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Thema: Argentinienkrise

  1. #1
    Oesi
    Gast-Trader

    Argentinienkrise

    Weltbank - Argentiniens Krise könnte auf Region ausstrahlen

    Lima, 14. Jul (Reuters) - Die Finanzkrise in Argentinien könnte nach Auffassung der Weltbank
    "erhebliche Auswirkungen" auf die Region haben. Angesichts des Gewichts der argentinischen
    Wirtschaft könne die Krise sich erheblich auf Lateinamerika und die Karibik auswirken, sagte der für
    Lateinamerika und die Karibik zuständige Vizepräsident der Weltbank, David Ferranti, am Freitag in
    Lima. Er wisse aber nicht, wie groß die Auswirkungen sein könnten. Die Auszahlung der vereinbarten
    Weltbank-Kredite an das Land werde sich nicht verzögern. "Im Gegenteil, wir überprüfen, welche
    Wege uns offen stehen, um unsere Hilfe in einer Situation zu verstärken, die eindeutig schwierig ist",
    sagte Ferranti weiter.

    Die argentinische Regierung benötige Unterstützung, andernfalls gebe es keine Garantie, dass das
    Stabilisierungsprogramm Erfolg habe, fügte der Chefvolkswirt der Weltbank für Lateinamerika, Guillermo Perry hinzu.

    Argentinien ist die drittgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas und ist mit 128 Milliarden Dollar verschuldet. Präsident Fernando de la
    Rua hat einen strikten Sparkurs zur Bewältigung der Krise angekündigt. Wirtschaftsminister Domingo Cavallo will eine
    "Null-Defizit-Politik" fahren, wobei die Ausgaben die Einnahmen nicht mehr übersteigen dürfen. Die Börse in Buenos Aires, die in den
    vergangenen sieben Tagen fast 28 Prozent an Wert eingebüßt hatte, gewann im späten Handel knapp sechs Prozent.

    Die jüngste Krise hatte in dieser Woche an den Finanzmärkten Südamerikas eine Verkaufswelle ausgelöst. Auslöser war der Verkauf
    von argentinischen Staatsanleihen, bei dem Argentinien wegen der Furcht der Investoren vor einer möglichen Zahlungsunfähigkeit des
    Landes die höchsten Zinsen seit 1996 zahlen musste.
    chg/frs

  2. #2
    hm
    Gast-Trader
    Unruhe an den Märkten über
    Argentinien

    Gefahr einer globalen Ausweitung der
    Finanzkrise?

    Die Finanzkrise in Argentinien ist plötzlich in das
    Bewusstsein der internationalen Kapitalmärkte
    gedrungen. Zudem erinnert man sich der
    wirtschaftlichen Probleme in Asien und des auf
    Bereichen der neuen Wirtschaft lastenden Drucks.
    Zunehmend wird an den Märkten diskutiert, ob
    und in welchem Ausmass Ansteckungsgefahren
    für andere Länder, Regionen und Märkte bestehen
    und ob eine globale Krise droht.

    Ug. London, 15. Juli

    An den internationalen Kapitalmärkten hatte bisher
    weder die Schwäche der Weltwirtschaft zu grösserer
    Aufregung geführt noch der Absturz der Aktienkurse von
    Firmen, die zur «Neuen Wirtschaft» gerechnet werden.
    Eine der Erklärungen für die geringe Beunruhigung war
    das Fehlen von Anzeichen einer internationalen
    Finanzkrise. Doch in den letzten Tagen hat sich die
    Stimmung geändert, da die bisher wenig beachteten
    Finanzprobleme Argentiniens akut geworden sind und zu
    Befürchtungen geführt haben, andere
    lateinamerikanische Länder, insbesondere Brasilien,
    sowie asiatische und auch osteuropäische Staaten
    könnten angesteckt werden. Eine globale Infektion wird
    von Marktanalytikern zwar nicht vollständig
    ausgeschlossen. Doch beispielsweise die Investmentbank
    Credit Suisse First Boston hält kurzfristige Friktionen für
    wahrscheinlicher. Zu einer globalen Krise könne es nur
    kommen, wenn Investoren im Ungewissen sind, ob
    andere Anleger durch Verluste in einer Region anderswo
    zu Notverkäufen gezwungen sind. Vorläufig ist die
    Flächenwirkung der argentinischen Probleme noch
    begrenzt. Zwar stiegen die laufenden Renditen von
    Anleihen von Schuldnern aus aufstrebenden Ländern in
    der letzten Woche kräftig, wie der Emerging Markets
    Bond Index Plus (EMBI+) von J. P. Morgan zeigt. Doch
    rund zwei Drittel davon waren auf argentinische Papiere
    zurückzuführen. Ein Teil des Restes dürfte nicht
    Ansteckungseffekte, sondern eigenständige Probleme in
    Asien widerspiegeln.

