SPÄTE EINSICHT
Fed räumt ein – Gelddrucken vergrößert die Kluft zwischen Arm und Reich
heute 08:17 • Finanzen100

Die Politik der US-Notenbank fördert die Umverteilung des Vermögens von Arm nach Reich. (©shutterstock.com/Tanarch)
Seit der Pleite von Lehman Brothers hat die US-Notenbank 3,6 Billionen Dollar gedruckt, um die Schuldenspirale in den USA am Laufen zu halten. Nun räumt die Fed ein, dass diese Politik die Ungleichheit zwischen Arm und Reich weiter vergrößere. Wer erwartet, dass die Fed aus dieser Erkenntnis die richtigen Schlüsse zieht, irrt sich aber gewaltig. Das wird die nächste Runde Gelddruckens, die viel schneller kommen könnte als Experten derzeit erwarten, unmissverständlich aufzeigen.

Alle Augen sind auf Janet Yellen gerichtet: Auf der am kommenden Mittwoch um 20.30 Uhr beginnenden Pressekonferenz nach der Sitzung der US-Notenbank dürfte Yellen einmal mehr erklären, dass eine deutliche Belebung der US-Konjunktur unmittelbar bevor stehe und die Fed deswegen schon bald die Zinsen anheben werde. Das Problem ist, dass die jüngsten Konjunkturdaten dieser Behauptung klar widersprechen. So waren die Einzelhandelsumsätze im Mai um lediglich ein Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Das war der niedrigste Wert seit Februar 2013. Das Wachstum der US-Industrieproduktion hat sich ebenfalls stark abgeschwächt. Sie lag im Mai um nur mehr 1,4 Prozent über dem Vorjahresniveau – das ist der geringste Zuwachs seit Januar 2010. Vor wenigen Monaten hatte das Plus noch bei rund fünf Prozent gelegen. Während viele US-Konjunkturdaten in den vergangenen Monaten abgeschmiert sind und inzwischen teilweise deutlich unter dem Vorjahresniveau liegen, was ein klares Zeichen für eine beginnende Rezession in den USA ist, wird Yellen am Mittwoch einmal mehr die Mär von der angeblichen Belebung der US-Wirtschaft verbreiten.

„Konsequenzen der Umverteilung sind nicht zu vermeiden“

Derweil hat die Notenbank von Philadelphia eine Studie vorgelegt, in der die Notenbank zu der Erkenntnis kommt, dass die Anleihenkaufprogramme die Kluft zwischen Arm und Reich vergrößern würden. „Die Geldpolitik, die derzeit von der US-Notenbank und anderen Notenbanken betrieben wird hat nicht die Absicht, einem Teil der Bevölkerung auf Kosten eines anderen zu bevorzugen, indem Einkommen und Vermögen umverteilt werden“, erklärte die Studie. „Allerdings ist es wahrscheinlich unmöglich die Konsequenzen der Umverteilung der Geldpolitik zu vermeiden.“ Manchen Experten dürfte es „schockieren“ zu hören, dass vom Kauf wertloser Papiere, um die Kurse in den Himmel zu treiben, das obere eine Prozent der Bevölkerung profitiert, das mehr Papiere besitzt als die anderen 99 Prozent zusammen.

Inflation ist gut für die Reichen

„Es könnte ebenso richtig sein, dass der Gewinn für die Gesellschaft durch die Stabilisierung der Gesamtwirtschaft größer ist, als die Einbußen durch die Umverteilungseffekte, in welchem Fall wir uns auf die Gesamteffekte konzentrieren könnten und die Umverteilungseffekte ignorieren“, so die Studie. Über derartige Sätze können normale Menschen nur ebenso den Kopf schütteln, wie über die anderen Aussagen der Fed. Man soll sich also auf die Gewinner fokussieren und über die Verlierer dieser Politik hinwegsehen. „Man könnte auch argumentieren, dass sich auf lange Sicht die Umverteilungseffekte der Geldpolitik ausgleichen. Mit anderen Worten: Wenn jene Haushalte, die von der Gelpolitik während einer Konjunkturerholung profitieren, im Fall von Rezessionen durch die Geldpolitik leiden, dann könnte sich im Zeitablauf der durchschnittliche Effekt ausgleichen.“ Damit räumt die Fed ein, dass in Zeiten von Konjunkturerholungen sich die Schere weiter öffnet, während in Rezessionszeiten die Ungleichheit geringer wird. Damit räumt die Fed gleichzeitig ein, dass die Reichen von Zeiten mit Inflation profitieren, wären die Armen von Zeiten der Deflation, also sinkenden Verbraucherpreisen, profitieren.

Die Fed verkürzt Rezessionszeiten künstlich

„Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sich die Umverteilungseffekte nicht ausgleichen, weil Konjunkturzyklen asymmetrisch sind – Konjunkturaufschwünge sind üblicherweise lange und moderat, während Rezessionen kurz und scharf sind.“ Und weshalb sind die Rezessionen kurz und scharf? Weil die Fed gigantische Mengen an Geld druckt, um für eine kurzfristige Scheinblüte der Wirtschaft zu sorgen und so die Schuldenspirale immer weiter am Laufen zu halten. Im Endeffekt ist niemand anderes als die Fed dafür verantwortlich, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht. Angesichts der miserablen Konjunkturdaten und eines Schuldenbergs von 59,05 Billionen Dollar für Staat, private Haushalte und Unternehmen – das sind horrende 335 Prozent der Wirtschaftsleistung – bleibt nur noch die Frage, wann die Fed die nächste Runde Gelddruckens starten wird. Sie wird viel früher kommen, als derzeit viele „Experten“ erwarten.

von Egmond Haidt
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