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Thema: DeutschlandRevolution2019

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    DeutschlandRevolution2019

    Aus dem Nichts organisieren die Bauern einen Aufstand - 22.10.2019

    Bienensterben, Tierwohl, Grundwasser: Die Landwirte sehen sich zum Sündenbock gemacht. Übers Internet organisieren sie binnen Wochen eine Protestbewegung – vorbei am Bauernverband. Das schnelle Wachstum erinnert an den Gelbwesten-Aufstand.

    Traktor nach Traktor schiebt sich am Dienstagvormittag über die Bonner Straßen in Richtung Münsterplatz. An vielen Fahrzeugen sind Schilder angebracht. Manche sind witzig: „Ohne Bauern keine Pommes“. Andere ernsthaft: „Lieber Verbraucher, ich bin noch da. Bitte rede mit mir, nicht über mich.“ Kerstin Blumhardt ist zufrieden: „Der Münsterplatz füllt sich.“

    Ein paar Tausend Landwirte dürften es sein, die hier auftauchen. Blumhardt ist Mitorganisatorin des Bauern-Netzwerks „Land schafft Verbindung“, das erst am 1. Oktober als Facebook-Gruppe gegründet wurde und dem nach eigenen Angaben bereits wenige Wochen später 30.000 Landwirte angehören. 100.000 sollen zudem über WhatsApp mitmachen. Die Gruppe ist rasch dabei, zur Bewegung zu werden. So groß ist der Unmut auf dem Land.

    Zeitgleich wie in Bonn formieren sich auch andernorts Treckerparaden. 2000 zählt die Polizei in Hannover, 1000 in München, 400 in Hamburg. Berlin, Würzburg, Rostock und ein Dutzend weitere Städte stehen gleichfalls auf der Liste der Protestierer. Das Erstaunliche: Die Aktionen finden völlig am Deutschen Bauernverband (DBV) vorbei statt. Dabei gelten die Berliner Agrar-Lobbyisten eigentlich als schlagkräftig, bestens vernetzt mit der Politik, eine effiziente Interessenvertretung für die Landwirte.

    Doch den Bauern von „Land schafft Verbindung“ reicht das nicht. Den Demonstranten auf dem Münsterplatz geht es auch nicht oder nicht in erster Linie darum, mehr Geld einzufordern. Was sie eigentlich verlangen, ist Respekt für ihre Arbeit von einer Gesellschaft, die aus ihrer eigenen Sicht umso weniger Verständnis für die Erzeugung von Lebensmitteln hat, je weiter die Verstädterung voranschreitet und je ferner für die meisten Menschen die Bedingungen der Produktion dessen rücken, was sie täglich essen.

    Kritiker halten den Protestierern vor, sich subventionieren zu lassen, aber keine Konsequenzen für ein umweltgerechtes Wirtschaften zu ziehen. Blumhardt sieht das nicht so. Ihr Beispiel: „Natürlich gibt es das Problem mit Nitrat im Grundwasser. Aber es ist nicht richtig, immer nur die Landwirtschaft als Sündenbock hinzustellen.“ Auch Kommunen trügen Verantwortung, die undichte Abwasserkanäle duldeten.

    Die Bauern fühlen sich als Tierquäler und Umweltverderber verunglimpft. Auf ihrer Website sprechen die Initiatoren von „Bauernbashing“: „Die permanente negative Stimmungsmache führt zu Ärger und Frustration im Berufsstand. Diskriminierung, Benachteiligung und Mobbing von Angehörigen gehören zur Tagesordnung“, beklagen sie.

    Furor und Wachstumstempo der Bewegung erinnern an den Gelbwesten-Aufstand in Frankreich, ebenso der Ton der Selbstdarstellung: „Es wurde ein Funke gezündet, der innerhalb kürzester Zeit zu einem Flächenbrand wurde.“ Anders als die Gelbwesten betont „Land schafft Verbindung“ allerdings die Gewaltfreiheit seiner Aktionen.

    Der Deutsche Bauernverband hat offenbar erkannt, dass er die Graswurzelbewegung aus den sozialen Netzwerken nicht stoppen kann. „Wir haben volles Verständnis für die Demonstranten und sind solidarisch, solange die Aktionen gewaltfrei bleiben“, sagte DBV-Präsident Joachim Rukwied gegenüber WELT. Die Treckerparaden und Sternfahrten vom Dienstag seien erst der Anfang: „Ich kann mir vorstellen, dass wir nicht nur heute Proteste erleben, sondern auch in den kommenden Wochen.“

    Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) kritisierte im ZDF-„Morgenmagazin“, dass Bauern „häufig als Tierquäler und Umweltverschmutzer abgetan“ würden. Das sei „weder richtig noch fair“. Die Bauern müssten sich aber auch in die Pflicht nehmen lassen, etwa beim Thema sauberes Grundwasser. Die Regierung mute den Landwirten Veränderung zu, unterstütze sie aber auch finanziell.