    Stimmungswechsel bei Anlegern

    Die neue Beunruhigung um Schuldner aus aufstrebenden
    Märkten kontrastiert mit Befürchtungen vor einigen
    Monaten, als der Telekomsektor auf Grund der hohen
    Verschuldung als mögliche Quelle der nächsten
    Finanzkrise galt. Doch seit einigen Wochen sinkt der
    durchschnittliche «Spread» von Anleihen grosser
    Telekomkonzerne, was als eine Reaktion auf die wieder
    striktere Finanzkontrolle durch das Management erklärt
    werden kann. Allerdings warnt die Credit Suisse First
    Boston, dass die nach wie vor hohe Verschuldung zu
    einem Problem werden kann, wenn die UMTS-Lizenzen
    nicht den erwarteten Cashflow produzieren. Grösseren
    Risiken ausgesetzt sind die kleineren
    Telekomgesellschaften, die sich auf die nur langsam in
    Schwung kommende Breitbandübermittlung spezialisiert
    haben. Auch Telekomausrüster, deren «Vendor
    Financing» insgesamt 18 Mrd. $ übersteigt, sind
    gefährdet, da oft finanziell schwächere Abnehmer in den
    Genuss der Finanzierung gekommen waren.
    Grundsätzlich sind die Strategen der Bank aber
    zuversichtlich, dass vom Telekomsektor keine ernste
    Bedrohung des Finanzsystems oder der globalen
    Konjunktur ausgehen werde, da die am meisten
    gefährdeten Unternehmen zu klein sind, um nachhaltige
    Friktionen zu verursachen, und Grosskonzerne mit der
    Kapitalrestrukturierung bereits begonnen haben.

    Finanzkrisen in aufstrebenden Ländern bedeuten nicht
    nur für «Emerging Markets»-Anleger schlechte
    Nachrichten. Auch Unternehmensanleihen können
    gefährdet sein. Gemäss Marktanalytiker haben einige
    Telekomanleihen bereits mit einer Ausweitung des
    «Spread» reagiert. Unmittelbar betroffen sind Anleihen
    von Telekombetreibern, die in Lateinamerika vertreten
    sind, z. B. die Dollarpapiere der spanischen Telefónica.
    Aber auch andere Länder können Schatten werfen, wie
    sich an der Rückstufung des «Credit Rating» der
    finnischen Sonera auf «BBB» gezeigt hat, welche
    teilweise auf die Beteiligung an der türkischen
    Mobilfunkgesellschaft Turkcell zurückzuführen ist.
    Kommentatoren schliessen nicht aus, dass andere
    Branchen in den Sog von Finanzkrisen in aufstrebenden
    Märkten geraten könnten. Das US-Wertpapierhaus Bear
    Stearns weist z. B. auf europäische Autokonzerne mit
    grosser Präsenz in aufstrebenden Märkten hin.
    Unternehmen der Auto- und Telekombranchen gehörten
    in letzter Zeit zu den wichtigsten Emittenten von
    Unternehmensanleihen.

    Zwar ist bisher keine panikartige Flucht von Anlegern in
    Regierungspapiere zu erkennen, doch beunruhigte
    Marktteilnehmer haben sich wieder an deren relative
    Sicherheit erinnert. Während der letzten sechs Monate
    waren Unternehmensanleihen in der Gunst des Marktes
    gestanden, da sie besser abschnitten als Staatspapiere.
    Gemessen am Reuters Corporate Bond Index (Corptop)
    rentierten Unternehmensanleihen in Euro 3,7%, während
    europäische Regierungsanleihen laut dem Index von
    Salomon Smith Barney 1,7% abwarfen. Noch attraktiver
    waren Unternehmensanleihen im Vergleich zu Aktien -
    und zwar nicht nur im letzten Halbjahr. Ein von der
    Investmentbank Barclays Capital berechneter Index der
    20 wichtigsten Aktien weist einen stark negativen Trend
    auf - er ist in den letzten 15 Monaten von 120 Punkten
    auf unter 70 Punkte gefallen -, und der Index der sieben
    wichtigsten Telekomaktien hat sich bei hoher Volatilität
    sogar mehr als halbiert. Über die an den Kreditmärkten
    plötzlich entstandene Sensibilität ist Gary Jenkins von
    Barclays Capital etwas überrascht, da die
    Finanzprobleme Argentiniens - oder der Türkei - weder
    eine Neuigkeit noch in der Grössenordnung der
    Russland-Krise seien. Wirklich beunruhigend wäre aber
    eine Kombination von negativen Einflüssen - wenn die
    argentinischen Probleme durch Schwierigkeiten anderer
    Länder oder ganzer Unternehmenssektoren verstärkt
    würden. In diesem Fall erwartet er eine Umschichtung
    der Anlegernachfrage und eine Flucht in die Qualität von
    vorrangigen Papieren von Finanzinstituten.

