in der Eurozone und der explodierenden Kapitalflucht innerhalb der Eurozone werden den öffentlichen Händen übergeholfen. Diese Forderungen der BUBA sind im Falle eines Auseinanderbrechens der Eurozone nahezu uneinbringbar. Dies wiederum erhöht die Motivation der Verantwortlichen am de facto bereits gescheiterten Euro-Experiment festzuhalten um die Uneinbringlichkeit der Forderungen hinauszuschieben. Solange aber die Ursachen der Krise, die unterschiedliche Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaften nicht behoben wird und die Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaften der Südperipherie sogar weiter sinkt, wird auch das Vertrauen nicht wiederkehren und damit wird sich auch nicht der private Kapitalfluss umkehren. Die Kapitalflucht wird ungebremst weiter in Richtung Deutschland anhalten und die BUBA muss im Gegenzug wertlose Forderungen verbuchen. Somit werden weiter die Schäden maximiert.

    Immer alle verfügbaren Target2 Salden aktualisiert inklusive Charts: Querschuesse.de/target2-salden/

    Quelle Daten: Bundesbank.de/Definition Target2 Saldo der BUBA mit dem Stand vom 30.06.2012

    Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

    http://www.querschuesse.de/monatlich...8567-mrd-euro/

    http://www.argentuminvest.com/data/f...tieffkrise.pdf

    http://www.finanz-forum.de/kondratie...oerse_t25.html

  8. #8
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    Billionen von Schulden: Deutschland in höchster GEFAHR!

    Schuldenkrise Angriff auf Hans-Werner Sinn

    07.07.2012 · Deutschlands Ökonomen sind in Aufruhr. Gleich drei Gruppen von Wirtschaftswissenschaftlern haben sich in dieser Woche mit eindringlichen Aufrufen zum Thema Euro-Rettung an die Öffentlichkeit gewandt. Ein Überblick. Von Christian Siedenbiedel

    Drei Gruppen von Ökonomen haben sich in dieser Woche mit Aufrufen zum Thema Euro-Rettung an die Öffentlichkeit gewandt. Und zwar mit gegenteiligen Zielen. Jeden Aufruf unterschrieben angesehene Professoren der wichtigsten Fakultäten.

    Anknüpfungspunkt für die Aufrufe ist der Eurogipfel, auf dem die Not-Finanzierung der Banken neu geregelt wurde. Eine Gruppe liest aus dem Beschluss eine gemeinschaftliche Bankenhaftung heraus, die zu verurteilen sei. Die zweite Gruppe sagt, da stehe nichts von Gemeinschaftshaftung für Banken und wenn doch, wäre sie auch halb so wild. Und Gruppe drei propagiert: Wir brauchen die Bankenunion samt gemeinschaftlicher Haftung. Sonst kommen wir aus der Nummer nie heraus.

    Im Zentrum dieser wilden Ökonomen-Debatte steht ein Mann, der wie kein zweiter die Diskussion um die Gefahren der Euro-Rettung beherrscht: Hans-Werner Sinn, Wirtschaftsprofessor aus München und Chef des Ifo-Instituts. Fast im Alleingang hat er das Thema Targetrisiko nicht nur popularisiert, sondern auch in den wissenschaftlichen Mainstream gebracht.

    Unermüdlich warnt er davor, in Europa im Zuge der Euro-Rettung die Schulden zu vergemeinschaften. Und zwar Schulden der Staaten genauso wie die der Banken. Letztere seien nämlich sogar noch höher,

    sie betrügen mehrere Billionen. Deutschland sei in Gefahr.

    Die gesamte Ökonomen-Zunft bringt sich nun zu dieser Position in Stellung. Lange galt Sinn eher als Einzelkämpfer, der zwar in Talkshows auftrat und aussprach, was viele Bürger dachten - zu dem Kollegen aber Abstand hielten. Es galt schließlich nicht als politisch korrekt, eurokritisch zu sein.

    Die erste Gruppe

    Jetzt hat eine erstaunlich große Gruppe von Wissenschaftlern sich mit ihm solidarisiert. Immerhin 172 Ökonomen unterschrieben einen in der vorigen Woche veröffentlichten Protestaufruf. Er träg die Bedenken gegen eine gemeinsame Haftung für Bankschulden vor. Und richtet sich an die Wähler in Deutschland mit der eindringlichen Bitte:

    „Reden Sie mit Ihrem Abgeordneten.“

    Der Aufruf wurde zwar initiiert von Walter Krämer, Wirtschafts- und Sozialstatistiker an der Technischen Universität Dortmund. Viele Formulierungen des Briefs aber tragen deutlich Sinns Handschrift. Und so wurde er auch aufgenommen. „So hat Sinn doch immer schon geredet“, sagt etwa Peter Bofinger, Ökonom aus Würzburg und Mitglied im Sachverständigenrat der Bundesregierung.

    Bernd Raffelhueschen © AP

    Rentenexperte Raffelhüschen

    Die Allianz der Sinn-Unterstützer ist dabei durchaus ungewöhnlich. Den Kern bilden liberale Ökonomen wie der Eurokritiker Joachim Starbatty oder der Rentenexperte Bernd Raffelhüschen aus Freiburg. Auch der frühere DIW-Chef Klaus Zimmermann, bislang nicht unbedingt als Sinn-Anhänger aufgefallen, findet sich in der Unterstützerliste. So ganz falsch sei das Gesagte nicht, meinte allerdings sogar Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht („Was wir vor allem retten sind die Bankschulden“). Andererseits unterstützte auch der frühere sächsische CDU-Ministerpräsident Georg Milbradt den Aufruf.

    Die zweite Gruppe

    Ähnlich heterogen ist der Kreis der Sinn-Gegner, deren Position im zweiten Aufruf erschien. Dabei hatten sich so unterschiedliche Ökonomen wie der gewerkschaftsnahe Gustav Horn, Michael Hüther vom arbeitgebernahen Institut der Deutschen Wirtschaft und Bert Rürup, der SPD-nahe frühere Wirtschaftsweise sowie Thomas Straubhaar vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut zusammengefunden. Sie behaupten, aus den Beschlüssen des EU-Gipfels lasse sich noch keine gemeinsame Haftung aller Euroländer für die Bankschulden herauslesen.

    „Der Aufruf baut ein Schreckgespenst auf.“

    Straubhaar: Neues 50-Milliarden-Hilfspaket fuer Athen kommt © dapd

    Ökonom Straubhaar

    Auf Nachfrage räumte Bofinger allerdings ein, es gehe um mehr: Die Entwicklung in Europa komme so langsam an den Punkt, wo man sich entscheiden müsste. Entweder wolle man den Euro behalten - dann müssten auch die Deutschen mehr gemeinsame Haftung in Kauf nehmen. Oder man schaffe den Euro ab. „Ich wäre dafür, dass man das Volk befragt“, sagte Bofinger. Um nichts anderes gehe es letztlich bei dem Ökonomenstreit. Es sei unredlich, dass Sinn und seine Anhänger die Konsequenzen ihrer Position nicht offenlegten. Für Sinn oder gegen Sinn, das heiße auch: Für oder gegen ein Festhalten am Euro.

    Die dritte Gruppe

    Eine dritte Position schließlich artikulierten am Freitag Finanzwissenschaftler um den Frankfurter Professor Jan Pieter Krahnen und den Bonner Ökonomen Martin Hellwig. Zwar sei eine entschiedene Kursänderung in Europa notwendig. Allerdings sei ein wesentlicher Teil des Problems die enge Verknüpfung zwischen der Verschuldung des Finanzsektors und der Staaten auf nationaler Ebene. Aus diesem Teufelskreis könne eine Bankenunion heraushelfen. Sinns Anhänger hätten also recht - und unrecht zugleich.

    Quelle: F.A.S.

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaf...-11813375.html

  9. #9
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  10. #10
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    Rückversicherungen: Munich-Re-Chef für Zerschlagung von Großbanken

    Der grosse Euro Schwindel - Wenn jeder jeden täuscht [HD]
    http://youtu.be/Y8EvIp9qePw

    Versicherungen leiden unter dem billigen Geld zur Rettung maroder Banken. Munich-Re-Chef Bomhard ist jetzt der Kragen geplatzt: Ginge es nach ihm, gebe es überhaupt keine systemrelevanten Banken mehr.

    Munich-Re-Vorstandschef Nikolaus von Bomhard hat die Zerschlagung der systemrelevanten Großbanken gefordert. Dass solche Banken auf jeden Fall gerettet werden müssten, sei "ein Konstruktionsfehler des Systems", sagte der Chef des weltgrößten Rückversicherungskonzerns.

    "Ich würde alles so klein machen, dass nichts mehr too big to fail ist", das heißt zu groß zum Scheitern. Dann könnten Banken auch pleitegehen. In Deutschland würde eine solche Aufspaltung vor allem die Deutsche Bank treffen.

    "Wir brauchen fundamentale Änderungen am Finanzmarkt", sagte Bomhard. "Too big to fail darf es nicht mehr geben." Investment- und Kreditgeschäft sollten getrennt werden: "Ich bin Anhänger des Trennbankensystems." Regeln und Kontrollen müssten verschärft werden.

    Sparer und Versicherungen sind Leidtragende

    Künftig müssten die Investoren auch am Misserfolg viel stärker beteiligt werden, "sonst werden Risiken nie richtig bepreist", erklärte Bomhard. Staatsschuldenkrise und Bankenkrise seien unheilvoll verknüpft und schaukelten sich gegenseitig hoch.

    Die Sparer und damit auch die Versicherungen seien die Leidtragenden der extrem niedrigen Zinsen. "Das stresst uns ganz gewaltig", sagte er. Die Assekuranz habe es zunehmend schwer, die notwendigen Erträge am Kapitalmarkt zu erwirtschaften.

    Der Euro sei ein sehr wichtiger Mosaikstein für die weitere Entwicklung der EU, "aber er ist nicht alles", sagte Bomhard. Europa brauche eine Gemeinschaftswährung, "in welcher Form auch immer".

