„Alle Argumente für einen Goldpreisanstieg können jeden Tag in jeder Zeitung gelesen werden“ – doch Gold und Silber stehen weiter unter Druck. Wir sprachen mit Fondsmanager und Westgold-Gründer Martin Siegel über die Hintergründe und wie er es schafft mit seinen Fonds auch weiterhin eine Top-Performance zu erzielen.
Investor Magazin (IM): Herr Siegel, Sie beschäftigen sich fast schon Ihr gesamtes Leben lang mit Edelmetallen. Mit 10 Jahren haben Sie Ihr erstes Stück Silber gekauft. Wie kam es dazu und welchen Einfluss hatte dieses Ereignis auf Ihren weiteren Lebenslauf?

Martin Siegel (MS): Ich habe damals die steigenden Silberpreise im Wirtschaftsteil einer Zeitung entdeckt und bin auf den fahrenden Zug aufgesprungen. Es handelt sich allerdings um einen 10g Barren, der zur Geldanlage ungeeignet ist, den ich aber immer noch aufbewahre. Geprägt hat mich mehr der Kauf eines Kilobarrens, dessen Preis sich Ende 1979 innerhalb von sechs Wochen verdreifacht hat und den ich nach etwa 1 Jahre noch mit einem kleinen Gewinn verkaufen konnte.
IM: In Zeiten von geopolitischen Krisen sollte doch eigentlich Gold als sicherer Hafen für Anleger dienen. Dem ist aber nicht so. Was sind die Gründe dafür?
MS: Es ist absolut falsch, die Entwicklung des Goldpreises an geopolitischen Krisen festzumachen. Wenn dem so wäre, wären wir zwischen 1988 und 2001 praktisch krisenfrei gewesen, dagegen müsste es zwischen 2001 und 2011 zu einer massiven Häufung der Krisen gekommen sein. Die Entwicklung des Goldpreises ist viel mehr an die Entwicklung des Vertrauens der Anleger in das Papiergeld gekoppelt. Seit 2001 beobachten wir eine massive Verschlechterung der Geldpolitik der Zentralbanken und massive Vertrauenskrisen in das Finanzsystem. Immer wenn die Menschen das Vertrauen in das Papiergeld verlieren – wir sehen das aktuell wieder im Zusammenhang mit der Diskussion um negative Zinsen – steigt das Interesse für Gold stark an.
IM: Russland hat Medienberichten zufolge 55 Tonnen Gold im dritten Quartal gekauft. Auch China soll in den vergangenen Jahren erhebliche Mengen an Gold angehäuft haben, ohne dies offiziell auszuweisen. Sind das die ersten Hinweise darauf, dass in Teilen der Welt Währungsreformen bevorstehen?
MS: Fest steht, dass Papiergeldkreditsysteme regelmäßig kollabieren. Üblicherweise werden sie durch neue Papiergeldkreditsysteme ersetzt. Bis Gold in einem zukünftigen Weltwährungssystem eine wichtige Rolle spielen kann, muss das komplette gegenseitige Abhängigkeitssystem von Zentralbanken und ihren Verflechtungen mit den Investmentbanken und mit der Politik aufgelöst und durch solide Strukturen ersetzt werden. Gegenwärtig werden diese fatalen Strukturen mit der Finanzierung der Staatshaushalte durch die Zentralbanken, die massiven Gewinne der Investmentbanken wegen künstlich zu niedrigen Zinsen und Rückflüssen dieser Gewinne in die Politik (Parteien- und Wahlkampffinanzierung) aber sogar noch verfestigt. Langfristig ist ein weltweites Währungssystem mit einer soliden Grundlage, die Gold seit könnte nach einer massiven weltweiten Finanzkrise, die hoffentlich keine militärischen Alibiaktionen zur Folge hat, aber denkbar.
IM: Am 30. November soll in der Schweiz per Volksentscheid darüber abgestimmt werden, ob die Nationalbank in den nächsten fünf Jahren 1.500 Tonnen Gold kaufen soll. Aktuelle Umfrageergebnisse sagen ein Scheitern voraus. Welche Bedeutung könnte dieses Referendum für den Goldmarkt haben?
MS: Wenn der Volksentscheid positiv ausgehen sollte, würde sich das Bewusstsein, dass Gold eine Währung ist, in der Bevölkerung massiv verstärken. Der Druck auf andere Zentralbanken, ihre Goldbestände zu prüfen und zu kontrollieren oder ebenfalls zu erhöhen würde deutlich zunehmen. Da sich das oben bereits beschriebene Netzwerk aus Zentralbank, Investmentbanken und Politikern jedoch gegen jede Einschränkung ihres Einflussbereichs mit allen Mitteln wehrt, gehe ich aber ebenfalls davon aus, dass der Volksentscheid scheitern wird.
