07.12.2004

Jahreswende im Zeichen von Reformen, Yukos, IPOs

Russland zählt nach wie vor zu den günstigsten der „Emerging Markets“ und genießt in der Anlageregion Zentral- und Osteuropa (CEE) eine ganz spezifische Sonderstellung.

Dr. Angelika Millendorfer,
Leiterin & Fondsmanagerin Osteuropa Aktienteam bei RCM Wien

Für die künftige Entwicklung des Marktes – auch im Hinblick auf eine generelle weitere Öffnung für Investoren aus dem Ausland und damit einhergehend eine weitere Erhöhung der Attraktivität – werden die Ergebnisse der nächsten, großen Liberalisierungsschritte von entscheidender Bedeutung sein. Die erste anstehende Reform – welche als „ring-fence“-Reform bezeichnet wird – sollte es auch internationalen Investoren ermöglichen, Aktien des zu liberalisierenden Multis Gazprom direkt zu erwerben und nicht mehr über den Weg der ADRs (American Depository Receipts) gehen zu müssen. Einen weiteren Schritt im Zuge der Liberalisierungsbemühungen bei Gazprom sollte die vorgesehene Fusion des Unternehmens mit der voll verstaatlichten Rosneft darstellen. Damit sollte es der russischen Regierung gelingen, einen wahren Energie-Giganten zu kreieren und das Gewicht Russlands in den MSCI-Indizes deutlich zu erhöhen. Zwei wesentliche Fragen prägen jedoch diesen Prozess: In welcher Höhe wird Rosneft bewertet und wie groß wird der Anteil des russischen Staates dadurch an der „Gazprom neu“ sein? Experten gehen davon aus, dass sich die Regierung Putin zumindest einen Anteil von 51 Prozent am neuen Energie-Giganten sichern wird. Als zweite Frage bleibt auch offen, in welcher Höhe „Ausländer“ Anteile erwerben können.



Der zweite große Reformbrocken wird die Privatisierung der „Svyazinvest“ – einer Holding, welche substanzielle Anteile der russischen Telekomunternehmen hält. Eine erfolgreiche Privatisierung von Svyazinvest würde eine Konsolidierung des russischen Telekomsektors mit sich bringen – und in weiterer Folge zu einer Erhöhung der Profitabilität sowie der „Corporate Governance“ führen.

Mit dem geplanten Verkauf der Kernproduktion – allerdings deutlich unter den Marktwerten – sollte auch bei Yukos ein finales Kapitel aufgeschlagen werden. Interessant wird dabei die Frage werden, welches russische Unternehmen die Produktion übernehmen kann. Gazprom und Surgutneftegaz könnten die Profiteure sein. Dass die ganze „Affäre Yukos“, welche zu einem zentralen Thema 2004 weltweit avancierte, für die Anleger noch positiv ausgehen könnte, scheint sehr unwahrscheinlich. Allerdings würde somit der lang ersehnte Schlussstrich unter diese in allen Facetten unerfreuliche Affäre gezogen werden.



2005 ist mit einem Anhalten der zuletzt deutlich gestiegenen Neu-Emissionswelle zu rechnen. Diese jüngsten Initial Public Offerings (IPOs) ermöglichten Investitionen in zuvor unterrepräsentierte Börsensegmente wie etwa Immobilien- oder Konsumgütertitel. Hier konnte etwa der Immobilientitel „Open Investments“ besonders hervorstechen. Mit einer Fortsetzung der IPOs sollten sich auch im kommenden Jahr selektive Investitionsmöglichkeiten herauskristallisieren.



Chancen für Investoren – Telekom und Konsumgüter
In Hinblick auf die unterschiedlichen Sektoren sind derzeit der Telekom-Sektor ebenso wie Titel aus dem Bereich der Konsumgüter zu favorisieren: beispielsweise der Mobilfunkan-bieter „Mobile Telesystems“ sowie der Brauereikonzern „Baltika Breweries“ – die Gewichtungen beider Titel wurde zuletzt im Portfolio des Raiffeisen-Osteuropa-

Aktien Fonds erhöht.



Risiken bewusst machen: politische Interventionen, Reformen, Rohstoffabhängigkeit

Investoren in „Emerging Markets“ sind gut beraten, sich die spezifischen Risken der einzelnen Länder immer wieder in Erinnerung zu rufen. Die russische Wirtschaft hat in den vergangenen Jahren einige grundlegende Reformen bewältigt, welche sich in höheren Bewertungen am Aktienmarkt sowie Upgrades durch Rating-Agenturen widerspiegeln. Obwohl die „Yukos-Affäre“ durchaus als isolierter, unternehmensspezifischer Einzelfall erachtet werden kann, können Befürchtungen hinsichtlich eines Anstieges politischer Interventionen nicht negiert werden. Auch die unbestrittene Abhängigkeit eines beachtlichen Teils der russischen Wirtschaft von den Rohstoffpreisen muss als denkbarer Unsicherheitsfaktor in Betracht gezogen werden – ebenso wie eine möglicherweise nicht zufrieden stellende Umsetzung der geplanten Reformen.



Per Ende November (01.01.2004 bis 30.11.04) ergibt sich eine erfreuliche Wertsteigerung des Raiffeisen-Osteuropa-Aktien von +34,46 %.

Neben einer Gewichtung von rund 35 bis 40% Russland investiert der Fonds in osteuropäischen Ländern wie Ungarn, Polen oder die Tschechische Republik.

Autor: Dr. Angelika Millendorfer, Leiterin und Fondsmanagerin des Osteuropa-Aktienteams

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