    Um wieder Vertrauen zu schaffen, müsse die Politik aber endlich ein klares Ziel haben, ihre Pläne "früh ankündigen und schnell umsetzen", forderte Bomhard. "Wenn wir nur Trippelschritte ankündigen und dann auch noch nur Teile von Trippelschritten liefern, schaffen wir das nie."

    Direktwahl einer europäischen Regierung

    "Absolut unverzichtbar" in einer globalisierten Welt sei die Europäische Union. Weil "wir mehr Europa brauchen", sollte ein europäischer Verfassungskonvent einberufen und eine europäische Regierung oder ein Präsident direkt gewählt werden, schlug Bomhard vor.

    Auf jeden Fall müsse die Politik endlich ihr Ziele benennen und den Bürgern offen sagen, wohin die Reise gehen soll. Die Schlüsselrolle dabei habe Frankreich: "Wenn Frankreich nicht bereit ist, Souveränität abzugeben", sagte Bomhard, "dann hat Europa verloren".

    Die Munich Re gehe keine Wette ein, weder auf ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone noch auf eine Fiskalunion. Diese Vorsicht gehe allerdings zu Lasten der Rendite, sagte der Chef des Versicherungskonzerns.

    Zugleich warnte er vor einer europäischen Bankenunion, bevor glasklare Regeln und automatische Strafen bei Verstößen verankert seien. Deutschland habe zwar die Maastricht-Regeln ebenfalls gebrochen, könne aber in vielen Feldern Vorbild für Europa sein. Traurig sei allerdings, dass es Deutschland trotz hoher Steuereinnahmen und extrem niedriger Zinsen heute nicht schaffe, Haushaltsüberschüsse zu erwirtschaften.

    dpa/cat

    http://www.welt.de/finanzen/article1...ossbanken.html

  11. #11
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    Finanzminister Schäuble ist eine Fehlbesetzung

    Ex-Bundesbank-Vorstand und Bestseller-Autor Thilo Sarrazin über die Kritik an seinem Buch zur Eurokrise, seine Rolle als „Nestbeschmutzer“ der Politik und das Schicksal, das deutschen Sparern droht

    Das Interview führte Mario Müller-Dofel

    €uro: Herr Sarrazin, wenn ein Buch zur Eurokrise in Deutschland 10 000 Mal verkauft wird, gilt es schon als Erfolg. Ihr seit Mai erhältliches Buch „Europa braucht den Euro nicht“ wurde bereits schon mehr als 100 000 Mal verkauft.

    Überrascht?

    Thilo Sarrazin: Nun, zum einen habe ich einen gewissen Markennamen. Wenn Volkswagen ein neues Auto auf den Markt bringt, wird es in Deutschland ja auch mehr verkauft als beispielsweise ein ähnliches Renault-Modell. Zum anderen erkläre ich meinen Buchtitel anschaulich und verständlich. Er ist die Antithese zur Behauptung von Bundeskanzlerin Merkel „Scheitert der Euro, dann scheitert Europa“. Damit habe ich eben den Nerv vieler Menschen getroffen.

    Kritiker sagen, Sie wollen mit Ihren provokanten Antithesen nur Geld verdienen.


    Mein 40-jähriges Berufsleben hat sich immer um Währungen, Haushalte und Finanzen gedreht. Mit dem Euro war ich schon Ende der 1980er Jahre im Bundesfinanzministerium befasst. 1996 schrieb ich das Buch „Der Euro. Chance oder Abenteuer?“, das meine damalige Unsicherheit zeigt. Ich hatte es als Skeptiker begonnen, doch dann siegte der Technokrat in mir...

    Das bedeutet?

    Ich redete mir ein, dass dieses historisch einmalige Projekt einer gemeinsamen Währung unter diversen Bedingungen gelingen könnte — und zwar ohne politische Union. Da habe ich mich vom Mainstream in der Politik mitreißen lassen. Jetzt muss ich feststellen, dass die damaligen Annahmen völlig utopisch waren. Ich habe die offiziellen volkswirtschaftlichen Statistiken der vergangenen zwei Dekaden analysiert. Ergebnis: All die behaupteten Vorteile des Euro für Deutschland gibt es nicht. Das ist empirisch belegbar.

    Und für diesen Sinneswandel haben Sie mehr als 15 Jahre gebraucht?

    Wir haben den Euro ja erst seit zwölf Jahren. Jetzt muss ich feststellen, dass die damaligen Annahmen völlig utopisch waren. In „Europa braucht den Euro nicht“ analysiere ich die offiziellen volkswirtschaftlichen Statistiken der vergangenen zwei Dekaden. Ergebnis: All die behaupteten Vorteile des Euro für Deutschland gibt es nicht.

    Behaupten Sie.

    Das ist keine Behauptung, sondern empirisch belegbar. Die Größe eines Währungsraums und sein Erfolg hängen nicht kausal zusammen. Dies heißt übrigens auch, dass der Euro für die deutsche Wirtschaft und die Einkommen hierzulande selbst dann keine wesentlichen Vorteile hätte, wenn er reibungslos funktionieren würde. Die Vorteile beschränken sich im Wesentlichen auf geringere Geldtransaktionskosten. Dagegen sind die Risiken ungleich größer, wie wir zurzeit leider erfahren müssen.

    Dafür wird Ihr Buch von deutschen Politikern förmlich zerrissen.


    Ich habe mir längst angewöhnt, Kritik aus der politischen Ecke nur noch beiläufig zur Kenntnis zu nehmen. Wenn zum Beispiel Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble mein Buch „verantwortungslosen Unsinn“ nennt, dann ist das reine Taktik.

    Warum sollte er gegen einen Politrentner taktieren müssen?


    Die Euro-Befürworter aus der Politik wollen unter allen Umständen die Meinungshoheit behalten. Problematisch für sie ist, dass ich ein Insider war — und ein erfolgreicher dazu.

    Und jetzt sind Sie ein Nestbeschmutzer?


    Wenn Wissenschaftler oder Journalisten so etwas schreiben wie ich, sagen Politiker: Die müssen kritisieren, dafür werden sie bezahlt. Bei mir ist das anders. Deshalb glaube ich schon, dass mich einige Leute als Verräter der politischen Elite empfinden.

    Seit 39 Jahren sind Sie Mitglied der SPD, inzwischen ihr umstrittenstes Mitglied. Sind Sie in dieser Partei überhaupt noch richtig, zumal sie nicht nur in der Eurofrage über Kreuz mit SPD-Meinungsführern liegen?

    Ich trat 1973 in die SPD ein, weil ich – wie heute noch – meinte, dass eine funktionierende Volkswirtschaft einen starken Staat und eine gehörige Portion Umverteilung braucht. Die Banken- und die Schuldenkrise ist auch Staatsversagen. Das werde ich weiter kritisieren – und SPD-Mitglied bleiben.

    Andere prominente Euro-Kritiker wie der Ex-Chef des Bundesverbands der Deutschen Industrie, Hans-Olaf Henkel, unterstützen die ebenso Euro-kritischen Freien Wähler. Wären die nichts für Sie?

    Ich bin für ein Parteiwesen, in dem auch neue Parteien aufkommen. Doch die Praxis zeigt, dass es 15 bis 20 Jahre dauert, bis eine neue Partei im demokratischen Sinne funktioniert und mitgestalten kann. Wenn ich also mit einer anderen Partei liebäugeln würde, was ich nicht tue, wäre ich doch mit meinen 67 Jahren zu alt für den Wechsel.

    Sie haben schon 2010 mit Ihrem islamkritischen Buch „Deutschland schafft sich ab“ den Zorn vieler Bürger auf sich gezogen. Mit dem Euro-Buch polarisieren Sie wieder. Fürchten Sie nicht, dass Ihnen mal jemand eine Tracht Prügel verpasst?

    Nur von einer Minderheit der Bürger erfahre ich Zorn, von einer großen Mehrheit Zustimmung in allen Abstufungen bis hin zur Begeisterung. Physisch bedroht fühle ich mich nicht. Ich schreibe mir aber durchaus sozialen Mut zu, weil ich es ertrage, mit meiner Meinung auch allein zu sein. Dadurch kann ich großem Druck widerstehen. Wissen Sie, in 35 Jahren Finanzpolitik kann man nur erfolgreich sein wenn man als Einzelner gegen die Vielen stehen kann, die nur Geld von einem wollen. Den Meisten begründe ich inhaltlich, weshalb ihre Geldforderung unsinnig ist. Übrigens entsteht echter Fortschritt meist aus zunächst abgelehnten Einzelmeinungen.

    In „Europa braucht den Euro nicht“ beschreiben Sie, wie fehlerhafte europäische Strukturen in den 90er-Jahren zustande kamen: Indem Politiker unerwünschten Expertenrat übergingen oder Zweifel für sich behielten, um ihren Job nicht zu riskieren. Hat die heutige Politikergeneration daraus gelernt?

    Ich habe nicht einmal das Gefühl, dass die Mehrheit der Politiker die aktuellen Probleme in ihrer ganzen Dimension erfasst. Einer der zentralen Akteure zum Beispiel, Wolfgang Schäuble, gibt sich wie eh und je, predigt dasselbe wie in den 90er-Jahren.

    Und Bundeskanzlerin Angela Merkel?


    Sie ist schwer zu beurteilen — wie ein rätselhaftes Tier, das man noch nicht erforscht hat. Frau Merkel hält sich extrem bedeckt, äußert sich nur zu ihren jeweils nächsten zwei, drei Schritten und lässt kein Konzept erkennen. Sie formuliert zwar vorsichtig richtige Prinzipien, zahlt dann aber quasi vorab Belohnungen aus der deutschen Kasse für Versprechungen anderer EU-Regierungen auf ein künftig besseres Verhalten. Das halte ich für einen Fehler, zumal viele Versprechen gebrochen werden.