    Erstklassige Schuldner profitieren

    Von der zusätzlichen Nachfrage nach Anleihen
    erstklassiger Schuldner profitierten in den letzten Tagen
    die US-Kreditinstitute Freddie Mac und Fannie Mae, deren
    Globalanleihen zunehmend als Ersatz von
    Regierungsanleihen gelten. Auch die KfW strebt an, ihre
    Euro-Bonds als Substitut von europäischen
    Regierungsanleihen im Markt zu verankern. Ihre neue
    Anleihe über 5 Mrd. Euro hatte einen engeren «Spread»
    als ihre letzte «Benchmark»-Emission und wurde in
    Marktkreisen als Erfolg angesehen. Aber es wurden auch
    neue Unternehmensanleihen angeboten. Die Schweizer
    Pharmagruppe Roche legte eine
    Nullcoupon-Wandelanleihe auf, die Refinanzierungs-
    Zwecken dient (Lead Manager: Merrill Lynch). Auch der
    Ertrag der Wandelanleihe der South African Breweries
    wird für die Refinanzierung von bestehendem
    Fremdkapital verwendet (J. P. Morgan). Fest verzinste
    Dollarbonds bot der Pharmakonzern Eli Lilly an.
    Hervorzuheben sind auch die Euro-Anleihen der Robert
    Bosch (Deutsche Bank) und der französischen Carrefour
    (SG). In Sterling legte National Grid einen dreiteiligen
    Langläufer auf (Morgan Stanley).

    16. Juli 2001 NZZ

  3. #3
    hm
    Gast-Trader
    Argentinien als Herd der «Tango-Krise»

    R. F. L. Buenos Aires, 15. Juli

    Das Debakel um Argentinien hat eine weitere
    dramatische Woche verzeichnet, in deren Verlauf der
    repräsentative Merval-Index nochmals 11% einbüsste
    (seit Jahresbeginn: 21%), die argentinischen Anleihen
    weiter an Wert verloren, die Rating-Agenturen die Bonität
    argentinischer Wertpapiere weiter zurück stuften und die
    Risikoprämie des Landes zum Wochenende auf 1616
    Punkte stieg. Gleichwohl: Weil die liquiden Reserven der
    Zentralbank (mehr als 20 Mrd. $) den Geldumlauf
    (14 Mrd. $) weit übersteigen, scheint das
    Konversionssystem nicht in Gefahr; aus diesem Grunde
    halten sich bisher Devisenabfluss und Depositenabzüge
    in engen Grenzen.

    Im Präsidentenpalast wie im argentinischen
    Wirtschaftsministerium arbeitete man in den letzten
    Tagen an weiteren Einsparungs- und
    Finanzierungsvorschlägen. Doch die zentrale Frage des
    Sanierungsprojektes blieb ungelöst, nämlich seine
    politische Stützung durch die Regierungs- und
    Oppositionsparteien, das Parlament und die
    Provinzgouverneure. Anzeichen eines entsprechenden
    politischen Schulterschlusses verhalfen dem Aktienmarkt
    am Freitag zu einer gewissen Erholung. Doch der
    Samstag brachte keine Bestätigung eines tragfähigen
    Konsenses. Die oppositionellen Peronisten ebenso wie die
    Provinzgouverneure wollen eine Unterstützung des
    Programms erst ins Auge fassen, wenn sich die
    Regierungskoalition mit den Massnahmen der Regierung
    in vollem Umfang identifiziert hat. Das ist bisher nicht
    geschehen: Bei den Radikalen (UCR) stellt sich der Flügel
    um den Ex-Präsidenten Raúl Alfonsín gegen das
    Sparprogramm in seiner heutigen Form; der linkslastige
    Frepaso, Partner der UCR im Regierungslager, macht
    ideologische Gründe geltend. Ohne Einigkeit im
    Regierungslager ist nächste Woche an den
    Finanzmärkten Böses zu erwarten.

