COT-REPORT
Kapitulation bei Gold und Silber - schlägt hier in Kürze die Stunde der Käufer?
gestern 13:27 • Finanzen100
Das aktuelle Verhalten der Anleger bei Aktien der Gold- und Silberproduzenten weist Züge einer Kapitulation auf. Das aktuelle Verhalten der Anleger bei Aktien der Gold- und Silberproduzenten weist Züge einer Kapitulation auf. (©dpa)
Der aktuelle Commitments of Traders Report der Commodity Future Trading Commission aus den USA ist insbesondere im Silber und im Öl der Sorte WTI von einer leichten Verbesserung der Terminmarktpositionierung geprägt. Doch auch neben dem Terminmarkt gibt es interessante Signale - vor allem bei Aktien der Gold- und Silberproduzenten - für antizyklische Anleger. Die Warnsignale für den US Dollar nehmen weiter zu, während der Aktienmarkt zurzeit vor Stärke trotzt.

Was sich seit Monaten aufgrund des Verhaltens der Commercials an der New Yorker Commodity Exchange angedeutet hatte, ist diese Woche letztlich passiert: Der Goldpreis ist dem Silberpreis und dem Nyse Arca Gold Bugs Index sowie dem Philadelphia Gold & Silver Index gefolgt und hat die wichtige Unterstützung im Bereich der Mehrjahrestiefs gerissen. Nachdem im Bereich des ehemaligen Unterstützungsniveaus von 1,250 US Dollar das Kaufinteresse spürbar abgeebbt war, fehlte den Bullen letztlich die Kraft, eine letzte Erholung bis in den Bereich von 1,300 US Dollar zu initiieren. Doch auch dieses Szenario wäre nur der Ausgangspunkt eines weiteren Abverkaufs unter die Mehrjahrestiefs gewesen. Bedingt durch die Tatsache, dass dies nicht gelungen ist, muss man der aktuellen Verkaufswelle eine bereits längere Dauer konstatieren. Sie dürfte bereits seit Mitte Juli und damit seit dreieinhalb Monaten laufen. Die Vorangegangene Verkaufswelle auf 1,180 US Dollar dauerte in etwa neun Monate.
Goldpreis (Spot) Goldpreis (Spot)
Analogie zu 2013 drängt sich auf und doch ist es diesmal anders
Ähnlich wie 2013 die 1.525 US Dollar, so hatte auch die 1,180 US Dollar dreimal gehalten und eine breite Beachtung im Markt gefunden. Eine solche Akzeptanz einer Unterstützungszone führt in der Regel zu einer Anhäufung von Stopp Loss Orders direkt unterhalb des Niveaus, sodass ein Unterschreiten häufig einen Kursrutsch auslöst. Doch dieses Mal scheint der Kursrutsch deutlich geringer auszufallen. Woran könnte das liegen und wie ist die aktuelle Gemengelage einzuschätzen?
Der Goldpreis sieht sich mit einer extrem starken Hausse des US Dollars konfrontiert, die Käufer physischer Bestände müssen zudem die Verkäufe der ETF-Anleger auffangen und zudem mit den gut laufenden Aktien und Anleihen konkurrieren. Hinzu kommen immer wieder Terminmarktverkäufe trendfolgend agierender Fonds. Diese Aktivitäten drücken den Preis teilweise ruckartig nach unten. Viele Fonds haben diese Absicherungen aber bereits vorgenommen und dürften gerade nach dem Abverkauf auch in eine Baissespekulation übergegangen sein. Hier besteht noch ein wenig, aber nicht mehr so viel Potential. Des Weiteren sind die Kleinspekulanten bereits seit über einem Monat nettoshort positioniert, was Ausdruck des schlechten Sentiments ist und zeigt, dass viele Kleinspekulanten bereits aus dem Markt gedrängt wurden. Zudem positionieren sich die Commercials seit einigen Wochen eindeutig mit Hinblick auf eine deutliche Korrektur im US Dollar Index, dessen Anstieg ein wesentlicher Grund für den Einbruch der Edelmetalle gewesen ist. Zudem war in dieser Handelswoche ein interessantes Verhalten bei den Aktien der Gold- und Silberproduzenten zu beobachten.
PHLX Gold & Silber (XAU) PHLX Gold & Silber (XAU)
Aktien der Minenunternehmen nähern sich Kaufniveaus
Obwohl Gold mit zwei bis drei Prozent am Tag deutliche Verluste hinnehmen musste, fielen diese Vergleichsweise gering gegenüber den Verlusten der meisten Minenunternehmen aus. Hier waren bei Major Produzenten wie Yamana Gold oder First Majestic Silver teilweise Verluste von 30 Prozent innerhalb von 48 Stunden zu verzeichnen. Selbst Royalty und Streaming Unternehmen wie Franco Nevada und Royal Gold, die sich monatelang stark gehalten hatten verloren mehr als 10 Prozent in zwei Tagen. Diese Reaktion wirkt deutlich überzogen hinsichtlich der geringen Verluste von Gold selbst. Ein Rückgang von 40 US Dollar im Gold rechtfertigt nicht den Verlust von 30 Prozent der Marktkapitalisierung eines etablierten Unternehmens in zwei Tagen. Zudem bei einem Unternehmen, welches bereits zuvor 70 Prozent unterhalb seines Allzeithochs notierte. Hier einige Charts von betroffenen Unternehmen zur Illustration:
First Majestic Silver First Majestic Silver
Yamana Gold Yamana Gold
Royal Gold Royal Gold
Die aktuellen Preisniveaus vieler Minenunternehmen nehmen also weitere starke Verluste im Goldpreis vorweg, sollten diese wider Erwarten schwächer ausfallen, so sind die Unternehmen unterbewertet. Dieses Verhalten zeigt eindeutig Züge einer Kapitulationsphase. Hier werden Verkäufe in Panik getätigt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Value Investoren - anders als die Trendfolger - auf dem aktuellen Niveu mit ersten Käufen bei ausgewählten Unternehmen beginnen. Diese Kapitulationsphase kann durchaus einige Zeit anhalten, es ist schier unmöglich deren Dauer einzuschätzen.
Silberpreis (Spot) Silberpreis (Spot)
USA-Chef von Sprott Asset Management empfahl bereits vor zwei Wochen, aus Explorern auszusteigen und in große Unternehmen zu investieren
Doch auch wenn jetzt die Zeit erster antizyklischer Käufe beginnen könnte, so gilt es sorgfältig auszuwählen. Rick Rule, USA-Chef von Sprott Asset Management, äußerte sich bereits vor zwei Wochen skeptisch gegenüber den Überlebenschancen einiger Explorer im aktuellen Marktumfeld und empfahl Privatanlegern daher, sich auf Unternehmen zu konzentrieren, bei denen man sich als Anleger absolut sicher sein könne, dass sie diese Phase überstehen könnten.
Investmentbanken beginnen mit Käufen im Silber
Die Swap Dealer, die bei 21.50 US Dollar im Sommer die Rallye mit ihrer rekordähnlichen Shortpositionen im Keim erstickt hatten, haben ihre Verkaufspositionen bereits zu einem großen Teil abgebaut und beginnen mit leichten Käufen. Das dürfte das Abwärtspotential für Silber vorerst etwas begrenzen. Interessant wird das Verhalten der Produzenten am Terminmarkt in den kommenden Wochen werden, da Silber jetzt unter den Produktionskosten der meisten Minenbetreiber handelt.
db S&P 500 db S&P 500
US-Indizes schon wieder auf Allzeithochs
Trotz des Endes von Quantitative Easing in den USA notieren die US-Indizes zum Monatsschluss auf Allzeithochs. Ein zyklisches Hoch unmittelbar nach Ende der quantitativen Lockerungsmaßnahmen der amerikanischen Notenbank waren jedoch auch in der Vergangenheit keine Seltenheit. Umso spannender wird der Jahresschluss. Die kommerziellen Händler tätigten jedenfalls im S&P 500 und im Nasdaq 100 Verkäufe und reduzierten damit ihre grundsätzlich durchaus bullische Positionierung der Vorwoche.
Die Commercials reduzierten im Ölpreis der Sorte WTI weiter ihre Nettoshortposition. Dennoch besteht hier noch Abwärtspotential.
Der US Dollar Index weist mit einem CoT-Indikator von 0.00 ein klares Verkaufssignal auf. Früher oder später dürfte es hier zu einer stärkeren Gegenbewegung kommen, die aufgrund der dann notwendigen Rückabwicklung von Carry Trades auf den Euro, Japanischen Yen und dem Britischen Pfund durchaus auch zu einer weiteren Verkaufswelle am Aktienmarkt führen könnte. Noch ist es aber nicht soweit. Anbei wie üblich die Nettopositionierung der kommerziellen Händler sowie der CoT-Indikator für drei Jahre.

