Nach dem EinbruchWarum Anleger jetzt auf Rohstoffe setzen müssen
Mittwoch, 19.02.2014, 14:28 · von FOCUS-Online-Experte Chris-Oliver Schickentanz

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Börse, Kupfer, Gold, Rohstoffe
dpa / Adrian Bradshaw Eine Kupfermine des britisch-australischen Unternehmens Rio Tinto in der Mongolei.
Rohstoffe machten Anlegern im vergangenen Jahr nur wenig Freunde. Ob Gold, Silber oder Kupfer - überall gaben die Preise deutlich nach. Doch für 2014 sind die Aussichten deutlich besser.
Rohstoffe waren DIE Enttäuschung des Jahres 2013. Nicht nur Gold und Silber legten eine Talfahrt sondergleichen mit teils dramatischen Preiseinbrüchen hin. Auch die industriell geprägten Rohstoffe mussten spürbar Federn lassen. Viele Anleger, die Rohstoffe zur Risikostreuung in ihr Depot beigemischt hatten, sind nun verunsichert und denken über einen Verkauf entsprechender Positionen nach. Aber das wäre meines Erachtens die falsche Entscheidung! Mit Blick auf das Kapitalmarktjahr 2014 besitzen Rohstoffe nämlich mit das größte Überraschungspotenzial. Um das zu verstehen, muss man die Treiber hinter den starken Preiseinbrüchen des vergangenen Jahres analysieren:
1. Verkäufe von Investoren: Längst sind Rohstoffe nicht mehr allein durch die physische Nachfrage getrieben. Die Finanzindustrie hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Produkte auf Rohstoffe aufgelegt. Dadurch sind die Geldströme der Anleger ein mindestens ebenso wichtiger Einflussfaktor. Beispiel Gold: Im turbulenten zweiten Quartal 2013 ist die physische Goldnachfrage robust gestiegen. Die Nachfrage aus der Schmuckindustrie, von Technologieunternehmen beziehungsweise nach Münzen und Barren legte kräftig zu und sorgte so im Vorjahresvergleich zu einer um 375 Tonnen höheren Goldnachfrage. Allerdings verkauften die Investoren im gleichen Zeitraum über 400 Tonnen mehr „Papiergold“. Auch die Notenbanken trennten sich angesichts der rekordhohen Preise von einzelnen Goldbeständen und sorgten mit zusätzlichen 90 Tonnen für Verkaufsdruck. Mittlerweile ist die spekulative Verkaufswelle abgeebbt. Die Spekulanten sind sogar für weiter fallende Preise positioniert. Damit reichen nun bereits kleine Positivüberraschungen aus, um den Preis deutlich nach oben zu treiben. Der Hebel bei einer einsetzenden Rohstoffpreiserholung ist also hoch.
2. Die Lagerbestände: Die weltweite Wachstumsbelebung hat sich bisher kaum in den Rohstoffpreisen niedergeschlagen. Ein Grund sind die bis dato hohen Lagerbestände. So wurde die zusätzliche Rohstoffnachfrage in vielen Ländern nicht am Weltmarkt eingedeckt, sondern aus den vorhandenen Lagern bedient. Mittlerweile mehren sich die Anzeichen dafür, dass die Lagerkorrektur ausläuft. China hat beispielsweise im Januar bereits 50 Prozent mehr Kupfer importiert als im gleichen Monat des Vorjahrs. Sicher: Die Vergleichsbasis ist im Januar nie besonders hoch. Und ein einzelner Monatswert macht noch keinen Trend. Trotzdem spricht dieser sprunghafte Importanstieg für ein Ende der aktuellen Lagerkorrektur.
3. Schwellenländerkrise: Viel wurde in den vergangenen Wochen über eine neue ernstzunehmende Krise in den Schwellenländern gesprochen. Für mich ist das Gerede darüber aber eher ein Sturm im Wasserglas. Denn die überwiegende Mehrzahl der Schwellenländer steht heute deutlich besser und robuster da als während der Asienkrise. Von daher halte ich nichts vom Schreckgespenst eines lang-anhaltenden Wachstumsabschwungs in den Emerging Markets. Auch wenn ich mit Blick auf die kommenden Jahre nicht zu den Optimisten für Länder wie China, Russland oder Brasilien gehöre: Knapp sieben Prozent Wirtschaftswachstum in China dürften bei weitem ausreichen, um die Rohstoffnachfrage anzukurbeln.
4. Die Angebotsseite: 2013 wurde das Rohstoffangebot durch verschiedene neue Projekte gut unterstützt. So gingen einige neue Minen an den Start. Gleichzeitig fielen die wetter- und streikbedingten Förderausfälle deutlich geringer aus als noch im Vorjahr. In Summe kamen somit 2013 mehr Rohstoffe auf den Markt als gedacht. 2014 dürfte sich das Bild allerdings ändern. Viele große Minenkonzerne konzentrieren sich nun auf eine ausreichende Cash Flow-Generierung und fahren Investitionen für neue Förderprojekte zurück. Entsprechend dürfte das Rohstoffangebot in den kommenden zwölf Monaten nur noch moderat steigen. Einzige Ausnahme ist Rohöl. Hier sprechen das US-amerikanische Fracking und die Lockerung der Fördersanktionen gegen Libyen für steigende Fördervolumina.

Fazit: Auch wenn die Rohstoffperformance in 2013 viele Nerven gekostet hat – aktuell ist der denkbar schlechteste Zeitpunkt die Reißleine zu ziehen. Der Goldpreis hat sich bereits wieder etwas erholt und den kurzfristigen Abwärtstrend verlassen. Damit ergeben sich hier Tradingchancen. Mittel- bis langfristig sind vor allem die industriell geprägten Rohstoffe interessant, wobei ich einen Schwerpunkt auf Kupfer setzen würde.
Über den Experten
Chris-Oliver Schickentanz ist Chief Investment Officer der Commerzbank AG. Als Gastkolumnist schreibt er seit Januar 2013 an dieser Stelle regelmäßig für FOCUS Online.
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