Sind die guten Zeiten für Deutschland vorbei? Wall-Street-Guru Byron prophezeit der deutschen Wirtschaft sehr schwierige Zeiten. (©iStockphoto.com/sborisov)
Überraschende Prognosen haben an der Wall Street Tradition. Auch Wall-Street-Veteran Byron Wien meldet sich dabei regelmäßig zu Wort. Für 2015 erwartet er einen Anstieg des S&P 500 um 15 Prozent und in Europa und insbesondere Deutschland eine tiefe Rezession.

Byron Wien hat seine 30. Jahresliste der zehn Überraschungen veröffentlicht. Der Vorsitzende der Beratungsdienst-Sparte von Blackstone hat 1986, damals noch als Chef der Strategischen Investments bei Morgan Stanley, begonnen, jeweils zum Jahresauftakt überraschende Vorhersagen zu Börse, Wirtschaft, gesellschaftlichen Entwicklungen und Finanzen zu veröffentlichen. Eigentlich keine Seltenheit an Wall Street, unzählige US-Experten gehen mit ihren mehr oder weniger überraschenden und fundierten Einschätzungen an die Öffentlichkeit. Doch Byron Wien liegt, so schreiben die Experten von Business Insider, weniger oft daneben als die meisten anderen Auguren – seine Aussagen zählen. Als ‘Überraschung‘ definiert Wien Entwicklungen, denen er selbst eine Eintritts-wahrscheinlichkeit von über 50 Prozent einräumt, während ihnen der durchschnittliche Investor nur eine Chance von 1:3 gibt. Hier seine Top Ten:

1. Die amerikanische Notenbank FED wird die kurzfristigen Zinsen weit vor Jahresmitte anheben

Auslöser werden verbesserte Arbeitsmarktdaten und ein starkes Bruttoinlandsprodukt sein. Das Timing ist allerdings schlecht, zu diesem Zeitpunkt wird bereits eine kurzfristige Abflachung des Wirtschaftswachstums zu spüren sein, die Börse wird nachgeben. Langfristige Staatsanleihen notieren unverändert, die Renditekurve wird sich abflachen.

2. Der Cyber-Terrorismus wird zunehmen

Hacker dringen in die Konten einer großen Bank ein. Die FED wird dem Institut alle Transaktionen für fünf Geschäftstage verbieten und die Buchhaltung überprüfen. Zahlreiche Ämter und staatliche Institutionen werden mit dem Fall befasst sein. Interessant dabei: Große Hacker-Angriffe spielen in einer Vielzahl überraschender Prognosen gerade in diesem Jahr eine wichtige Rolle. Offenbar nimmt die Wahrscheinlichkeit für einen umfassenden Cyber-Terrorismus zu.

3. Die Jahresend-Rally an den amerikanischen Aktienmärkten setzt sich auch in diesem Jahr fort

Die wachsende Wirtschaft, befeuert von dem sich weiter stabilisierenden Immobilienmarkt, zunehmenden Investitionen und steigenden Einkommen, wird den S&P 500 um 15 Prozent steigen lassen – mehr als die meisten anderen Börsen der restlichen Welt in diesem jahr zulegen können.


4. In Europa wird Mario Draghi den Aufkauf von Staats- und Unternehmensanleihen aggressiv vorantreiben...

... trotzdem wird Europa in eine tiefe Rezession fallen. Insbesondere Deutschland wird schwach, da die starken Exportrückgänge die gesamte Wirtschaft lähmen. Europas Politiker werden ihr einzig wirksames Mittel, um die Entwicklung aufzuhalten, nicht nutzen: Eine Erhöhung der Staatsausgaben. Die Börsen Europas werden sich rückwärts entwickeln und politisch gibt es auf dem alten Kontinent eine gefährliche Entwicklung in Richtung rechts.

5. In Japan wird sich die Rezession fortsetzen...

... obwohl Zentralbank und Politik steuerliche und finanzielle Anreize für mehr Konsum und Investition setzen. Die geplante Umsatzsteuererhöhung wird ausgesetzt, trotzdem bleibt der Nikkei 225 auf derzeitigem Stand, sein Gegenwert in Dollar sinkt.


6. China wird vermelden, dass es kein Wachstum von sieben Prozent mehr gibt

Selbst fünf Prozent werden nur schwierig zu erreichen sein. Die Wirtschaft wird vermehrt auf den heimischen Konsum ausgerichtet, weniger auf kreditbasierte Investments in staatliche Unternehmen und Infrastruktur. Infrastrukturmaßnahmen werden überwiegend zur Eindämmung der Luft-, Wasser- und Bodenverschmutzung ergriffen, der Bau von Straßen und Häusern gerät in den Hintergrund. Das Jobwachstum wird langsamer, was zu Protesten führen wird – ohne große gewalttätige Ausschreitungen.

7. Der Ölpreis sinkt unter 50 Dollar pro Barrel und bleibt dort

Russland trifft das hart. Ein Friedensvertrag mit der Ukraine wird vereinbart, der der Ostukraine weitgehende Autonomie und dem Rest des Landes Souveränität sichert. Putin wird versuchen, den Respekt der internationalen Gemeinschaft zurück zu gewinnen, doch die wirtschaftliche Lage im Land wird schlimmer. Das Volk wendet sich gegen ihn und Ende des Jahres tritt er zurück. Mitte des Jahres klettert der Ölpreis auf über 70 Dollar pro Barrel, da die Nachfrage der Emerging Markets nach dem schwarzen Gold weiter steigt.

8. Der Ölpreis-Verfall wirkt sich auf den Iran aus

Bisher konnte das Land die Auswirkungen der Sanktionen durch den Verkauf des Öls auffangen. Nun wird die Wirtschaft deutlich schwächer und die Verhandlungen zur nuklearen Abrüstung werden sensibler geführt. Auch das iranische Volk und die ganze Region möchten ein Ende der Entwicklung nuklearer Waffen und bekommen im Gegenzug mehr wirtschaftliche Möglichkeiten. Die Weltaktienmärkte reagieren kurzfristig mit Kurssprüngen auf die Einigung.

9. Junk Bonds sind eine Kaufgelegenheit

Ende 2014 sind die Kurse der Junk Bonds aufgrund des Ölpreisverfalls, in den Keller gerutscht. Das ist eine großartige Kaufgelegenheit. Der Spread zwischen Hochzinsanleihen und sicheren Staatspapieren wird sich halbieren. High-Yield-Bonds sind die renditestärksten Investments in Amerika und die US-Wirtschaft wird ungetrübt weiter wachsen.

10. Die US-Republikaner positionieren sich als die Partei, die in Washington etwas bewegen kann

Die umstrittene Keystone Pipeline zwischen Kanada und Amerika wird genehmigt, ebenso wie kleinere Steuererleichterungen und Veränderungen beim Einwanderungsgesetz. Die Republikaner stärken ihre Position für die Wahlen in 2016, indem sie die mexikanischen Wähler für sich gewinnen. Jeb Bush (John Ellis )wird ihr Kandidat.

Manche Vorhersage klingt abenteuerlich – wie treffsicher Byron Wien das Wirtschaftsjahr 2015 beschreibt, wird erst der Rückblick zeigen

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