    Also hat unsere heutige Politikergeneration nichts aus den Fehlern der alten Garde gelernt, die den Euro entschieden und administrativ umgesetzt hat?

    Ich kann nichts erkennen, sondern halte die amtierende politische Klasse in ihrer Gesamtheit sogar für weniger kompetent. Systemvertrauen gibt mir das natürlich nicht.

    In Ihrem Buch schreiben Sie auch: „Die meisten Stellenverwalter, das schließt die durchschnittlichen Finanzminister ein, sind keine Kämpfer und selten Gestalter“. Wären ein SPD-Bundeskanzler Steinmeier und ein SPD-Finanzminister Steinbrück bessere Gestalter als Merkel und Schäuble?


    Es würde sich nichts Wesentliches ändern. Noch einmal zu Schäuble: Der ist ein Kind der 50er-Jahre und glaubt tief an die Notwendigkeit der europäischen Integration und an die Überwindung der Nationalstaaten. Dafür sieht er den Euro als zentral an. Die riesigen Kosten dafür scheint er aber genauso in Kauf zu nehmen, wie ein Feldherr unter Friedrich II. in Kauf genommen hat, dass in einer Schlacht 30 Prozent seiner Soldaten fielen. Für mich ist er eine Fehlbesetzung als Finanzminister in der heutigen Zeit.

    Sollen die Deutschen bei der Bundestagswahl 2013 besser Steinbrück, Gabriel und damit die SPD wählen?


    Eine SPD-Regierung unter einem Kanzler Steinbrück oder Steinmeier – einen Kanzler Gabriel lasse ich jetzt mal aus – würde die Merkel-Politik im Wesentlichen fortsetzen. Ich hoffe daher, dass die Zahl der nachdenklichen und skeptischen Zeitgenossen zunimmt. Umfragen ergeben mittlerweile, dass eine knappe Mehrheit der Deutschen die Einführung des Euro als Fehler empfindet. Und wenn über 70 Prozent meinen, man sollte Griechenland nicht weiter finanziell helfen, ist dies ein klares Signal.

    Aber es geht nicht nur um Finanzen, sondern auch um den Frieden in Europa. Das betont die Kanzlerin immer wieder.

    Und warum?
    Nicht nur sie, sondern auch andere europäische Politiker haben sich von der konkreten ökonomisch-fiskalischen Argumentation völlig verabschiedet und propagieren stattdessen sogenannte höhere Werte — weil inhaltlich Ratlosigkeit herrscht.

    Helmut Kohl sagte schon 1991, was er dann prompt ignorierte: „Die Vorstellung, man könne eine Währungsunion ohne politische Union auf Dauer erhalten, ist abwegig.“ Halten Sie eine politische Union in Europa jetzt für umsetzbar?


    Beim Hausbau hat man die Planungs- und die Realisierungsphase. Aber haben wir einen Plan für ein europäisches Haus? Was soll der konkrete Inhalt einer fiskalischen oder politischen Integration sein? Die beteiligten Bauherren sind sich darüber nicht einig! Die in der Währungsunion gefährdeten Staaten wollen, dass Deutschland, die Niederlande, Österreich und Finnland für die Schulden der gefährdeten Staaten haften. Die Bedingungen, unter denen ein europäischer Bundesstaat möglich wäre, sind meiner Ansicht nach unrealistisch.

    Was wäre eine Bedingung dafür?

    Das in den EU-Verträgen verankerte sogenannte No-Bailout-Prinzip. Alle funktionierenden Bundesstaaten zeichnen sich dadurch aus, dass kein Bundesland für Finanzprobleme anderer Bundesländer haftbar gemacht werden kann. So wird der Schweizer Regierungsrat für Finanzen sich kaum um ein Finanzloch im Wallis sorgen, weil das die Politiker dort stopfen müssen. Die Eurozone versucht nun — obwohl es keine europäische Wirtschaftspolitik, keine europäische Polizei, keinen europäischen Straßenbau, kein europäisches Sozialversicherungssystem und, und, und gibt — fiskalische Stabilität zu erzwingen, indem man den Teilstaaten finanzielle Vorschriften macht und das No-Bailout-Prinzip missachtet. Der sogenannte Fiskalpakt wird scheitern.

    Länder, die den Pakt verletzen, sollen bestraft werden.


    Ich finde es aberwitzig, dass europäische Beamte in jedes Euroland reisen dürfen, sich dort Haushaltszahlen angucken, dann den Finger heben und sagen: „Ei, ei, ei, das ist aber nicht nett, was hier läuft.“ Verstehen Sie? Es gibt keinen verbindlichen Durchgriff.

    Aber Strafandrohungen.


    Wenn Herr Schäuble zum Beispiel 50 Milliarden Euro mehr im Staatshaushalt bräuchte, die er dem Pakt zufolge nicht verbrauchen dürfte, wäre die maximale Drohung der EU eine Strafe von 0,1 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts – also 2,5 Milliarden Euro. Das ist lachhaft. Zumal ein Gerichtsprozess um die Rechtmäßigkeit der Strafe Jahre dauern könnte.

    Seit einigen Monaten geben diverse Regierungen, Unternehmen und Investoren zu, dass sie mit Griechenlands Abschied vom Euro rechnen. Können Sie sich vorstellen, dass dieses Szenario in den kommenden zwölf Monaten eintritt?

    Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt meiner Ansicht nach bei 60 bis 70 Prozent.

    Welche Folgen hätte das für die deutsche Wirtschaft?

    Für die privaten Banken wären sie überschaubar. Griechische Staatsanleihen liegen vor allem bei den Staatsbanken Commerzbank und Hypo Real Estate. Für unsere Exporteure spielt das Land ebenfalls keine große Rolle. Der beste Exportkunde ist ohnehin nicht der, der am meisten bestellt, sondern der, der auch bezahlt. Insofern wäre Griechenland nach einem Euro-Austritt und einem harten Anpassungsprozess über vielleicht drei bis fünf Jahre ein besserer Geschäftspartner als heute.

    Es ist inzwischen unumstritten, dass Griechenland und andere Südländer ihre Produktionskosten um 30 bis 50 Prozent senken müssten, damit ihre Wirtschaft wieder konkurrenzfähig wird. Wie soll das funktionieren?


    Theoretisch ginge das durch radikale Strukturreformen. Aber bis solche wirken, können über zehn Jahre ins Land gehen. Daher ist das Wunschrezept der meisten Politiker, der großen Privatbanken und der Mehrheit der Ratsmitglieder der Europäischen Zentralbank eine jahrelang höhere Inflation in Deutschland — mit entsprechend höheren Preissteigerungen als in den Südländern.

    Was würde das den Südländern bringen?


    Würde die jährliche Inflation dort bei zwei Prozent liegen, in Deutschland aber bei fünf Prozent, wären in zehn Jahren 30 Prozent Kostenunterschied gegenüber Deutschland abgebaut. Dies gelänge allerdings nur bei weiterhin sehr niedrigen Zinsen.

    Was würde dies für deutsche Sparer bedeuten?

    Ihre Sparguthaben würden binnen zehn Jahren letztlich um 50 Prozent abgewertet. Leider ist das die einzige Rettungskonstruktion, die ich für realistisch halte — aber für Deutschland eigentlich völlig unakzeptabel.

    Was halten Sie für akzeptabel?


    Eine für Deutschland angemessene Inflationsrate von zwei Prozent pro Jahr, das Ende der Finanzierung von Leistungsbilanz- und Haushaltsdefiziten durch die Europäische Zentralbank und Strukturanpassungen in allen Problemländern – mit unvermeidlicher Deflation.

    Das wird die deutsche Regierung nicht durchsetzen können?


    Nein.

    Um die Währungsunion zu retten, wollen die europäischen Regierungen einen Wachstumspakt schließen. Dabei hat es schon 2000 einen gegeben, zudem die vor zwei Jahren verabschiedete EU-Agenda 2020. Gebracht hat’s wenig. Kann Europa mit den Fesseln der zu hohen Staatsschulden überhaupt noch wachsen?

    Wachstumspakt – das ist eine leere Worthülse. Jede Volkswirtschaft kann, wenn sie gut gesteuert wird, langfristig mit dem Potenzial wachsen, das sich aus der Arbeitskräftevermehrung und dem technischen Fortschritt ergibt. Das Ifo-Institut sieht das Wachstumspotenzial der deutschen Wirtschaft bis 2020 im Schnitt bei 1,2 Prozent pro Jahr. Doch die Instrumente, mit denen sich nationale Wachstumsressourcen ausschöpfen lassen, liegen kurzfristig zu 90 Prozent und langfristig zu 100 Prozent in der Hand der einzelnen Länder – und nicht in der EU.

    Durch Eurobonds, also gemeinsame EU-Anleihen, wäre die Werthaltigkeit der Staatsanleihen in Europa gesichert, sagen Befürworter. Ohne Eurobonds würden dagegen viele Altersvorsorgeanlagen, vor allem von Lebensversicherungen und Pensionskassen gehaltene Staatsanleihen, wertlos. Ist das ein gutes Argument?


    Nein. Denn die Qualität nationaler Staatsanleihen hängt immer an der Qualität nationaler Politik. Zudem ist die deutsche Staatsschuld im Wesentlichen das Geld deutscher Sparer. Auf Umwegen natürlich: über Banken, Pensionsfonds und Versicherungen. Muss Deutschland auch für die Schulden anderer Länder bürgen, wird das Geld der deutschen Sparer unsicher. Und wenn Eurobonds kommen, machen die Investoren eine Mischkalkulation. Dann würden deutsche Zinsen steigen, wodurch sich der deutsche Staat immer teurer finanzieren müsste als ohne Eurobonds.

    Sollte Deutschland aus der Währungsunion aussteigen?