    Im Nachbarland Brasilien vermochte sich der
    Börsenindex von São Paulo leicht um 1,2% zu festigen.
    Doch diese Entwicklung, die vor allem die innere Stärke
    der brasilianischen Spitzen- und Grossbetriebe
    widerspiegelte, verblasste neben der fortgesetzten
    Talfahrt des Real, dessen Kurs gegenüber dem US-Dollar
    im Wochenverlauf weiter von 2.44 auf 2.59 Reais
    anstieg. Gegen die sich aus den Real-Abwertungen
    ergebende Inflationsgefahr wehrt sich die Zentralbank
    mit Zinserhöhungen. Der Kampf gegen die Entwertung
    der Währung soll Brasilien bisher über 1 Mrd. $ in
    Devisenmarktinterventionen gekostet haben; dabei
    liegen die Reserven bei 36 Mrd. $. Gerüchte besagen,
    dass Brasilien für den Fall einer Zahlungsunfähigkeit
    Argentiniens Massnahmen vorbereite.

    Auch die uruguayische Zentralbank tätigt Dollarverkäufe
    - angeblich innerhalb von 7 Handelstagen für mehr als
    100 Mio. $ -, um ein Ausbrechen des Pesos aus dem
    Floating-Band zu verhindern. Die Zentralbankreserven
    des Landes bewegen sich zwar bei 2,7 Mrd. $; man
    befürchtet aber, dass die Lage in Argentinien die fragile
    lokale Konjunkturerholung zunichte machen könnte. - Die
    chilenische Währung schwächt sich wegen des Malaises
    beim Nachbarn im Osten ebenfalls laufend ab; seit
    Jahresbeginn ist der Dollarwert des Pesos um ungefähr
    17% gefallen. Abschirmende Zinserhöhungen der
    Zentralbank in Santiago werden als durchaus möglich
    erachtet. Im Übrigen belaufen sich die chilenischen
    Direktinvestitionen im krisengezeichneten Nachbarland
    auf etwa 5 Mrd. $. NZZ

  4. #4
    hm
    Gast-Trader
    Abgeschwächter «Tango-Effekt» in
    Mexiko

    Reduziertes Länderrisiko

    bau. Mexiko, 13. Juli

    Die Schockwellen aus Argentinien haben Mexiko nur in
    abgeschwächter Form erreicht. Nachdem sich der
    mexikanische Finanzmarkt bis Mitte letzter Woche
    praktisch immun gegenüber früheren Verwerfungen am
    Río de la Plata und anderen Krisen in aufstrebenden
    Märkten, etwa in Brasilien oder der Türkei, gezeigt hatte,
    meinte ein hiesiger Investmentbanker stolz, Tango
    tanzen sei nicht die Art der Mexikaner. Am Mittwoch
    reagierte der mexikanische Börsenindex IPC erstmals
    auf das argentinische Schlamassel und fiel um 2,2%. Am
    Donnerstag gab die Börse um bescheidene 1,4% nach,
    während Buenos Aires Kursstürze von 4,9
    beziehungsweise 8,6% hinnehmen musste. Am Freitag
    verzeichnete der IPC einen weiteren (kleinen) Rückgang
    von 0,3% gegenüber dem Vortag. Dass es Mexiko
    gelungen ist, sich weitgehend von den Ereignissen im
    südlichen Teil des Kontinents abzukoppeln, zeigt die
    Entwicklung der Börse seit Jahresbeginn. Der
    mexikanische IPC nahm um 14,1% zu, während der
    argentinische Merval um 20,9% und der brasilianische
    Bovespa um 7,7% zurückging.

    Prononcierter als die Börse geriet der mexikanische Peso
    in den Strudel des südamerikanischen Aufruhrs. Offenbar
    lösten nervös gewordene ausländische Investoren
    Positionen in Pesos auf und flüchteten zurück in den
    Dollar. Vor Wochenfrist wurden 9,1 Pesos pro $
    gehandelt. Nach drei unruhigen Handelstagen schloss die
    frei floatende Landeswährung am Freitag bei P 9.35 pro
    Dollar; ein Kursverlust von 2,7% innert sechs Tagen.
    Ganz im Unterschied zu anderen lateinamerikanischen
    Währungen befindet sich der Peso in ungewohnt robuster
    Verfassung, was die Mexikaner veranlasst, von einem
    «Superpeso» zu sprechen. Auch nach dem Wertverlust
    der vergangenen Woche verzeichnet die mexikanische
    Landeswährung seit Jahresbeginn eine Aufwertung um
    3%. Im gleichen Zeitraum verloren der brasilianische
    Real 24% und der chilenische Peso 14%.