Underlying |Commercials | COT-Indikator
Gold (- 98,864) 68.10*
Silber (14,155) 81.57
WTI (- 278,207) 57.83
US Dollar Index (-31,272) 0.00
S&P 500 (79,189) 65.44
Nasdaq100 (-8,462) 78,41

Von David Varga


* Anmerkung: Ein Wert von 68.10 bedeutet, dass die kommerziellen Hänlder nur in 31.90 % der Fälle bullischer für das Underlying positioniert waren. Werte über 80 deuten an, dass die Commercials das Preisniveau als günstig erachten. Bei Werten von unter 20 gehen diese hingegen von einer spekulativen Übertreibung aus und beurteilen das Niveau tendentiell als zu teuer. Dennoch sollten Handelsentscheidungen nicht alleine von diesen Werten abhängig gemacht werden, sondern immer technische Signale abgewartet und in die Entscheidung miteinbezogen werden.
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Name Kurs * in %
B2Gold 1,32 EUR -6,04%
Barrick Gold 9,51 EUR -3,55%
Britisches Pfund / US Dollar (GBP/USD) 1,5995 USD +0,03%
db Nasdaq 100 4.152,00 Punkte +1,29%
db S&P 500 2.015,50 Punkte +1,13%
Euro / US Dollar (EUR/USD) 1,2535 EUR -0,67%
First Majestic Silver 4,15 EUR -5,54%
Franco-Nevada 37,35 EUR -2,74%
Goldcorp 15,01 EUR +1,71%
Goldpreis (Spot) 1.172,05 USD -0,07%
Newmont Mining 15,03 EUR -7,28%
PHLX Gold & Silber (XAU) 64,88 Punkte -4,56%
Royal Gold 46,00 EUR -7,07%
Silberpreis (Spot) 16,16 USD +0,03%
US Dollar / Japanischer Yen (USD/JPY) 112,3100 JPY +0,02%
Yamana Gold 3,23 EUR -7,84%

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