    Der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Anton Hofreier, bezeichnete die Proteste als Folge einer „jahrzehntelang verfehlten Agrarpolitik“. Diese habe dazu geführt, dass die Kluft zwischen Agroindustrie, industrieller Landwirtschaft und Gesellschaft immer größer geworden sei. Die Organisation Germanwatch meinte, Berlin und Brüssel müssten das Verständnis zwischen Bauern und Konsumenten verbessern, indem beispielsweise eine Kennzeichnungspflicht für Herkunft und Haltung von Tieren eingeführt und EU-Standards konsequent umgesetzt würden.

    Doch die Bauern fühlen sich gerade von einer Vielzahl von Gesetzen und Regelungen eingeengt, sei es der Aktionsplan Insektenschutz, sei es die Düngeverordnung, seien es Auflagen bei der Tierhaltung. Auch das Freihandelsabkommen der EU mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten missfällt ihnen. Unmittelbarer Auslöser der Gründung von „Land schafft Verbindung“ seien „ideologisch anmutende Gesetzespakete“ gewesen. Den Bauern sei sogar gedroht worden, Strafzahlungen der Alterssicherung der Landwirte anzulasten, empören sich die Initiatoren der Aktionsplattform.

    Am Dienstag machte sich eine Protestbewegung spektakulär Luft, die zunächst still und kaum nach außen sichtbar geworden war. Landwirte hatten grüne Kreuze als Zeichen ihrer Existenzängste auf Feldern und Wiesen aufgestellt. Doch der stille Protest blieb wirkungslos, die eingefahrene Interessenvertretung wird als unbefriedigend wahrgenommen. „Nichts ist authentischer als der Landwirt, der tagtäglich auf dem Hof steht und arbeitet“, meint Blumhardt denn auch. Gegen den Bauernverband will sie nichts sagen, aber die Leute dort seien doch eher praxisfern. Und dann habe sie auch den Eindruck, dass Umwelt-, Verbraucher- und andere Nichtregierungsorganisationen in den Ministerien eher gehört würden als die Bauern.

    Die letzten zwei Wochen, so die Landwirtin, seien hart gewesen mit der ganzen Organisiererei der Kundgebung in Bonn. Die Arbeit auf dem Hof laufe ja weiter. Und Protesterfahrung habe sie keine – nicht als Teilnehmerin einer Aktion und erst recht nicht als Organisatorin. Die Demo in Bonn, sagt Blumhardt, war die erste in ihrem Leben. Und dann gleich ein voller Erfolg, gemessen an den selbst gesetzten Zielen. „Wir sind einfach Landwirte, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen wollen. Wir haben das Schweigen und Zuhören satt, wir wollen gehört werden!“, verkündet die Website.

    Wie geht es weiter? Der blitzartige Aufstieg war wohl bisher zu schnell, um einen genauen Plan zu entwerfen. Aber zu Ende, da ist sich Blumhardt sicher, sind die Bauernproteste nicht: „Wir werden uns schon wieder etwas einfallen lassen.“

    https://www.welt.de/wirtschaft/artic...edte-lahm.html


    Ergo: Bauern!!! haut der GroKo eines auf die Rübe, damit der Denkapparat der hohen Damen und Herren, wieder richtig funktioniert.


    Mein Gott: https://youtu.be/9epGfEBjquc


    „Die Rübe lohnt sich nicht mehr“

    Die Kölner und Aachener Bucht ist traditionelles Zuckerrübenland. Doch die rund 5000 Anbauer in NRW leiden unter importiertem Billigzucker und unfairen Wettbewerbsbedingungen innerhalb der EU. Sinkt der Preis weiter, sind Fabriken bedroht.

    Bauer Martin Ditges wird am 22. Oktober zu einer großen Demonstration nach Bonn fahren.

    „Man hat den Eindruck, dass die gesamte Landwirtschaft vor die Wand gefahren werden soll“, klagt der Rheinländer.

    Und während sich die Rübe besonders schwer tue, sei auch das Getreide „keine sichere Bank“ mehr. Er und seine Kollegen fordern EU-weit einheitliche Bedingungen. „Wir wollen nicht schlechter gestellt werden als die Kollegen in Süd- und Osteuropa.“ Man sei nicht gegen Wettbewerb, sagt Ditges. „Aber bitte zu fairen Bedingungen.“

    https://www.welt.de/regionales/nrw/a...der-Krise.html
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