    Für die Aufwertung des Peso machen Händler den
    starken Zufluss von ausländischem Kurzfristkapital nach
    Mexiko während der ersten Monate des Jahres
    verantwortlich. Dank günstigen Zinsverhältnissen und
    stabilem Wirtschaftshorizont flossen im ersten Quartal
    knapp 8.3 Mrd. $ ins Land, 2 Mrd. $ mehr als während
    der ersten drei Monate des Vorjahres. Die
    Devisenreserven der mexikanischen Zentralbank
    nehmen kontinuierlich zu und stehen zurzeit bei rund
    40 Mrd. $. Damit lassen sich die kurzfristigen
    Verpflichtungen - auch im Falle eines überstürzten
    Abzugs von Auslandskapital - problemlos verkraften.
    Laut Analytikern haben die Schreckensszenarios in
    Argentinien und zuvor in Brasilien positive Auswirkungen
    für den mexikanischen Finanzmarkt gezeitigt. Kapital,
    das Anlagemöglichkeiten in aufstrebenden Märkten sucht,
    floss in Richtung Mexiko, weil man hier ein wesentlich
    kleineres Länderrisiko ortete. Diese Einschätzung spiegelt
    sich im Index für festverzinsliche Werte in aufstrebenden
    Märkten von J. P. Morgan. Während das Länderrisiko für
    Argentinien gegenwärtig mit 1519 Punkten über den
    Treasury Bonds angegeben wird, beträgt der
    Zinsaufpreis für ähnliche mexikanische Papiere lediglich
    364 Basispunkte. NZZ

  5. #5
    Herr Bert
    Gast-Trader
    Droht eine Katastrophe?

    Über Argentinien ziehen immer mehr dunkle Wolken auf.
    Die Finanzkrise des Landes hat bedrohliche Formen
    angenommen. Einige Analysten sprechen sogar vom
    bevorstehenden Kollaps des Landes.

    Seit drei Jahren befindet sich Argentinien in der
    Rezession. Der Staat ist die drittgrößte Volkswirtschaft
    Lateinamerikas und mit 128 Milliarden Dollar verschuldet.
    Das ist rund die Hälfte der gesamten Wirtschaftsleistung
    des Landes. Um zu retten, was noch zu retten ist, hat
    Präsident de la Ruá Argentinien ein striktes
    Sparprogramm verordnet. Dies droht nun zu scheitern, da
    die Gewerkschaften Kürzungen bei Pensionen und
    Gehältern nicht hinnehmen wollen und massive Streiks
    angekündigt haben.

    Aber Argentinien ist nicht das einzige Land, das derzeit
    ernsthafte Probleme hat. Die Türkei war im Februar in die
    zweite Finanzkrise innerhalb weniger Monate gerutscht -
    und hat sich davon bis heute nicht richtig erholt.

    Argentinien und die Türkei drohen nun, andere
    Schwellenmärkte mit in die Krise zu ziehen. Besonders
    betroffen von den Schwierigkeiten in Argentinien ist
    Brasilien. Die Landeswährung Real hat seit Jahresbeginn
    30 Prozent zum Dollar abgewertet. Die Inflationsrate ist
    derart bedenklich, dass die Notenbank vor wenigen Tagen
    erneut den Leitzins angehoben hat. Experten rechnen für
    dieses Jahr mit einem stark rückläufigen Wachstum. In
    Europa sind vor allem Polen und Ungarn unter die Räder
    gekommen.

    Westliche Unternehmen leiden Vor allem die weltweite Abschwächung der Konjunktur
    macht den Schwellenländern zu schaffen. Denn der
    Großteil dieser Staaten ist auf den Export in die reiferen
    Märkte angewiesen. Hinzu kommt die Angst der
    Finanzanleger: Nachdem sich viele an Technologieaktien
    die Finger verbrannt haben, haben sie keine große Lust
    mehr auf hohes Risiko und ziehen ihr Geld bei
    wachsenden Anzeichen einer ernstzunehmenden Krise
    aus den Emerging Markets ab.

    An den Problemen in Argentinien, Türkei und Co. leiden
    auch westliche Unternehmen. "Vor allem die Banken
    könnten Schwierigkeiten bekommen", erklärt Christian
    Obermaier, Experte bei der Raiffeisen Zentralbank in
    Österreich, im Gespräch mit Stock-World. Die
    amerikanische Citigroup [NYSE: C Kurs/Chart ], die
    spanischen BSCH [ Kurs/Chart ] und BBVA [ Kurs/Chart ]
    sind in Argentinien positioniert. Branchenkenner gehen
    davon aus, dass auch in den Bilanzen der deutschen
    Kreditinstitute noch die ein oder andere negative
    Überraschung auftauchen könnte.

