Anleihemarkt
Aussicht auf bessere Note von Lehman beflügelt russische Anleihen


26. Januar 2005 Die Kurse russischer Anleihen sind gestiegen, nachdem die Investmentbank Lehman Brothers Holdings Inc. ankündigte, bei ihrer Bewertung der Kreditwürdigkeit auch die Bonitätsnoten der Ratingagentur Fitch Ratings Inc. zu berücksichtigen. Das deutet darauf hin, daß Lehman russische Anleihen bald in die Kategorie "Investmentgrad" einstuft.


Nach der neuen Bewertungsmethode wird Lehman jede Anleihe mit dem Mittelwert aus den Bonitätsnoten von Fitch, Standard & Poor's und Moody's Investors Service bewerten. Die neue Methode wird ab 1. Juli angewandt. „Die Methode impliziert, daß zwei von drei Ratingagenturen eine Anleihe auf Investmentgrad bewerten müssen, damit sie in die Lehman Brothers Investment-Grad Aggregate Indizes aufgenommen wird", erläuterte die Investmentbank.

Renditen auf Rekordtief

Der Kurs der russischen Dollaranleihe mit Fälligkeit 2030 und einem Kupon von fünf Prozent zog am Dienstag in der Spitze 0,7 Prozent auf 104,75 an. Die Rendite fiel 8,6 Basispunkte auf 6,31 Prozent, das ist ein Rekordtief, zeigen Bloomberg-Daten.

Fitch hatte Rußlands Bonitätsnote im November auf Investmentgrade angehoben. Langfristige Fremdwährungs- und Rubelanleihen des russischen Staates werden mit "BBB-", der niedrigsten Note dieser Kategorie, benotet. Der hohe Ölpreis werde dafür sorgen, daß die Devisenreserven des Landes steigen, argumentierte Fitch am 18. November.

Moody's hatte bereits im Oktober 2004 als erste der drei großen Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit Rußlands auf Investmentstufe gesetzt, sechs Jahre nachdem die russische Regierung den Schuldendienst auf Rubelanleihen im Volumen von 40 Milliarden Dollar eingestellt hatte. Moody's stuft Rußland mit "Baa3" ebenfalls auf der niedrigsten Stufe seiner Investmentgrade-Kategorie ein. S&P bewertet das Land dagegen noch mit "BB+" auf Hochzins- oder "Ramsch"-Niveau.

Fitch bewertet Rußland jetzt auf derselben Stufe wie Rumänien und Bulgarien. Der Ausblick für das Rating ist stabil, Fitch rechnet in nächster Zeit also nicht mit einer Veränderung der Note.

Währungsreserven decken Auslandsschulden komplett ab

„Auch ohne ein entsprechendes Rating von S&P fällt Rußland in die Investmentgrade-Kategorie", erklärte Alexej Ju, Analyst bei dem Moskauer Broker Aton Capital Group. „Viele Portfoliomanager werden russische Anleihen nicht nur in die Portfolios aufnehmen dürfen, sonder sogar müssen."

Alleine dieser Umstand spricht dafür, daß sich russische Staatsanleihen auch weiterhin gut schlagen werden. Es besteht zwar die Gefahr, daß das von der Regierung für 2005 gesetzte Inflationsziel von 8,5 Prozent überschritten wird, doch die finanzielle Situation ist momentan so komfortabel, daß es Rußland vermutlich sogar leichter als Deutschland fallen sollte, seine Schulden zu begleichen. Dafür spricht zumindest die Erkenntnis, daß der Gold- und Währungsreserven des Landes mit rund 120 Milliarden Dollar die Auslandsschulden komplett abdecken.