    Deutschland sollte erst einmal aufhören, die Maastricht-Verträge kontinuierlich zu brechen, zum No-Bail-out-Prinzip zurückkehren und das EZB-Mandat vertragsangemessen interpretieren. Es ist nicht Aufgabe der EZB, Staatsdefizite zu finanzieren wie sie es durch Käufe von Staatsanleihen und durch die extremen laxen Refinanzierungsmöglichkeiten der Banken tut. Zudem müssen die EU-Staaten ihre Haushalte glaubwürdig konsolidieren. Wer das nicht macht, soll aus der Eurozone aussteigen.

    Die EZB kauft seit 2010 Staatsanleihen von Problemländern wie Griechenland, Portugal, Irland sowie seit 2011 auch von Italien und Spanien, um diese Länder vor der Pleite zu bewahren. Kritiker sagen, die EZB würde damit Vertragsbruch begehen. Wenn das stimmt — warum schreiten dann die Gerichte nicht ein?


    Geldpolitik ist keine exakte Wissenschaft, sondern lediglich das Ergebnis von sehr unscharfen Szenarien. Man kann also immer und mit guten Gründen unterschiedlicher Meinung sein. Deshalb kann die Kritik an der EZB nur auf den Geist des EU-Vertrags von Maastricht abheben, aber nicht auf seine Buchstaben.

    Das heißt, sie begeht gar keinen Vertragsbruch, wie auch Sie es ihr vorwerfen?


    Streng juristisch gesehen darf die EZB alle Geschäfte tätigen, die eine angemessene Geldversorgung bei stabilen Preisen sichern. Deshalb ist meiner Ansicht nach auch eine völlig verfehlte EZB-Politik nicht vor dem Europäischen Gerichtshof einklagbar. Trotzdem verletzt die EZB ihr Mandat massiv, wenn sie Handels- und Leistungsbilanzdefizite finanziert, die private Investoren nicht mehr finanzieren wollen, weil die Investitionen ausfallgefährdet sind.

    Wie sollte die deutsche Regierung dagegen vorgehen?


    Im deutschen bürgerlichen Recht gibt es das Instrument der außerordentlichen Kündigung, wenn beispielsweise die Vertragsgrundlagen weggefallen sind. Darüber sollte man laut nachdenken, wenn die EZB fort fährt, ihr Mandat zu überschreiten.

    Jahrelang wurde der deutschen Bevölkerung versprochen, dass die EZB die Tradition der auf Währungsstabilität fokussierten Bundesbank fortführen würde. Was ist bei der EZB noch übrig von der Bundesbank-Tradition?


    Nichts. Sie ist zu einer Notenbank angelsächsischer Tradition geworden.

    Offiziell agiert die EZB unabhängig von der Politik. Aber funktioniert das wirklich?


    EZB-Chef Mario Draghi zum Beispiel ist Italiener. Sein Land hat Riesenprobleme, die er durch eine lockere Geldpolitik zunächst lindern kann. Ich halte Draghi für kompetent und integer. Allerdings operiert er gegen deutsche Interessen. Aber das ist logisch: Draghi hat in den USA studiert und lange bei der US-Investmentbank Goldman Sachs gearbeitet. Er ist angelsächsisch geprägt und daher eher mit US-Notenbankchef Ben Bernanke kompatibel als mit einem Bundesbank-Chef alter Schule.

    Die Chefökonomen großer Finanzinstitute fordern von der EZB aber die Finanzierung von Staatsschulden. Warum?


    Die werden doch nicht dümmer sein als Sie.
    Eben. Aber die Herren werden nicht dafür bezahlt, unabhängige Wahrheiten auszusprechen.

    Sondern wofür?

    Beispielsweise dafür, ökonomische Zusammenhänge in der Öffentlichkeit so zu erklären, dass die Politik im Interesse ihrer Arbeitgeber entscheidet. So wird beispielsweise der Chefökonom einer global agierenden Versicherung wie der Allianz sagen, dass italienische Staatsanleihen gar nicht so gefährlich sind. Denn die Allianz hält möglicherweise jede Menge davon. Folglich sind fast alle Chefökonomen dafür, dass die EZB unbegrenzt Staatsanleihen aufkauft. Eurobonds unter der Garantie von Deutschland, Holland und Österreich sind der Traum aller privaten Finanzinstitute. Außer der Bundesbank natürlich.

    Die Bundesbank gilt als Hüter des deutschen Goldes. Es gibt es Leute, die bezweifeln, dass dieses Gold noch existiert. Können Sie – als ehemaliger Bundesbanker – das Gegenteil versichern?


    Ich habe jenen Teil des Goldes, der unter der Bundesbank in Frankfurt und in der Landeszentralbank Rheinland-Pfalz liegt, besichtigt. Und ich gehe natürlich davon aus, dass die in den USA aufbewahrten Bestände existieren. Die Bundesbank sollte mal eine 20-köpfige Zählkommission des gehobenen Dienstes in die USA schicken. Dann wären vielleicht auch die Verschwörungstheoretiker beruhigt (lacht).

    Werden Sie von dem Geld, das Ihnen Ihr Buch „Europa braucht den Euro nicht“ bringt, Gold kaufen?


    Ich überlege, meinem Depot etwas physisches Gold beizumischen. Das könnte ich mir allerdings auch ohne die Bucherlöse leisten.

    Und Staatsanleihen?

    Es gibt zwei Arten davon: Die eine Variante bringt keine Verzinsung. Die andere ist inflations- oder insolvenzgefährdet. Nein, ich möchte keine Staatsanleihen.

    Was dann?


    Momentan halte ich zu 50 Prozent deutsche Aktien. Richtige Aktien, keine Derivate! Die andere Hälfte meines Wertpapierdepots machen derzeit Unternehmensanleihen mit relativ kurzer Laufzeit aus.

    Vielen Dank für das Gespräch.

    Thilo Sarrazin,
    am 12. Februar 1945 in Gera geboren, wuchs in Recklinghausen auf, studierte Volkswirtschaft in Bonn, promovierte und trat 1973 der SPD bei. Danach war er bis 1991 in Leitungspositionen meist im Bundesfinanzministerium -tätig. So verantwortete er maßgeblich die innerdeutsche Währungsunion mit. In den 90er-Jahren war er unter anderem Finanzstaatssekretär in Rheinland-Pfalz. 2000 wurde er Vorstandsmitglied der Deutschen Bahn, 2002 Berliner Finanzsenator und 2009 Vorstandmitglied der Bundesbank, wo er 2010 abtrat. Sein Buch „Deutschland schafft sich ab“ (2010) ist das meistverkaufte Sachbuch in der BRD. Im Mai 2012 erschien sein Buch „Europa braucht den Euro nicht“.

    http://www.finanzen.net/euro/aktuell...ung-34-1957791

  12. #12
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    Bundestag stimmt zu: Deutschland rettet Spaniens Banken

    Eine große Mehrheit des Bundestags stimmt für das Hilfspaket für Spanien. Die Koalition verfehlt aber wieder die Kanzlermehrheit – und in der Debatte werden erste Wahlkampftöne laut. Von Daniel Friedrich Sturm

    Mit einer breiten Mehrheit hat der Bundestag die Finanzhilfe für Spanien verabschiedet. In namentlicher Abstimmung votierten 473 Abgeordnete für das Programm zugunsten der spanischen Banken, 97 Parlamentarier stimmten mit Nein. Es gab 13 Enthaltungen. Die Zustimmung kam von Union und FDP, aber auch SPD und Grünen. Die Linke stimmte dagegen.

    Abermals verfehlte die schwarz-gelbe Koalition die Kanzlermehrheit. Nur 301 der 330 Abgeordneten von Union und FDP stimmten mit Ja. Regierung und Opposition machten sich gegenseitige Vorwürfe.

    Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) verteidigte seinen Gesetzentwurf und bezeichnete den Kurs als unbequem, aber richtig. Die Lage der maroden spanischen Banken werde zu einem "Problem der Finanzstabilität der Euro-Zone", warnte er. An einer Sanierung des angeschlagenen Bankensektors mit bis zu 100 Milliarden Euro führe kein Weg vorbei, sagte Schäuble.

    Das Programm für Spanien soll über 18 Monate laufen; Deutschland haftet für bis zu 29 Milliarden Euro.

    Schäuble betonte, der spanische Staat werde "in jedem Fall" für die Darlehen haften. Zuletzt hatte es Spekulationen gegeben, dass Madrid nach einer Übertragung des Hilfspakets vom derzeitigen Euro-Rettungsfonds EFSF auf den künftigen Mechanismus ESM aus der Haftung entlassen werden könnte und die übrigen europäischen Staaten das Risiko für die spanischen Banken trügen.

    Brüderle erhebt schwere Vorwürfe gegen SPD

    Der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier warf der Regierung vor, planlos zu agieren und ständig selbst gesetzte Grenzen zu überschreiten. Immer wieder definiere die Regierung "rote Linie", die dann sehr schnell für obsolet erklärt würden. Steinmeier sagte, die Finanzhilfen für Spanien seien im "deutschen Interesse". Er beklagte, anonyme Akteure auf den Finanzmärkten "ruinieren die Demokratie. Der Oppositionsführer beanspruchte für seine Partei und die Grünen, sie agierten "nicht parteitaktisch".

    FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle betonte: "Die Fraktionen vertrauen der Regierung." Er warf der SPD vor, sie sei "Sprachrohr der französischen Sozialisten" und spreche womöglich gar Strategien ab. Ein deutscher Beamter, der so handele, müsste sich den Vorwurf des "Geheimnisverrats" gefallen lassen.

    Die Grünen hielten der Regierung einen falschen Kurs in der Euro-Krise vor. In Spanien gebe es keine Staatsschuldenkrise, sondern eine Bankenkrise infolge einer geplatzten Immobilienblase, sagte Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin. Linken-Fraktionsvize Sahra Wagenknecht hielt der Regierung vor, sie versenke im Zuge der Euro-Rettung Geld "im schwarzen Loch des Finanzmarkts", ohne den Menschen zu helfen.