IM: Derzeit fehlen im Edelmetallmarkt die Impulse für höhere Preise. Sehen Sie Faktoren, die für höhere Notierungen sorgen könnten?
MS: Alle Argumente für einen Goldpreisanstieg können jeden Tag in jeder Zeitung gelesen werden: Staatsverschuldung auf Rekordhöhe, Finanzierung der Staatshaushalte durch Zentralbanken, Ausweitung der Bilanzen der Schattenbanken, Rekordvolumen von Derivaten, Rekordvolumen fauler Kredite, fehlendes Eigenkapital bei Investmentbanken. In einem Umfeld mit einem steigenden Goldpreis könnten sich die Journalisten jeden Tag eine neue Begründung aus den bereits vorhandenen Nachrichten aussuchen.
IM: Sie sind Gründer von Westgold, einem der größten deutschen Edelmetallhändler. Laut Ihrer Webseite sind einige Produkte ausverkauft. In wie weit machen sich die derzeit niedrigen Edelmetallpreise bemerkbar? Sehen Sie einen Anstieg der Verkaufszahlen?
MS: In den letzten Wochen hat sich das Verkaufsvolumen im Vergleich zum bisherigen Jahresverlauf beim Gold etwa verdreifacht und beim Silber verfünffacht. Noch wird der Markt gut versorgt und es gibt keine Engpässe bei den physischen Metallen. Allerdings kommt es bei ausgewählten Produkten zu kleineren Lieferverzögerungen, so dass die Produkte vorübergehend mit „ausverkauft“ bezeichnet werden.
IM: Ihre Fonds belegen aktuell Spitzenplätze bei der Jahresperformance. Nach welche Kriterien wählen Sie ihre Investments aus?
MS: Ich verfolge bei allen Fonds einen „best of class“ Ansatz und versuche nach fundamentalen Kriterien, die besten Aktien in der Klasse der Standardwerte, der mittelgroßen Produzenten und der Explorationswerte zu finden. Die oberste Priorität hat die absehbare solide finanzielle Entwicklung der Unternehmen. Zunehmend wichtig in schwachen Marktphasen ist auch die ausreichende Liquidität am Markt. Vor allem im Silberbereich gibt es relativ große Werte, die nur sehr wenig gehandelt werden.
IM: Auf der diesjährigen Edelmetallmesse haben wir uns ausführlich über ihre Toppositionen bei Ihren Fonds unterhalten. Ihre Meinung ist natürlich auch für unsere Leser hochinteressant. Bei welchen Titeln sehen Sie aktuell die größten Chancen und warum?
MS: Bei den Werten gibt es immer wieder Verschiebungen, die in den aktuellen Monatsberichten (Factsheets) auf der Homepage www.stabilitas-fonds.de veröffentlicht werden. Meistens resultieren die Verschiebungen aus der unterschiedlichen Aktienkursentwicklung und weniger aus Umschichtungen. Die Toppositionen sind mit wenigen Einschränkungen bei einzelnen Kriterien finanziell gut ausgestattet, haben die Aussicht auf eine solide finanzielle Entwicklung, sind in politisch stabilen Regionen aktiv, sind an der Börse ausreichend liquide und bieten ein überdurchschnittlich hohes Aktienkurspotential bei steigenden Edelmetallpreisen.
IM: Obwohl man sich nicht in eine Aktie verlieben sollte, hat dennoch jeder Anleger einen Lieblingswert. Welches Unternehmen ist das bei Ihnen?
MS: Ich liebe die gesunde Mischung von Chancen und Risiken aller Aktien in den Fonds. Mein Lieblingswert ist dabei jeden Tag neu derjenige, dessen Unterbewertung durch den größten Kursanstieg am besten ausgeglichen wurde.
IM: Neben Gold und Silber, welchen Rohstoff halten Sie derzeit noch für interessant?
MS: Derzeit halte ich keinen Rohstoff für interessanter als Gold und Silber.
IM: Wo sehen Sie den Gold- und Silberpreis am 30.06.2015?
MS: Den fairen Wert für Gold sehe ich aktuell bei 1.800 $/oz. Ich denke, dass Gold am 30.06.2015 dichter an dieser Marke stehen wird als heute. Da der Silbermarkt enger als der Goldmarkt ist und beide Metalle stark korrelieren, sollte der Silberpreis den Anstieg des Goldpreises outperformen.

Vielen Dank für das Interview.

Das Gespräch führte Chefredakteur Kai Hoffmann.

http://investor-magazin.de/2808kein-...martin-siegel/

Die Internationale Wirtschaftskrise weitet sich aus, besser als Papiergeld ...
Gold & Silber = STRONG BUY ;)