    Grund zur Sorge haben auch die Autokonzerne
    Volkswagen [ Kurs/Chart ] und General Motors [NYSE:
    GM Kurs/Chart ] , so die Analysten von der Raiffeisen
    Zentralbank. Auf dem Parket machten zudem Gerüchte
    die Runde, dass die spanische Telefonica [ Kurs/Chart ]
    wegen der Probleme in Südamerika kurz vor einer
    Gewinnwarnung stehen würde.

    Angesichts der sich abzeichnenden Katastrophe in
    Argentinien kommen bei vielen Anlegern wieder böse
    Erinnerungen an die Emerging Markets Krise von 1998
    hoch. Damals lösten die Turbulenzen in Russland, Asien
    und Lateinamerika ein weltweites Börsenbeben aus, dass
    aber nur kurze zeit andauerte. Nur der Unterschied zu
    damals: 1998 war die Weltkonjunktur stabiler als 2001.

    Fondsmanager Dominic Rossi über die
    Argentinienkrise (Das Interview ist ein Auszug aus dem aktuellen
    Fondsreport, den sie hier abonnieren können)

    Stock-World befragte zum Thema Argentinien den
    bekannten Emerging Markets Fondsmanager Dominic
    Rossi von Threadneedle Investments. Zusammen mit
    einem erfahren Team managt Rossi den Threadneedle
    Latin America Groth. Der Fonds erhielt jüngst von
    Standards & Poor's das AA-Rating

    Stock-World: Die Finanzkrise in Argentinien spitzt sich
    derzeit dramatisch zu. Wie schlimm ist die Situation in
    Argentinien aus Ihrer Sicht?

    Dominic Rossi: Argentinien ist in einer prekären
    Situation. Das Land muss Ausgaben kürzen und das
    Wachstum anregen, wenn es seine Schulden tilgen will.
    Was nicht vergessen werden darf ist, dass Argentinien
    nur einen kleinen Teil Lateinamerikas ausmacht. Zentral
    ist für uns der Effekt auf Brasilien. In den letzten Jahren
    hat Brasilien einige fiskalische Reformen umgesetzt, was
    die Situation verbessert hat. Der Markt ist nun günstig
    notiert und wir haben die Gelegenheit genutzt und in
    einige brasilianische Werte investiert.

    Stock-World: Besteht die Gefahr eines Übergreifens auf
    andere Schwellenländer?

    Dominic Rossi: Wir glauben, dass die
    Ansteckungsgefahr von Argentinien aus begrenzt ist. Es
    ist ein klar vorhergesehenes Ereignis und die schlechten
    Nachrichten sind bereits weitestgehend in den
    Einzelkursen eingepreist.

    Stock-World: Befürchten Sie Auswirkungen für die
    westlichen Märkte?

    Dominic Rossi: Nein, wir erwarten keinen wirklich
    dramatischen Effekt auf die westlichen Märkte.

    Stock-World: Welche europäischen oder
    US-amerikanischen Unternehmen sind besonders von der
    schlechten Lage betroffen?

    Dominic Rossi: Sollte sich die Situation in Argentinien
    weiter verschlechtern, wird dies gewiss Auswirkungen auf
    eine Reihe von europäischen Unternehmen, die dort
    investieren, haben. Da dies jedoch nur einen kleinen Teil
    ihrer internationalen Operationen betrifft, werden die
    jeweiligen Aktienkurse wenig beeinträchtigt. stock-world

  6. #6
    Zeus
    Gast-Trader
    Vergeudete Woche in Argentinien

    Gespenster am Wiedererwachen?

    Erst mit einwöchiger Verspätung und nach
    eindringlichen Appellen der Regierung wird der
    Senat am heutigen Sonntag die
    Null-Defizit-Gesetzesvorlage behandeln, deren
    Annahme als Voraussetzung der
    Krisenbewältigung gilt. Im Schatten der Krise
    regen sich extremistische Kräfte, die man schon
    überwunden zu haben glaubte. Aus Barcelona hat
    sich der Anführer der «Montoneros-Terroristen»
    zu Wort gemeldet.