    Lesen Sie hier das Minutenprotokoll zu Debatte und Abstimmung nach.

    http://www.welt.de/politik/deutschla...ns-Banken.html

  13. #13
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    US Dollar $ und Euro € - Tag & Nacht

    Die USA haben ein Haushalt Minus von 1 Billionen im Jahr.
    Die http://www.federalreserve.gov/ druckt neues Geld - und kauft damit, US-Anleihen auf im Wert von 1 - 2 Billionen im Jahr, und die US-Raitung Agenturen geben der USA ein AAA.

    Ich frage mich wieso müssen Bürger der USA noch Steuern zahlen?, wenn sich eh der US-Staat finanziert - indem die Geldmenge erhöht wird, wie die von Schwarz Afrikanischen Staaten, woher Herrn Obama seine Vorfahren stammen.


    Fazit: Die USA lassen US-Dollar Banknoten produzieren, wie wir in Europa Toiletten-Papier, für unsere Tägliche Notdurft.

    Auf dem Yankee Scheiß-Haus-Papier - steht US Dollar, dieses Papier ist die Internationale Leitwährung !

    der US-Dollar steht zum €uro 1 : 1,21 USD

    Dies ist nicht Richtig, es müsste genau so sein ...

    Für 1 € bekommt man 10 kg US-Dollar :cool:



    Der SUPERGAU kommt - aber die Leitwährung US-Dollar - ist keine Währung mehr und auch keine Devise ...
    die US Währung ist nur noch ein (Alp)-Traum ...

    Ich Persönlich besitze auch US-Dollar, aber diese für die Sammlung, sowie ich Briefmarken sammle (diese sind auch keine Währung).

    Aber ich würde bei Briefmarken und dem US-Dollar niemals von Banknoten sprechen.

    US-Dollar ist kein Zahlungsmittel mehr.
    Geändert von Dagobert Duck (19.07.2012 um 22:29 Uhr)

  14. #14
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    Am Ende nur noch die große Geldflut? Diese Geldpolitik der EZB führt geradewegs in die Inflation...

    Zitat Zitat von Dagobert Duck Beitrag anzeigen
    Die USA haben ein Haushalt Minus von 1 Billionen im Jahr.
    Die http://www.federalreserve.gov/ druckt neues Geld - und kauft damit, US-Anleihen auf im Wert von 1 - 2 Billionen im Jahr, und die US-Raitung Agenturen geben der USA ein AAA.

    Ich frage mich wieso müssen Bürger der USA noch Steuern zahlen?, wenn sich eh der US-Staat finanziert - indem die Geldmenge erhöht wird, wie die von Schwarz Afrikanischen Staaten, woher Herrn Obama seine Vorfahren stammen.


    Fazit: Die USA lassen US-Dollar Banknoten produzieren, wie wir in Europa Toiletten-Papier, für unsere Tägliche Notdurft.

    Auf dem Yankee Scheiß-Haus-Papier - steht US Dollar, dieses Papier ist die Internationale Leitwährung !

    der US-Dollar steht zum €uro 1 : 1,21 USD

    Dies ist nicht Richtig, es müsste genau so sein ...

    Für 1 € bekommt man 10 kg US-Dollar :cool:



    Der SUPERGAU kommt - aber die Leitwährung US-Dollar - ist keine Währung mehr und auch keine Devise ...
    die US Währung ist nur noch ein (Alp)-Traum ...

    Ich Persönlich besitze auch US-Dollar, aber diese für die Sammlung, sowie ich Briefmarken sammle (diese sind auch keine Währung).

    Aber ich würde bei Briefmarken und dem US-Dollar niemals von Banknoten sprechen.

    US-Dollar ist kein Zahlungsmittel mehr.

    Antikrisenmaßnahmen: "Dicke Bertha und Bazooka" – Die Waffen der EZB

    Die EZB will eine Eskalation der Euro-Krise verhindern, doch allmählich gehen ihr die Optionen aus. Ein paar Waffen hat sie aber noch im Schrank, bevor am Ende nur noch die große Geldflut bleibt. Von J. Eigendorf, A. Ettel, J. Hildebrand und S. Jost

    Es war immer wieder dieselbe Frage, die Mario Draghi an diesem Tag ins Schlingern brachte. Was, wenn Spanien und Italien gleichzeitig in Not geraten, wenn die Euro-Rettungsschirme nicht mehr ausreichen?

    Beim ersten Mal versucht es der Präsident der Europäischen Zentralbank noch mit Humor: "Was ist, wenn jeder Hilfe braucht? Das ist eine große Frage", sagt er, gewinnt ein paar Lacher und einige Sekunden Zeit. Der Italiener blickt vor sich auf den Tisch, scheint zu überlegen, entscheidet sich dann aber für den schnellen Ausgang: "Darauf habe ich keine Antwort."

    Immer die nervenden Fragen, muss Draghi gedacht haben, dabei hat er doch gerade erst so viel getan zur Beruhigung der Märkte. Die Zentralbank hat ihre Zinsen auf ein Rekordtief gesenkt, für ihre Einlagen bei der Notenbank bekommen die Banken nun gar nichts mehr.

    Und doch kommen sie wieder, die Fragen nach dem nächsten Schritt. Würde die EZB Anleihen von Krisenstaaten kaufen? Oder den Rettungsfonds ESM selbst finanzieren? "Ich glaube nicht, dass etwas damit gewonnen wäre, wenn man die Glaubwürdigkeit einer Institution zerstört, indem man sie auffordert, sich außerhalb der Grenzen ihres Mandat zu bewegen", sagte Draghi.

    Das Mandat der EZB – es endet dort, wo die Staatsfinanzierung mit der Notenpresse beginnt. So die Theorie. Doch Draghis verwurzelter Satz zu dem Thema klingt zwei Wochen später wie eine düstere Vorahnung. Denn die Grenzen des Mandats, sie drohen erneut ausgetestet zu werden, und zwar grundsätzlicher denn je.

    Immer größer wird der Druck von ungeduldigen Regierungschefs der Krisenländer, allen voran von Italiens Premier Mario Monti. Hinter den Kulissen soll er seit Wochen vehement drängen, die Notenbank im Kampf gegen die hohen Renditen der Staatsanleihen seines Landes einzusetzen.

    IWF erhöht den Druck auf die EZB

    Der Internationale Währungsfonds hat das heißeste Eisen der europäischen Geldpolitik diese Woche unerschrocken angerührt. Die EZB müsse mehr tun im Kampf gegen die Krise, forderten die IWF-Experten in ihrem jährlichen Bericht zur Euro-Zone. Dazu solle die Zentralbank nicht nur die Zinsen weiter senken – sondern endlich auch wieder Staatsanleihen der Krisenländer kaufen.

    Zwar hatte sich die EZB Ende des vergangenen Jahres von dieser Politik verabschiedet, doch nun könnte die heikelste aller Waffen im Arsenal der Notenbanker wieder zum Einsatz kommen. Bislang wird das Thema im EZB-Rat, dem zentralen Entscheidungsgremium, totgeschwiegen.

    Doch nach Informationen der "Welt am Sonntag" überlegen hochrangige Zentralbanker bereits, wie sie die geldpolitischen Zügel kräftig lockern können. Und zwar ohne dass man sich direkt dem Vorwurf aussetzt, gegen die EZB-Statuten zu verstoßen.

    Die Geldpolitiker wollen sich nicht zum Stand der Debatte äußern, einige spielen aber die verschiedenen Szenarien schon durch. Sollte das ganz große Geschütz hervorgeholt werden, nämlich der breitflächige Ankauf von Staatsanleihen, dann wird das nicht ohne Zoff abgehen. Der Grundsatzstreit schwelt schon lange und könnte an dieser Frage eskalieren.

    "Noch halten alle ihre Karten dicht am Körper", sagt ein Geldpolitiker. Denn wenn man diesen radikalen Schritt umsetzen wolle, dürfe man ihn nicht vorab diskutieren. "Das macht man erst, wenn die Regierungschefs wieder mit dem Rücken an der Wand stehen."

    Anleihekäufe immens umstritten

    Kein Instrument ist unter Europas Notenbankern so umstritten wie die Anleihekäufe. Es kam erstmals zum Einsatz, als Griechenland im Mai 2010 in Not geriet. Damals begann die EZB, aus "geldpolitischen Gründen" zu intervenieren, um die Finanzmärkte zu stabilisieren.

    Von Anfang an gab es Widerstand: Der damalige Bundesbankpräsident Axel Weber kritisierte die Entscheidung des Zentralbankrats öffentlich und leitete damit seine Isolation ein, einige Monate später warf er das Handtuch. Auch der Rücktritt des EZB-Chefökonomen Jürgen Stark geht unter anderem auf den Anleihestreit zurück.

    Der neue EZB-Präsident Draghi schien an dieser Front Ruhe zu bringen. Seit Spätherbst kauft die Zentralbank keine Anleihen mehr, der Bestand stagniert bei gut 210 Milliarden Euro. Die Notenbanker setzen auf andere Hilfen, finanzieren die Banken mit billigen Langfristkrediten – auf dass die Kreditinstitute selbst Staatsanleihen kaufen.

    Doch inzwischen ist der Effekt dieser vermeintlichen Wunderwaffe weitgehend verpufft, eine Wiederholung dürfte wenig bringen. Schon jetzt horten die Banken die Milliarden, statt sie in Schuldtitel zu investieren.

    Am Ende könnte nur die "Bazooka" bleiben

    Der EZB drohen die Optionen auszugehen. Mit zunehmender Verzweiflung reden Notenbanker auf die Regierungschefs ein. Es sei an ihnen, die Schuldenkrise dauerhaft zu lösen, heißt es immer wieder.

    Doch die Hoffnung auf einen Durchbruch ist nicht größer geworden, seit der vermeintliche Kompromiss des EU-Gipfels Ende Juni in den Hauptstädten gegensätzlich interpretiert wurde. "Wenn sich die Lage in Italien oder Spanien in den kommenden Monaten zuspitzt, werden alle wieder auf die EZB zeigen", befürchtet ein Notenbanker.

