Vorgaben aus den USA
An der Wall Street ist der jüngste Rücksetzer beim Dow Jones Industrial +2,04% unter die Marke 25.000 Punkten am Dienstag abgehakt worden. Die Hoffnung auf weitere umfangreiche Konjunkturmaßnahmen der US-Regierung stimmte die Anleger risikofreudig. An seinem dritten Gewinntag in Folge stieg der Dow um zwei Prozent auf 26.289 Punkte. Fast die Hälfte des Rückschlags der Vorwoche hat er nun schon wieder ausgeglichen.


Handel in Fernost

Nach der Vortageskursrallye infolge von Spekulationen über weitere US-Konjunkturmaßnahmen haben sich die Anleger in Japan und China am Mittwoch erst einmal zurückgehalten. Investoren warten angesichts der Spannungen zwischen Nordkorea- und Südkorea erst einmal ab. Zudem hatte die Corona-Pandemie die japanischen Exporte im Mai noch stärker belastet als ohnehin schon befürchtet.

Der japanische Leitindex Nikkei 225 +1,27% schloss 0,6 Prozent niedriger bei 22.455 Punkten. In Shanghai ging es für den CSI 300 mit den 300 wichtigsten Aktien der chinesischen Festlandbörsen zuletzt 0,2 Prozent nach unten und auch in Hongkong notierte der Hang Seng +2,54% leicht im Minus.


Corona-Krise
In Peking wurden 27 neue Corona-Infektionen nachgewiesen. Vier Infizierte meldete Pekings Nachbarprovinz Hebei, eine weitere lokale Erkrankung gab es nach offiziellen Angaben in der südwestchinesischen Provinz Sichuan. Zudem wurden landesweit acht "importierte Fälle" gemeldet, die bei Reisenden aus dem Ausland erkannt wurden. Nach dem Corona-Ausbruch auf einem Großmarkt in Peking wurde die chinesische Hauptstadt inzwischen teilweise abgeriegelt. "China war als erstes Land von Corona betroffen, jetzt hat China als erstes Land die zweite Welle", sagte Marktexperte Thomas Altmann von QC Partners. "Die Frage ist jetzt, ob diese zweite Welle auch vielen anderen Ländern bevorsteht."


Konjunkturdaten
Japan meldete in der Nacht seine Handelsbilanz. Die Corona-Pandemie hat demnach die japanischen Exporte im Mai noch stärker belastet als erwartet. Der Wert der Ausfuhren sank im Jahresvergleich um 28,3 Prozent auf 4,2 Billionen Yen (rund 35 Mrd. Euro). Damit fiel der Wert schlechter aus, als Experten prognostiziert hatten. Zudem beschleunigte sich der Rückgang bei den Exporten deutlich. Im März hatte das Minus bei den Ausfuhren noch knapp zwölf Prozent betragen und im April knapp 22 Prozent.

Automobilwerte könnten am Morgen auf die Kfz-Erstzulassungen im Mai reagieren (8 Uhr). Der Verbraucherpreisindex für die Eurozone folgt um 11 Uhr. Am Anleihemarkt schauen Investoren gegen 11.30 Uhr auf den Ausgang der Auktion 10-jähriger Bundesanleihen. Der OPEC-Monatsbericht um 13 Uhr dürfte am Ölmarkt verstärkt in den Fokus rücken. Aus den USA folgen um 14.30 Uhr die Baubeginne und Baugenehmigungen. Für 16.30 Uhr ist der wöchentliche Ölbericht des Energieministeriums angesetzt.


Hexensabbatt
Der Aktienhandel könnte aber auch weiter vom sogenannten großen Verfall geprägt sein. Denn heute laufen an den Derivatebörsen Terminkontrakte und Optionen auf die großen Börsenindizes und Aktien aus. Das führt zuvor nicht selten zu Kursausschläge an den Kassamärkten, die fundamental und nachrichtlich nicht zu begründen sind.


Unternehmens-News
Unter den Einzeltiteln könnten SAP -0,25%-Aktien das Interesse auf sich ziehen nach Quartalszahlen des Kontrahenten Oracle -1,98% vom Vorabend. Diese wertete Analyst Brad Zelnick von der Bank Credit Suisse recht positiv angesichts der belastenden Corona-Krise. Oracle-Aktien hatten nachbörslich um 2,5 Prozent zugelegt. SAP-Aktien zeigten sich auf Tradegate dagegen zunächst schwächer.
Papiere von Wirecard +1,12% fielen mit einem Plus von 1,3 Prozent im vorbörslichen Handel auf. Vorschusslorbeeren? Beim Durchleuchten der Bücher sind noch viele Fragen offen, und jetzt nimmt sogar die Staatsanwaltschaft das Gebaren der Vorstände unter die Lupe. Bevor der Konzern morgen endlich die mehrfach verschobene Bilanz für 2019 und die kompletten Zahlen für das erste Quartal 2020 vorlegt, erklimmt die Wirecard-Aktie auf Tradegate die 100-Euro-Marke.

RWE-Aktien +2,09% könnten indes von positiven Analystenkommentaren profitieren. Die Banken HSBC und Berenberg haben ihre Kursziele für den Energiekonzern nach oben gesetzt.

Beim Modekonzern Hugo Boss -2,59% steht die erfolgreich beendete Suche nach einem neuen Chef im Fokus. Bei Börsianern kommt der designierte Konzernlenker Daniel Grieder, der schon Tommy-Hilfiger-Chef war, gut an. Einige Analysten monieren aber, dass er sein Amt am 1. Juni 2021 antreten wird.


Merkel trifft Länder-Ministerpräsidenten
Nach drei Monaten mit Video- und Telefonkonferenzen treffen sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Bundesländer heute zum ersten Mal wieder im großen Kreis zu persönlichen Beratungen. Bei der Gesprächsrunde am Nachmittag im Kanzleramt soll es um das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie gehen, daneben aber auch um zahlreiche andere Themen.

So wollen die Länderchefs und die Kanzlerin über die weitere Umsetzung des von der großen Koalition vereinbarten Konjunkturprogramms beraten, über einen beschleunigten Ausbau der Mobilfunk-Netze, die Umsetzung des geplanten Ganztagsausbaus an Grundschulen oder die künftigen Beziehungen zu Großbritannien nach dem Brexit.