    R. F. L. Buenos Aires, 29. Juli

    Am Samstag vor acht Tagen verabschiedete die
    Abgeordnetenkammer des argentinischen
    Parlaments die Null-Defizit-Vorlage, die der
    Finanzkrise des Landes ein Ende setzen und den
    Staat vor der Zahlungsunfähigkeit bewahren soll.
    Man erwartete, dass auch der Senat innerhalb von
    zwei, drei Tagen den Gesetzesentwurf annehmen
    werde. Doch die zweite Kammer, in der die
    peronistische (justizialistische) Opposition eine
    Mehrheit aufweist, lehnte trotz dem Druck der
    Regierung sowie diverser Wirtschaftskreise eine
    rasche Behandlung der Vorlage ab und drohte mit
    substanziellen Änderungsvorschlägen, die
    gegebenenfalls eine Neubehandlung der
    Reformvorlage im Abgeordnetenhaus erforderlich
    gemacht hätten.

    Abwartender Senat

    Die unerwartete Haltung des oppositionell
    beherrschten Senats - dazu noch zu einem
    Zeitpunkt, da Washington wie der internationale
    Währungsfonds ihre anfängliche Zurückhaltung
    gegenüber Buenos Aires aufgegeben und die
    Bereitschaft zu einem eventuellen Beistand
    zumindest indirekt bekundet hatten - entsprang
    nicht etwa dem Willen zur Obstruktion um jeden
    Preis. Die Peronisten im Senat vertraten vielmehr
    die legitime Ansicht, sich in einer politisch heiklen
    Frage, wie es Sparmassnahmen nun einmal sind,
    nur unter der Voraussetzung exponieren zu
    können, dass die Regierungspartei selber das
    Projekt vereint stützt. Und dies war nicht der Fall.

    Verspätete «patriotische Anleihe»

    Erst vor dem Wochenende scheint das Eis
    gebrochen zu sein - infolge eindringlicher Appelle
    des Präsidenten, des indirekten ausländischen
    Drucks (ausländische qualifizierte Beobachter sehen
    im Null-Defizit-Projekt den einzigen Ausweg aus der
    Krise) und der Gefahr einer baldigen
    Zahlungsunfähigkeit des Landes. Wie dem auch sei:
    Zur Zeit der Durchgabe dieses Berichts beginnt der
    Senat die Debatte zwecks Verabschiedung der
    Null-Defizit-Vorlage. Doch eine volle Woche, die
    vergeudet worden ist, hat unliebsame Spuren
    hinterlassen: Die Aktienkurse sind um weitere 3,4%
    gefallen und um knapp 20% im gesamten Monat
    Juli. Die argentinischen Dollaranleihen weisen seit
    Monatsbeginn eine Abschwächung in ähnlicher
    Höhe auf; das Investitionsrisiko stieg wieder an,
    und die «Patriotische Anleihe» der privaten
    Wirtschaft, die dem Budget 1 Mrd. $ an Kassenhilfe
    in Form von Steuervorauszahlungen sichern sollte,
    verspätet sich.

    Dabei gibt es gleichzeitig keinen Mangel an
    positiven Massnahmen, um den Sparwillen im
    politischen Bereich durchzusetzen: So etwa sind die
    Gehälter der Minister und der leitenden
    Staatsbeamten herabgesetzt worden, und in der
    Provinz Córdoba hat man nach einer rasch
    organisierten Volksabstimmung gesetzlich verfügt,
    über eine Verfassungsänderung das
    Zwei-Kammer-Provinzparlament in ein
    Ein-Kammer-Parlament umzuwandeln, mit 70 statt
    133 Parlamentariern.

    «Piqueteros» im Einsatz

    Die Senatoren sind vor einigen Tagen durch
    streikende Gewerkschafter im Parlamentsgebäude
    in ihrer Arbeit behindert worden: eines der in
    diesen Tagen nicht eben spärlichen Zeichen, dass
    das Chaos zunimmt. In seinem Schlagschatten
    regen sich Kräfte, die schon seit vielen Jahren als
    definitiv überwunden galten. Da sind vor allem die
    sogenannten «Piqueteros», die in den vergangenen
    Wochen in fernen Provinzen wie im Dunstkreis der
    Hauptstadt für Angst und Unruhe sorgten und nicht
    wenig Schaden verursachten, indem sie
    Strassensperren errichteten und den
    Personenverkehr wie den Warentransport
    stellenweise unter Gewaltanwendung
    verunmöglichten.