    Ein paar Waffen stehen zwar noch im Schrank, bevor nur noch die "Bazooka" bleibt, die ganz große Geldflut über die Anleihekäufe. So könnte die Notenbank ihre Ansprüche an Kreditsicherheiten weiter herunterschrauben oder neue Notkredite für Banken erlauben.

    Doch womöglich wird das nicht reichen. "Das Risiko ist groß, dass die EZB noch einmal zu unkonventionellen Maßnahmen greifen muss, sobald sich die Krise wieder verschärft", sagt Christian Schulz von der Berenberg-Bank. Einen ersten Testfall könnte es schon in wenigen Wochen geben, falls Griechenland kein Geld der Euro-Partner mehr bekommt.

    Und spätestens wenn die Lage in Spanien oder Italien eskalieren sollte, käme auch die Frage nach Anleihekäufen wieder auf den Tisch. "Was macht man, wenn Rom oder Madrid nicht mehr ausreichend Geld am Markt bekommen?", fragt ein ranghoher Regierungsbeamter. Eine Antwort hat er nicht. Die Euro-Rettungsschirme wären jedenfalls zu klein. Als Hilfsinstanz bleibt nur die EZB.

    Mehr Geld zur Euro-Rettung auf den Tisch

    In Finanzkreisen registriert man bereits Versuche einzelner Notenbanker, den Boden für eine solche Entscheidung zu bereiten. So bestätigte der Präsident der Banque de France, Christian Noyer, diese Woche, dass man eine rasche Bankenunion brauche, um neue Anleihekäufe zu vermeiden.

    Kritiker legen ihm die Aussage andersherum aus: Er wolle, dass die EZB einspringe, solange es keine Bankenunion gibt. Und deren Aufbau dauert bis Ende 2013, mindestens. Auch das öffentliche Trommelfeuer von IWF-Chefin Christine Lagarde sehen manche Beobachter als kalkuliertes Manöver.

    Der Währungsfonds schließt sich einer Forderung an, die angelsächsische Investoren schon lange erheben: Zur Rettung des Euro muss viel mehr Geld auf den Tisch. Wenn Italien oder Spanien ins Wanken geraten, müsse sich Europa an den Finanzmärkten erst einmal Zeit kaufen, sagt auch Dirk Schumacher, Ökonom bei Goldman Sachs. "Und das geht nur mithilfe der EZB. Andernfalls riskiert man das Überleben des Euro."

    Das hieße aber, dass die EZB das Thema Anleihekauf anders angehen müsste als bisher. Damals seien die Staatsanleihekäufe zu zögerlich und an falscher Stelle erfolgt, sagt Ökonom Schulz: "Wenn die EZB tatsächlich einen Effekt erzielen will, muss sie diesmal mit sehr großen Summen ins Spiel gehen."

    Spekulationen über einen radikalen Schritt

    Doch es wird für die Notenbank immer schwerer, die offensichtliche Staatsfinanzierung als geldpolitische Maßnahme zu verkaufen. Der Ausweg könnte paradoxerweise ein radikaler Schritt sein, über den in Zentralbankkreisen schon spekuliert wird: Die EZB könnte Anleihen aller Euro-Staaten einschließlich Deutschland kaufen, entsprechend der jeweiligen Anteile am EZB-Kapital.

    Sie könnte dann argumentieren, es gehe nicht um die Finanzierung von Problemländern – sondern darum, Liquidität in die Märkte zu pumpen. So rechtfertigen die US-Notenbank Fed und die Bank of England ihre Billionen schweren Anleihekäufe.

    In EZB-Kreisen verweist man allerdings spitz darauf, dass deutsche Anleihen ja derzeit so gefragt seien, dass die Investoren teilweise negative Renditen in Kauf nähmen: "Dass die Zentralbank Bundesanleihen kauft, macht ökonomisch überhaupt keinen Sinn." Andere Notenbanker halten Anleihekäufe an sich für keine Option – damit ginge man in die falsche Richtung, heißt es.

    Dennoch könnte es so kommen. "Falls sich die Staatsschuldenkrise erneut verschärfen sollte, ist der EZB alles Mögliche zuzutrauen", sagt Zentralbankkenner Thorsten Polleit vom Goldhändler Degussa. Gleichzeitig macht er kein Hehl daraus, was er von weiteren Geldfluten hält: "Diese Geldpolitik der EZB führt geradewegs in die Inflation."

    Damit dürfte er so manchem nordeuropäischen Notenbanker aus der Seele sprechen. Doch es wäre nicht das erste Mal, dass diese Fraktion im Zentralbankrat überstimmt wird. Und dann verwurzelte Sätze formuliert werden, um zu erklären, warum das alles mit dem EZB-Mandat vereinbar ist.

    Quelle: dapd

    http://www.welt.de/wirtschaft/articl...n-der-EZB.html

  15. #15
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    Euro-Retter suchen nach neuem Geld für Athen: "Täter Euro" Dein Spiel ist aus!

    Sigmar Gabriel schießt sich auf die Banken als Bösewichte ein. Doch sind deren Pleiten nur Folge, aber nicht die Ursache der Krise. Der Täter heißt "Euro" – er musste aus vier Gründen scheitern. Von Michael Hörl

    Euro: © REUTERS Der Euro musste aus vier Gründen scheitern

    Irrtum Eins: "Alle Menschen sind gleich"

    In Bezug auf Menschenrechte oder -würde ist das richtig. Nicht aber in Bezug auf Kultur und Mentalität. Die Brüsseler Erfinder unserer Gemeinschaftswährung treibt die grundnaive Idee, mit hohen Zwangsabgaben aus Deutschland, Österreich und Holland nicht nur die Lebensstile aller anderen an erstgenannte anzupassen — sondern gleich auch deren Mentalitäten.

    Tausende Tüftler probierten sich in der BRD der 1980er an Photovoltaik oder Windenergie, als an Subventionen noch nicht zu denken war. Griechenland und Portugal besitzen eine doppelt so hohe Sonneneinstrahlung und es sind ausgesprochene Starkwindgebiete. Und trotzdem hat sich in beiden Ländern bis heute nicht ein einziger einheimischer Tüftler gefunden, der irgendetwas mit neuen Energien ausprobieren wollte.

    Und das ist die (griechische) Tragödie: Obwohl Europas Fördertöpfe prall gefüllt sind – kann Hellas davon nichts abrufen: Es gibt schlichtweg keine griechischen Unternehmer, die etwas Förderwürdiges herstellen.

    Irrtum Zwei: "Niedrige Zinsen verbilligen Staatsschulden und fördern Wirtschaft"

    Viele Jahre forderten Gewerkschaften und "linke" SPD-Politiker um Oskar Lafontaine die Europäische Zentralbank (EZB) zu immer weiteren Zinssenkungen auf. Die Linke glaubt nicht an die Kraft des Individuums, und so hält sie den Staat als Auftraggeber für die Wirtschaft unverzichtbar – auf Pump finanziert.

    Es war aber gerade dieser keynesianische Grundirrtum, der Japan mit seinen ungezählten Konjunkturpaketen (auf Pump) zum höchstverschuldeten Land der Welt gemacht hat. Und es war die kluge Sparpolitik von Carl Bildt und Frederik Reinfeldt, die den Schuldenberg schwedischer Sozialdemokraten von 75% auf 38% am BIP halbierten – bei gleichzeitig hohem Wirtschaftswachstum.

    Der Wechsel von Escudo, Drachme oder Lira hin zum Euro hatte deren Zinsniveau von 10% auf zwei pulverisiert. Anstatt die gesparten Zinszahlungen aber zur Schuldentilgung zu verwenden, wähnten sich Sozialisten nun im "Polit-Paradies": Unbeschränkt Kredit für Protzbauten (Stichwort Themenpark am Nürburgring) und immer neue Wahlgeschenke garantierten eine permanente Wiederwahl.

    In nur 10 Jahren hat Griechenland seine (Beamten-)Gehälter und Pensionen verdoppelt. Der dadurch ausgelöste Boom war aber auf Kredit begründet und betraf allein den Handel importierter Güter. Denn Hellas' verschlafene Privatwirtschaft ging derweil vollends vor die Hunde. Verdoppelten Arbeitskosten und Produkten aus den 1970ern stand deutsche Spitzentechnik zum gleichen (Euro-)Preis nun (zollfrei) gegenüber.

    Irrtum Drei: "Ein Zinsniveau gleicht Unterschiede aus"

    Spanische und irische Banken hätten sich verspekuliert? Mit dem Beitritt zu Euroland hatten Länder wie Spanien oder Irland ihre Weichwährungen mit hohen Zinsen (oft über 10%) und hohen Inflationsraten (oft über 10%) in eine Hartwährung mit niedrigen Zinsen (2%) und ebensolcher Inflation getauscht.

    Die "privaten" Banken dieser Länder konnten von nun an Geld bei der "staatlichen" EZB in Frankfurt um bloß 2% borgen, um es dann an ihre Kunden weiter zu verleihen. Wegen des damals kriselnden Deutschland war der Zinssatz künstlich abgesenkt worden — und eigentlich war er selbst mit 2% noch viel zu hoch.

    Deutschlands milliardenschwere EU-Zahlungen hatten Spanien oder Irland aber künstlich boomen lassen. Als deren Inflation auf 3,5% gestiegen war, waren 2% für Eurokredite dort aber viel zu billig, und aus Bürgern wurden Spekulanten. Millionen Spanier und Iren kauften sich auf Pump, so viel es ging, fraß die Inflation doch ihre Zinsen auf. Hätten Spaniens Banken nicht der Kreditsucht ihrer Bürger nachgegeben, man hätte sie als Bösewichte vorgeführt.

