Geheime Kontakte des Irak zum Terror
Die Verbindungen zwischen Osama bin Ladens Terrornetzwerk Al Qaida und dem Irak sind in Geheimdienstkreisen seit längerem bekannt
Von Hans Krech
Der französische Terrorismus-Experte Roland Jacquard legte 1999 in einer UN-Studie detaillierte Informationen dazu vor. Demnach sei es 1991 zu ersten Versuchen der Kontaktaufnahme zwischen bin Laden und dem irakischen Präsident Saddam Hussein gekommen.

1997 fanden dann Geheimverhandlungen mit Saddam statt: Zuerst suchte ein türkischer Geschäftsmann im Auftrag bin Ladens den irakischen Botschafter Dahman al-Takriti in Ankara auf. Dann kontaktierte der Somali Hadj Ahmed Tijani den irakischen Botschafter Najim al-Takriti in Kairo und bot ihm ein Bündnis mit Al Qaida an. Zudem offerierte er im Auftrag bin Ladens Elektronikbauteile und Flugzeugersatzteile, die laut Embargo-Liste der UN nicht in den Irak eingeführt werden dürfen. Anschließend reiste der Jemenite Fadel Shaikh al-Dalii zu Saddam Hussein nach Bagdad. Er brachte die Adressenliste der irakischen schiitischen Opposition im Südirak mit und schlug den Aufbau eines verdeckten weltweiten Netzwerkes zur Stärkung der irakischen Wirtschaft unter Umgehung der UN-Sanktionen vor.

1998 trafen sich Delegationen Saddams und bin Ladens in Manila und im Kaschmir-Gebiet zu Geheimverhandlungen, die zur Bildung einer gemeinsamen Front führten. Oberst Khairallal al-Takriti soll dabei der Verbindungsoffizier des Irak zu Al Qaida gewesen sein. Saddam Hussein versorgte den schwer kranken bin Laden mit einem tragbaren Dialyse-Gerät und sandte einen irakischen Arzt nach Kandahar.

Die freundschaftlichen Beziehungen zwischen bin Laden und Udai Hussein, dem ältesten Sohn und möglichen Nachfolger des Diktators, sollen laut Geheimdienstberichten inzwischen zu noch engeren Verflechtungen geführt haben: Einige Gruppierungen von Al Qaida absolvierten in irakischen Camps eine ABC-Waffen-Ausbildung. Die CIA vermutet, dass dieses Know-how Osama bin Laden veranlasste, den USA mit Atomwaffen zu drohen.

Auch die Attentäter von New York und Washington hatten enge Verbindungen zum Irak. Der tschechische Innenminister Stanislav Gross bestätigte am 26. Oktober 2001 zwei Treffen von Mohammed Atta mit irakischen Agenten in Prag. Die Gruppierung Atta in Hamburg, so der tschechische Inlandsgeheimdienst, sei Teil des Schläfer-Netzes Abu Nidals oder anderer irakischer Geheimdienste in Westeuropa gewesen. Zuerst hatte sich Atta in Prag mit irakischen Agenten getroffen. Später kam es in Prag zu einem Treffen mit dem irakischen Diplomaten Ahmed Khalil Ibrahim Samir Al-Ani, der danach von der tschechischen Regierung ausgewiesen wurde. Atta sollte im Auftrag des Irak einen Sprengstoffanschlag gegen den US-Sender Radio Free Europe in Prag unternehmen, der Programme für die irakische Opposition in das Zweistromland sendete.

Bei den Anschlägen am 11. September wurden die Aufträge aufgeteilt: Die irakische Atta-Gruppe stellte die Todespiloten, Al Qaida jene Terroristen, die die Passagiere mit Messern in Schach hielten. Bei Letzteren handelte es sich um junge islamistische Oppositionelle aus dem Raum Mekka und Medina.



Dr. Hans Krech ist Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Forums für Internationale Sicherheit in Hamburg
24.02.2002 welt