    Es geht dabei keineswegs um spontane Proteste,
    sondern um organisierte Aktionen, bei denen im
    Grunde unpolitische Arbeitslose und junge
    Unruhestifter von den Organisatoren eingesetzt
    werden, wobei Letztere linksextremistischen
    Miniparteien und radikalen gewerkschaftlichen
    Splittergruppen angehören. Am vergangenen
    Dienstag veranstalteten die «Piqueteros» sogar
    einen Kongress in der Hauptstadt, an dem die
    Redner, allesamt aus der Mittelschicht, mit
    marxistisch-leninistischen Phrasen zu brillieren
    wussten. Am kommenden Dienstag wollen die
    «Piqueteros» die Zufahrtswege zu 50 Städten auf
    24 Stunden sperren; die Sperrfrist soll eine Woche
    später auf 48 Stunden und danach auf 72 Stunden
    verlängert werden . . .

    Rückfall in die Gewalt?

    Bisher hat die Regierung gezögert, gegen die
    Gesetzesbrecher und Gewalttäter mit Schärfe
    vorzugehen; deshalb nimmt das Unwesen wohl
    auch seinen Fortgang. Nicht nur dies:
    Arbeitsministerin Patricia Bullrich, die allgemein als
    eines der besten und fleissigsten
    Regierungsmitglieder gilt, machte den
    offensichtlichen Fehler, die «Piqueteros»-Anführer
    zu einer Aussprache ins Ministerium einzuladen - die
    natürlich ergebnislos blieb - und damit den
    Gesetzesbrechern indirekt eine Art legalen Status
    zuzubilligen. Schon vernimmt man Warnungen aus
    der Bevölkerung vor einem Rückfall in die
    Gewaltatmosphäre der siebziger Jahre.

    «Fidel Castro im Taschenformat»

    Aus dem fernen Barcelona hat sich zu guter Letzt
    der zu lebenslänglicher Haft verurteilte und
    amnestierte Anführer der
    «Montoneros-Terroristen», Mario Eduardo
    Firmenich, zu Wort gemeldet. Er wolle seine
    «Bewegung» zu neuem Leben erwecken, diesmal
    allerdings als «rein politische» Gruppierung. Den
    Worten folgte sofort die Tat: Am Samstag fand sich
    in Buenos Aires der Firmenich-Anhang zu einem
    Gründungstreffen zusammen, an dem der
    Wahlspanier als deklarierter Führer via
    Tele-Konferenz teilnahm. «Ein Fidel Castro im
    Taschenformat», vermerkte dazu ein befragter
    liberaler Politiker trocken.
    NZZ

  7. #7

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    Nach mehreren Tagen, in denen die Pro- und Kontrapunkte gegeneinander abgewogen wurden, hat sich der IWF dazu entschieden, einen weiteren Kredit in Höhe von $8 Mrd. an die argentinische Regierung zu gewähren.

    Die USA sind der wichtigste Entscheidungsträger in dem Fonds, womit eine Entscheidung Washingtons bisher ausschlaggebend war.

  8. #8

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    IWF: Argentinien hat nicht alle Bedingungen für Kredite erfüllt

    Washington (Reuters) - Argentinien hat nach den Worten von IWF-Chef Horst Köhler noch nicht alle Voraussetzungen für die Gewährung neuer Kredite erfüllt. Vier zentralen Forderungen des Fonds sei das südamerikanische Land bislang nicht nachgekommen, sagte Köhler am Freitag.

    Der Geschäftsführende Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) bezeichnete ein Gespräch mit dem argentinischen Wirtschaftsminister Roberto Lavagna zugleich als produktiv. Beide Seiten träten in eine Phase aktiver Verhandlungen ein.

    In einer Erklärung des Fonds hieß es, die rechtlichen Fragen im Zusammenhang mit dem Gesetz zur Wirtschaftskriminalität und der Reform des argentinischen Konkursrechtes seien zwar geklärt, doch stehe noch immer der Abschluss des Haushaltsrahmens und die Schaffung eines geldpolitischen Ankers aus, durch den die Entstehung einer Hyperinflation verhindert werden solle. Zudem gebe es keine Lösung der Probleme des Bankensektors. Auch die Stärkung der Unabhängigkeit der Notenbank sei noch nicht umgesetzt.

    Der IWF machte keine Angaben dazu, wann eine neue Verhandlungsdelegation nach Buenos Aires reisen wird, um ein Programm abzuschließen, aus dem Argentinien neue Gelder bekommen könnte.

    Argentinien steckt seit mehr als vier Jahren in einer tiefen Rezession. Nachdem die drittgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas im Dezember 2001 die Zins- und Tilgungszahlungen auf die Staatsschulden von rund 140 Milliarden Dollar eingestellt hatte, blockierte der IWF die Freigabe weiterer Kredittranchen aus einem bestehenden Programm im Volumen von 22 Milliarden Dollar.

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