    Ohne Euro hätte Deutschlands (alte) Bundesbank den DM-Zins auf 1% gesenkt. Spanier und Iren hätten den für Peseten und für Pfund auf 6% angehoben. Die verbilligten Kredite hätten in Deutschland für Konsum und Boom gesorgt, die verteuerten in Spanien oder Irland selbige gebremst. Und nichts wäre passiert. Als die vom billigen Staatsgeld aufgeblasenen Immobilien- und Börsenwerte platzten, erklärte man es einer ökonomisch ungebildeten Bevölkerung mit der Schuld von Banken oder Spekulanten.

    Irrtum Vier: "Eine Währung führt zu einem Lohnniveau"

    Als die "lästige" Geldwechslerei im Jahr 2000 weggefallen war, ging ein Aufatmen durch die Betriebe. Heute würde mancher lieber wechseln, denn der Euro hat die Löhne schwacher Länder nur für kurze Zeit erhöht – und einen Kontinent dafür ins Chaos gestürzt.

    "Schon immer" lagen deutsche Autos in der Pannenstatistik vor der Konkurrenz aus Frankreich und Italien. Das war nicht weiter schlimm. Denn nach den ritualisierten Franc- und Lire-Abwertungen am Ende der Tourismussaison waren die Autos zwar nicht besser, aber billiger. So konnte man in Frankreich und Italien ein respektables Lohnniveau erhalten — zumindest in lokaler Währung.

    Nun ist der Vorteil aber weg: Für Autos "fabriquées en France" zahlt man jetzt in Euro gleich viel wie für Konkurrenten aus "Allemagne". Das ließ Frankreichs Autokunden wechseln, Werkschließungen (etwa bei Renault) sind jetzt die Folge.

    Zu allem Überfluss zitieren Brüsseler Experten jetzt noch aus dem VWL-Lehrbuch: "Wenn Produkte teurer als das Qualitätsniveau geworden sind, braucht man nur das Lohnniveau solange abzusenken, bis Produktivität und Warenpreis wieder in Einklang sind". Das ist töricht, denn eine solcherart gedemütigte Arbeitnehmerschaft sorgt nicht für ein Klima, das den Stimmungsumschwung bringt.

    Das Spiel ist aus

    Es ist verloren. Die Notenpressen fluten Staaten oder Banken (bzw. deren Bürger) immer hektischer mit Geld. Das ist ähnlich effizient, als löschte man einen Brand mit Benzin. Deutschland droht durch irreale Haftungszusagen für todgeweihte Länder selbst der Staatsbankrott. Und Europas Linke feiert mit der Hetze gegen Banken oder Spekulanten ein Comeback wie in den 1920ern.

    Hellas muss in Konkurs geschickt werden – zum sechsten Mal in 150 Jahren. Dann stellt man sukzessive auf alt(bewährte) Währungen um und beginnt endlich, Europas Bürger ökonomisch auszubilden. Dann treten an die Stelle populistischer Keynesianismus-Träumereien eines Tages automatisch seriöse Sparmodelle a la Schweden oder Schweiz.

    Michael Hörl ist österreichischer Ökonom und Autor der "Gemeinwohl-Falle"— einer Antwort auf Globalisierungskritiker wie Jean Ziegler oder Christian Felber ("on Attac Österreich).

    http://www.welt.de/debatte/kommentar...sbankrott.html

  16. #16
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    Bald auch in Deutschland ...

    Mehr als 11,5 Milliarden Euro
    Griechenland beschließt harte Sparmaßnahmen
    26.07.2012 · In Griechenland soll es künftig keine Renten mehr geben, die höher als 2200 Euro monatlich sind. Das ist eine der nun von der Regierung beschlossenen Sparmaßnahmen. Insgesamt will das Land in den nächsten zwei Jahren 11,5 Milliarden Euro einsparen.
    ArtikelBilder (1)Lesermeinungen (6)

    © HENNING BODE / F.A.Z.
    Bittere Nachrichten für griechische Rentner: Ihre Renten werden gedeckelt; auch bei anderen Sozialleistungen soll es Kürzungen geben.
    Mit einem Bündel von noch härteren Sparmaßnahmen will die Regierung in Athen Griechenland wieder auf Kurs bringen. Es geht um Einsparungen in Höhe von mehr als 11,5 Milliarden Euro für die kommenden zwei Jahre. Am härtesten treffen diese Maßnahmen abermals die Rentner. Das neue Sparprogramm wollte der griechische Finanzminister Ioannis Stournaras der Geldgeber-Troika am Donnerstag präsentieren. Am Abend will EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso den griechischen Regierungschef Antonis Samaras in Athen treffen.

    Wie die griechische Presse am Donnerstag übereinstimmend berichtete, soll es künftig in Griechenland keine Renten mehr geben, die 2 200 Euro übertreffen. Kürzungen soll es auch bei der Gesundheit geben. Wer zu häufig zum Arzt geht, muss zahlen. Wenn die Arztbesuche einen Wert von 1500 Euro im Jahr übertreffen, muss der Versicherte für jeden weiteren Arztbesuch 10 Euro zahlen, und wenn er im Krankenhaus bleiben muss, 15 Prozent der Kosten selbst zahlen.

    Die Eckpunkte seien noch nicht endgültig, hieß es. Die Chefs der drei Parteien der Koalitionsregierung wollten am Donnerstagnachmittag über die Maßnahmen beraten.

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    Die Sparmaßnahmen müssen von den Geldgebern genehmigt werden. Die Troika der Kontrolleure des Internationalen Währungsfonds (IWF), der EU und der Europäischen Zentralbank (EZB) wollen sich am Freitag mit Samaras treffen. Anschließend wollen sie einen Bericht abgeben. Die Troika will dann Anfang September wieder nach Athen reisen. Von ihrem Bericht hängt ab, ob Athen weitere Gelder aus den Hilfsprogrammen bekommt oder das Land zahlungsunfähig wird.

    Angeblich stößt das griechische Finanzministerium mehr als zwei Jahre nach Beginn der Euro-Rettungsaktion immer noch auf schwere Versäumnisse bei der Umsetzung beschlossener Sparmaßnahmen. Das berichtet die „Financial Times Deutschland“. So sollen in 60 Prozent der Staatsunternehmen keine Gehälter gekürzt und Zuschüsse gestrichen worden sein - obwohl das Parlament dies beschlossen hatte. Vize-Finanzminister Christos Staikouras sieht den Verdacht als begründet an, will aber noch keine Zahlen nennen. „Ich versuche, das jetzt herauszufinden“, sagte Staikouras der FTD.

    Söder: Griechenland wird aus dem Euro-Raum ausscheiden
    Der bayerische Finanzminister Markus Söder sagte derweil, er halte einen Ausstieg Griechenlands aus dem Euro-Raum für unumgänglich. „Ja absolut, das wird auch so kommen“, antwortete Söder am Donnerstag auf eine entsprechende Frage im „Deutschlandfunk“. „Das ist für Europa besser, für die EU, die Euro-Zone, aber auch für Griechenland.“

    Dass Griechenland es schaffen könnte, doch noch die Voraussetzungen für weitere Hilfen zu schaffen, schließt der CSU-Politiker aus. Wenn die Troika aus IWF, EZB und EU Kommission ihre Prüfungen in Athen mit einem Negativurteil abschließe, müsse hart entschieden werden. „An einem solchen Punkt darf es keine Lockerung der Bedingungen geben, keine neuen Verhandlungen und erst recht kein neues Geld“, verlangte Söder.

    Quelle: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaf...-11832530.html

  17. #17
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    Die Griechen können mit Sicherheit keine Schulden mehr bedienen ...

    Hätte ich das Schicksal Griechenland in meinen Händen, indem ich entscheiden darf.

    Ich würde Griechenland in den Staatsbankrott ...
    Alle Schulden werden nicht mehr bedient - klar der Staat muss trotzdem reformiert werden, aber ohne das Joch der Altlasten - Importe verteuern sich, gut für die Einheimische Wirtschaft ist - Tourismus erlebt eine 2. Renaissance
    Ich würde den Gläubigern meinen Hintern zeigen - und für den Einheimischen Markt - wie in Schweden auf 100% Ethanol/Biodiesel als Treibstoffe verwenden - das spart Devisen - und bringt dem Agrarsektor in Griechenland Arbeitsplätze.

    Lieber ein Ende mit Schrecken als eine Schrecken ohne Ende - Das würde den Griechen wenigsten noch Lebensqualität ...
    Probleme haben dann nur die Gläubiger ;)

    http://de.wikipedia.org/wiki/Staatsbankrott

    und so erging es dem Thailändischen Kronprinz - weil Thailand seine Schulden nicht zahlen wollte.

    http://www.n-tv.de/panorama/Thailand...le3967181.html

    und wenn man sein Geld nicht bekommt - ist man selbst dran
    http://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Bau

    Ja die Zahlungsmoral
    http://www.handelsblatt.com/unterneh...n/2466084.html

  18. #18
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    Applaus für Draghi: Die "unversiegbare Geldquelle" für Krisenstaaten...

    EZB-Präsident Mario Draghi stellt eine groß angelegte Intervention zur Rettung des Euro in Aussicht. Das spektakuläre Eingreifen der EZB bringt viel Lob, allerdings mit einer wichtigen Ausnahme. Von Sebastian Jost

    Die Europäische Zentralbank (EZB) stellt eine große Intervention zur Rettung des Euro in Aussicht – und die Front der Gegner eines solchen Schrittes bröckelt. Nachdem EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag angekündigt hatte, die Notenbank werde alles Nötige tun, um den Euro zu retten, meldete nur die Bundesbank vernehmliche Bedenken an.

    An der ablehnenden Haltung zum Aufkauf von Staatsanleihen, den viele Investoren und Analysten nach Draghis Äußerung erwarten, habe sich nichts geändert, sagte ein Bundesbank-Sprecher. "Staatsanleihekäufe durch die EZB sind nicht der beste Weg, um die Staatsschuldenkrise zu bewältigen." Doch mit dieser Kritik blieb die Frankfurter Notenbank ziemlich allein.

    Denn die Bundesregierung, bislang ein Gegner großzügiger EZB-Rettungspolitik, stimmte eher in den Chor derer ein, die Draghi applaudierten. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble begrüßte Draghis Äußerungen. Die Politik müsse aber die Voraussetzungen dafür schaffen, indem sie ihrerseits alles zur Bewältigung der "Finanz- und Vertrauenskrise" tue.

    Als Voraussetzung müsse auch die Politik die notwendigen Maßnahmen zur Bewältigung der Finanz- und Vertrauenskrise umsetzen, erklärte Schäuble in Berlin. "An erster Stelle stehen die Reformanstrengungen der Mitgliedsländer selbst."

    Merkel telefoniert im Urlaub mit Hollande

    Bundeskanzlerin Angela Merkel telefonierte aus dem Urlaub mit Frankreichs Staatspräsident François Hollande. Im Anschluss erklärten beide, sie seien "entschlossen, alles zu tun, um die Eurozone zu schützen". Die Mitgliedstaaten wie auch die Institutionen müssten ihren jeweiligen Verpflichtungen im eigenen Kompetenzbereich nachkommen, hieß es in einer Erklärung. Zudem müssten die Beschlüsse des letzten Euro-Gipfels zur Weiterentwicklung der europäischen Integration rasch umgesetzt werden.

    Draghi hatte am Donnerstag gesagt, die Zentralbank werde alles tun, um die Gemeinschaftswährung zu retten: "Und glauben Sie mir, das wird ausreichen." Anleger und Experten werteten das als Hinweis auf die Bereitschaft der Notenbank, wieder Anleihen von Krisenländern wie Spanien zu kaufen, um deren Zinsniveau zu drücken. Italien konnte am Freitag bereits eine Anleihe am Markt zu günstigeren Zinsen platzieren. Ob die EZB dabei aktiv war, blieb unklar. Auskunft über ihre Aktivitäten dazu gibt die Notenbank erst am Montag.

    EZB-Präsident Mario Draghi hat mit seiner Äußerung zur Euro-Rettung den Streit über die angemessenen Instrumente zur Krisenlinderung neu angeheizt. Akut in der Diskussion sind neue Käufe von Anleihen von Krisenstaaten durch die EZB, Anleihenkäufe durch den Euro-Rettungsschirm EFSF, eine Banklizenz für den geplanten dauerhaften Rettungsschirm ESM sowie ein Forderungsverzicht staatlicher Gläubiger zu Gunsten Griechenlands, um das Land doch noch in der Euro-Zone zu halten.

    Kritik kommt von der der Bundesbank

    Dagegen äußerte sich die Bundesbank kritisch zu etwaigen neuerlichen EZB-Ankäufen von Staatsanleihen. Ein Sprecher nannte diesen Mechanismus "problematisch", weil "dadurch falsche Anreize gesetzt werden" könnten. Die Forderung, dem Euro-Rettungsschirm eine Banklizenz und damit unbegrenzten Zugang zu Notenbankgeld zu geben, lehnte die Bundesbank gleichfalls ab. Auch die Bundesregierung sagt hierzu Nein, wie eine Sprecherin erklärte.

    Was den Ankauf von Staatsanleihen über den EFSF angeht – eine Option, die Frankreich für überlegenswert hält – so hielt sich die Bundesregierung alle Optionen offen. Eine Sprecherin des Finanzministeriums verwies darauf, dass es diese Möglichkeit gibt, dass dieser Weg aber erst einmal eines Antrages des betreffenden Landes – im aktuellen Fall Spanien – bedürfe.

    Diesen Antrag gebe es bislang nicht. Würde ein Antrag gestellt, müsse nach deutschem Recht der Bundestag damit befasst werden, gegebenenfalls über ein Sondergremium aus neun Abgeordneten, dem Neuner-Gremium. Spanien hat nach Angaben eines EU-Vertreters kürzlich erstmals eingestanden, dass es womöglich ein komplettes Hilfeprogramm des EFSF in Höhe von rund 300 Milliarden Euro benötigen könnte. Aus Madrid kam ein Dementi.

    EU-Staaten und EZB sollen zusammen vorgehen

    Unterdessen bereitet die EZB einem Zeitungsbericht zufolge ein Eingreifen an den Märkten zusammen mit den EU-Staaten vor. Wie die französische Tageszeitung "Le Monde" in ihrer Samstagsausgabe unter Berufung auf mehrere Quellen berichtet, soll ein "abgestimmter Plan" zwischen der EZB und den Staaten in Arbeit sein. Ziel sei es, die an den Finanzmärkten steigenden Zinsen für spanische und italienische Staatsanleihen zu dämpfen.

    Dem Bericht zufolge soll in einer ersten Phase der Euro-Rettungsfonds EFSF oder dessen Nachfolger ab September, der Rettungsfonds ESM, aktiviert werden. Dabei gehe es darum, Staatsanleihen von Spanien oder Italien auf dem Primärmarkt aufzukaufen, damit sich die Staaten zu erträglichen Zinssätzen finanzieren können. Zugleich würde die EZB ihr Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt wieder starten, also auf dem Markt, auf dem bereits ausgegebene Schuldtitel gehandelt werden.

    In einem zweiten Schritt könnte das Eingreifen der EZB und der Staaten dem Bericht zufolge spektakulärer ausfallen. Dabei könnte es darum gehen, den Rettungsfonds direkt eine Banklizenz zu verleihen. Sie könnten dann mit einer Art EZB-Garantie ihre Schlagkraft erhöhen. Damit hätten die Krisenstaaten laut "Le Monde" eine "praktisch unversiegbare Geldquelle". In Deutschland und anderen EU-Staaten würde damit aber das Tabu gebrochen, demzufolge die EZB nicht direkt die Staaten finanzieren darf.

    Betriebsamkeit gibt es auch beim Thema Griechenland. Laut EU-Kreisen wird in Brüssel als "letzte Chance" für den Verbleib des Landes im Währungsraum ein weiterer Verzicht auf Forderungen erwogen, diesmal zulasten öffentlicher Gläubiger inklusive der Zentralbanken.

    Moody's senkt Ausblick für Rettungsschirm EFSF

    Quelle: dapd Nachdem sie den Ausblick für die deutsche Kreditwürdigkeit auf negativ gesetzt hat, ist nun der europäische Rettungsschirm EFSF dran. Auch er erhielt von der Ratingagentur einen negativen Ausblick.

    http://www.welt.de/wirtschaft/articl...enstaaten.html

  19. #19
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    „Eine Schulden-Union – das lehnen wir ab“

    SEBASTIAN KURZ BEI BILD ÜBER MILLIARDEN-HILFE DER EU

    von: PAUL RONZHEIMERveröffentlicht am 22.05.2020 - 18:44 Uhr

    Die Europäische Union diskutiert über Milliarden-Hilfen für die besonders von der Corona-Krise getroffenen Staaten – jetzt kommt Klartext von Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz. Im Interview mit BILD LIVE macht er klar: Die EU darf nicht zur Schulden-Union werden.

    Kurz wörtlich: „Eine Schulden-Union – das lehnen wir ab“. Insbesondere dürfe eine solche Schulden-Union nicht durch die Hintertür eingeführt werden, deswegen müssten Hilfen zeitlich befristet sein.

    In Krisenländern wie Italien und Spanien müsse sichergestellt sein, dass die Budgets unter Kontrolle gehalten werden. Schließlich zeige die Corona-Krise aktuell auch, wie wichtig eine vernünftige Haushaltspolitik sei. „Der Spruch ‚Spare in der Zeit, dann hast du in der Not‘ ist durch die Corona-Krise noch einmal offensichtlich geworden. Und ich bin froh, dass es Länder gibt wie Deutschland oder wie Österreich, die in den letzten Jahren ihre Budgets unter Kontrolle hatten.“

    Kurz hatte nach dem 500-Milliarden-Vorschlag von Bundeskanzlerin Angela Merkel (65, CDU) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (42) angekündigt, mit Dänemark, Schweden und den Niederlanden einen Alternativvorschlag vorzulegen.

    Kurz zu BILD: „Ich glaube nicht, dass ich Frau Merkel massiv verärgert habe. Ganz im Gegenteil: Es gibt einen Diskussionsprozess auf europäischer Ebene, der meiner Meinung nach gut aufgesetzt ist, geleitet von Ursula von der Leyen.“ Es gebe in der EU „27 Staaten am Tisch. Da wird es wohl in Ordnung sein, dass auch andere Ländern eine Meinung dazu haben“.


    „Ich trau Markus Söder alles zu“

    Gefragt, ob CSU-Chef Markus Söder ein guter Kanzler für Deutschland wäre, sagte Kurz: „Ich trau Markus Söder alles zu. Er ist ein sehr erfolgreicher Politiker und führt Bayern sehr gut. Aber in der Frage, wer CDU-Chef werden soll, wer der nächste deutsche Kanzler sein soll, mische ich mich nicht ein. Da werden Sie von mir keine Aussage erhalten.“

    Kurz verspricht sicheren Urlaub in Österreich

    Außerdem machte er den Deutschen Hoffnung auf Sommerurlaub in seinem Land: „Wir garantieren, dass man so sicher nirgends Urlaub machen kann wie in Österreich.“

    Dazu gebe es allerdings Abstandsregeln, in Restaurants und Hotels gelten außerdem Desinfektionsvorschriften. Angestellte wie Kellner müssten außerdem regelmäßig getestet werden, so Kurz bei BILD.

    Österreichs Kanzler wörtlich: „Wir nehmen sehr viel Geld in die Hand, um diese Testungen zu ermöglichen. Um den Gästen in unserem Land zu ermöglichen, dass sie einen wunderschönen und gleichzeitig sicheren Urlaub haben.“

    https://www.bild.de/politik/ausland/...4566.bild.html

    Eine Schuldenunion – das lehnen wir ab - und das ist auch gut so - für deutsche Sparer zunächst eine gute Nachricht - aber die Befürworter der Corona Bonds lassen nicht locker!!!
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